Anschluss von Audiogeräten, speziell Röhrenverstärker, Die Sache mit der Steckerdreherei… Ausphasen, Inphasen von High-End Röhrenverstärker und CD-Player
Seiten: 1 2 3 4 5
01.12.2008. - 17:23

Anschluss von Audiogeräten, speziell Röhrenverstärker


Die Sache mit der Steckerdreherei…

21.05.2008


Anmerkung: In vielen älteren Häusern ist der FI ziemlich gutmütig oder es existiert noch die berühmte Schmelzsicherung (Auslösestrom >30mA). Auch soll es noch Wohnungen geben, die keine (oder nur eine »schmutzige«) Erdung besitzen oder nur im Bad und Küche eine »echte« Erdung aufweisen. Es besteht zwar keine Nachrüstpflicht aber gerade bei Hochvolt-Hobbys und bei Verstärker mit Schaltnetzteilen möchte ich nicht wirklich auf den Schutzleiter verzichten. Wie das nachträglich installiert werden kann, darüber kann jeder Elektriker erschöpfend Auskunft geben. Röhrenverstärker ohne richtige Erdung zu betreiben ist schlichtweg Wahnsinn.

Potentialunterschiede durch verschiedene Phasen

Da steht er nun, der Röhrenverstärker. Fix die Cinchkabel mit dem CD-Player verbunden, Stecker in die Steckdose, eingeschaltet - Klack. Die Hauptsicherung tat ihren Unmut ob des Fehlerstroms kund. Und wenn die Sicherung nicht herausfliegt, dann besteht durchaus die Chance, dass es etwas brummt oder man sich über den nicht verhandenen Klang wundert.

Also alles wieder lösen und sich auf Fehlersuche begeben? Bevor man nun viel Zeit und Energie verschwendet, messen wir doch einfach nach und fangen damit beim CD-Player an: alle NF-Verbindungen entfernen, Stecker aus der Steckdose ziehen, mit einem Phasenprüfer die Phase an der Steckdose ermitteln und entsprechend markieren. Nun den Stecker wieder in die Steckdose stecken.

Multimeter im Wechselspannungs-Bereich stellen (AC 200V), CD-Player einschalten und die eine Messstrippe an den Schutzleiter der Steckdose halten (wer nicht weiss, wo das ist, sollte sich sofort von jedem elektrischen Gerät fernhalten), die andere Messstrippe ans Gehäuse des CD-Players (an einer blanken Verschraubung). Und jetzt nicht erschrecken: es kann durchaus sein, dass man eine Spannung misst, die weit über 100V beträgt (Das ist allerdings nur irgendein Wert der abhängig vom Innenwiderstand des Messinstruments ist. Ausserdem ist die Spannung nicht belastbar - sie bricht sehr leicht zusammen). Diese statischen Ströme fliessen auch über die Massebahn des Cinchkabels zum Röhrenverstärker und je nach Erdungsart befindet sich nun auf der Massebahn eine mehr oder minder grosse Störspannung, die den FI (im ungünstigsten Fall) ansprechen lässt. Bei Geräten mit Schaltnetzteilen (z.B. Satellitentuner) kann die Störspannung so gross sein, dass man diese bereits spüren kann, wenn man nur ein Pol des Cinchsteckers berührt.

Wird nun der Netzstecker des CD-Player gedreht und nochmals gemessen, dann sollte man eine wesentlich niedrigere Spannung messen. Das ist die richtige »Polung« des Netzsteckers und es sollte jetzt auch keine Probleme mehr geben - im Gegenteil. Für Geräte mit Schaltnetzteile (z.B. Sat-Tuner) kann diese Methode nur schwerlich angewendet werden, ggf. ist das Messgerät auf DC (Gleichspannung) zu schalten. Wenn auch das nicht hilft, kommt man um ein spezielles Messgerät nicht drumherum. Viele HiFi-Studios leihen gegen eine Gebühr solche Geräte auch aus.

Das Ausphasen (oder besser InPhasen) von direkt geerdeten Geräten (auch bei Schaltnetzteilen üblich) geht dagegen allerdings nicht so leicht und birgt auch Risiken: nur für diese eine Anwendung kann der Kontakt zum Schutzleiter unterbrochen werden (z.B. abkleben der Schutzleiterbügel, Verwendung Schutzleiterloser Mehrfachstecker…), damit man mit dieser Methode auch einen Röhrenverstärker ausphasen kann. Nur sollte man dabei aufpassen, denn das Chassis kann sich dabei wirklich statisch aufladen. Nach erfolgter Ausphasung sollte der Verstärker ausgeschaltet, der Schutzleiterkontakt wieder hergestellt und der Stecker wieder in die Steckdose gesteckt werden (der Verstärker bleibt ausgeschaltet), damit sich die statische Aufladungen sicher entladen können. Bei indirekter Erdung über einen 100Ω-Widerstand braucht man sich dagegen nicht unnötig in Gefahr zu begeben!

Die Sache mit der »richtigen Polung« des Netzsteckers führte und führt immer noch zu hitzigen Diskussionen und spaltet das HiFi-Lager regelmässig in zwei Lager. Dabei ist es längst Fakt, dass solche Potentialunterschiede die Klangqualität beeinflusst und manchmal sogar den FI unvermutet belästigt. Das wird verständlich, wenn man sich die elektrische Verkabelung von Hausanschlüssen vergegenwärtigt: an der Phase (L) liegt der Strom an der über den Nullleiter (N) wieder abfliessen soll.

Wie man ja weiss, ist das dreiadrige Stromkabel farblich kodiert:
     Schwarz (Braun): Phase bzw. L
     Blau (Rot): Nullleiter, Neutralleiter bzw. N
     Grün-Gelb: Schutzleiter, Erde bzw. PE

Die elektrische Hausverkabelung folgt dann auch dem Prinzip, das Sicherung und Schalter in der Phasenleitung liegen, der Verbraucher hingegen in der N-Leitung. Unterschiedliches Beschalten innerhalb eines Stromkreises führt zu unterschiedlichem Potential.

Die ganze Steckerdreherei nutzt aber gar nichts, wenn bereits beim Aufbau des Röhrenverstärkers »grobe« Fehler gemacht werden: auch die sekundäre Wechselspannung des Netztrafos besitzt schliesslich eine Phase. Eine wilde Verdrahtung mit vertauschten Phasen z.B. bei der Röhrenheizung kann zu erheblichen Klangeinbussen führen.

Auch ist es nicht unerheblich, aus welchem Abgriff (Phase, »Nullleiter«) die klassische negative Spannungsversorgung (Einphasengleichrichtung) generiert wird: am besten fährt man, wenn man aus der Phase die negative Vorspannung erzeugt und den »Nullleiter« dann gegen Schaltungsmasse legt.

Einen etwas kuriosen Klangeffekt hatte ich vor ein paar Monaten, als ich die zwei Gleichrichter für einen Stereo-Verstärkerblock unterschiedlich angeschlossen hatte (ist ja eh' scheinbar egal). Da wollte sich die Stereobühne nicht wirklich so aufbauen, wie ich es von anderen Verstärkern her kannte. Nach langer Fehlersuche vertauschte ich lediglich die Wechselspannungsanschlüsse an einem Gleichrichter und siehe da - nun klang es auf einmal.



… Zurück









Letzte Aktualisierung am 14.06.2008 - 16:30
 
Who's Online
Besucher online für Röhrenverstärker Es sind 7 Gäste online
Werbung