Röhrentechnik - Klebstoffe für die Röhrentechnik, Richtig kleben mit Wasserglas, Pattex und Hochtemperatur-Silikon GZ34 EL34, KT88, 6550, 6L6GC, 5881, 6AS7G
28.08.2008. - 05:15

Klebstoffe für die Röhrentechnik


Richtig kleben mit Wasserglas, Pattex und Hochtemperatur-Silikon

17.02.2006


Seit Uhu und Ponal hat die chemische Industrie enorme Fortschritte im Bereich der Klebstoffe gemacht. Heutzutage lässt sich nahezu jedes Material durch das Wirkprinzip »Adhäsion« und »Kohäsion« kleben. Selbst kleine Platzwunden bei Mensch und Tier werden nicht mehr genäht sondern einfach geklebt. Es ist also schlichtweg ein Irrglaube, dass Sachen, die nicht verschraubt, verlötet oder vernietet werden können, nicht zusammengehören oder irreperabel defekt sind.

Klebstoffe

Der Kleber Repair Extreme von Pattex ist ein relativ neuer Kleber der sich besonders dafür eignet, schnell und relativ unauffällig Materialien zu verbinden. Die Eigenschaften dieses Klebers sind nahezu prädestiniert auch bei Röhrensockeln (nicht Fassung!) den Pumpstutzenschutz bzw. den Führungsstift z.B. bei den Röhren EL34, 6550, 6AS7G, EL156, GZ34 (alle für Oktalfassungen) o.ä. zu kleben.

Und wem ist das noch nicht passiert, dass der mittlere Führungsstift solcher Röhren beim Herausziehen abbricht? Bisher wurden diese Röhren ja endgelagert oder mit Sekundenkleber wieder repariert mit dem Erfolg, dass beim nächsten Herausziehen der Röhren der Führungsstift wieder abbricht, weil der Sekundenkleber die Klebeeigenschaft durch die Wärmeentwicklung verloren hat. Zumal nicht jeder Sekundenkleber in der Lage ist, den Kunststoff der Röhrensockel wirkungsvoll zu verkleben.

Mit dem Pattex-Kleber habe ich erfolgreich einige EL34, KT88 und 6AS7G reaktiviert. Zu enge Oktalfassungen aus Porzellan oder Keramik stellen daher auch kein Problem mehr dar. Der Kleber an sich weist eine hohe Elastizität bei gleichzeitiger Temperaturstabilität bis zu 120°C auf. Die Endfestigkeit ist bereits nach 2 Stunden erreicht.


Doch nicht nur moderne Klebstoffe finden in der Röhren-Werkstatt Verwendung. Ein altbekanntes Klebemittel welches schon unsere Oma und Uroma kannte ist Wasserglas.

Wasserglas ist, chemisch betrachtet, ein Silikat welches wasserlöslich ist und sich mit Wasser zu einer gallertartige Masse verbindet. Damit man Wasserglas zum reparieren von lose sitzenden Röhrensockeln verwenden kann, muss etwas Quarzsand (je nach gewünschter Farbe auch als Bastlerbedarf erhältlich) oder Talkumpulver (weiss) untergemischt werden. Lösungsmittelfreie und wasserlösliche Farbe sollte zum einfärben ebenfalls funktionieren.

Diese Paste muss nun zügig verarbeitet werden, denn die Endfestigkeit wird relativ schnell erreicht. Diese Klebepaste ist sehr Temperaturbeständig und selbst 250°C (die bestimmte Röhren-Glaskolben locker im Betrieb erreichen) können dieser »Paste« nicht anhaben (die Schmelztemperatur von Wasserglas liegt bei über 1000°C).

Allerdings ist die Aussage falsch, dass Wasserglas unter Hitzeeinwirkung immer fester wird. Je nach verwendeten Beigaben (Talkum, Quarzsand) muss das Mischungsverhältnis mit Wasser zur Reparatur von Röhrensockeln experimentell ermittelt werden. Eine Faustformel lautet etwa 1:1:7 oder
1 Teil Wasserglas, 1 Teil Quarzsand oder Talkum mit 7 Teile Wasser verrühren.


Ein ebenfalls hervorragender Klebstoff ist Hoch-Temperatur Silikon. Damit werden nicht nur die Innenscheiben einer Backofentür eingeklebt, sondern lässt sich auch innerhalb eines Röhrenverstärker-Chassis hervorragend verarbeiten. Dieses Silikon ist bis maximal 300°C temperaturfest und hält auch mittelkräftige mechanische Belastungen aus.

Auch Röhrensockel oder -Fassungen, umherwackelnde (Becher)-Kondensatoren können mit Hoch-Temperatur Silikon geklebt werden, wenn diese keine allzu grossen mechanischen Belastungen unterliegen. Besser als handelüblicher Heisskleber ist der Silikon allemal!





Letzte Aktualisierung am 12.02.2007 - 19:13
 
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