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13.05.2008. - 15:16

Ruhestrom, BIAS, Arbeitspunkt & Abgleich


Arbeitspunkteinstellung bei HiFi- & HighEnd-Röhrenverstärker (1)

12.03.2008


Ruhestromabgleich bei Röhrenverstärker

Glaubt man diversen Berichten aus der HiFi-Röhrenverstärker Szene, ist die tägliche Kontrolle des Ruhestroms der in Gegentakt arbeitenden Endröhren (EL34, KT88, 6AS7G, 6550…) ebenso wichtig, wie das tägliche Brot. Besonders die Liebhaber fernöstlicher »Billig-Möchtegern Verstärker« erheben dies zur Religion, gepaart mit hemmungslosen Röhrentausch-Orgien. So schlimm sind noch nicht mal die Jimi Hendrix Jünger. Und das will was heissen.

Dabei ist die Sache mit dem Ruhestrom (oder BIAS) für Aufgeklärte so profan, dass man eigentlich darüber nicht reden kann. Je nach Befinden, Schaltungsart und Endröhre wird ganz nüchtern z.B. auf 45mA eingestellt. Basta. In diversen HiFi-Zirkeln läuft man allerdings bei solch' einem Thema Gefahr, sich komplett ins HiFi-technische Abseits zu befördern, wenn man behaupt, dass man den Ruhestrom seit 3 Monaten nicht kontrolliert oder gar neu justiert hat.

Eine diesbezüglich an mich gerichtete Frage wird auch regelmässig dahingehend beantwortet, dass erst gestern alle Ruheströme kontrolliert und justiert wurden, weil die ECC83 in der Vorstufe den Bass etwas zu dumpf wiedergab, im Bereich des Treibers der Punch nachgelassen hat und die 6AS7G mit 2mA mehr Ruhestrom nunmehr wesentlich spritziger klingt. Nach solcher Antwort ist garantiert Funkstille. Normalerweise.

Im Ernst: also, der Ruhestrom bzw. BIAS wird bei mir nur selten kontrolliert. Nämlich dann, wenn ich den Verstärker routinemässig in den Wartungsmodus schicke (alle 6 Monate), ich langeweile habe (eigentlich nie), neue Endröhren fällig werden (seltener), ich unbedingt obskure 1950'er Kohlemassewiderstände ausprobieren muss (tue ich aber nicht) oder wenn ich eine Jungfrau habhaft werden kann, die mit mir das BIAS-Ritual bei Vollmond am 30. Februar durchführt.

Das BIAS-Ritual kann aber nur dann durchgeführt werden, wenn es auch tatsächlich etwas zum einstellen gibt. Class-A Röhrenverstärker, noch dazu Single-Ended, weisen dieses Schaltungsdetail oftmals nicht auf. Das bedeutet zwar eine Religion weniger, ich kann damit aber gut leben (zumal die Sache mit der Jungfrau bei meiner Angetrauten nicht unbedingt auf Gegenliebe stösst und es auch terminliche Probleme gibt).

Das soll nun nicht heissen, dass man den BIAS (oder auch Ruhestrom) komplett vernachlässigen kann, im Gegenteil. Mit der Möglichkeit eines einstellbaren BIAS kann der Klang (oder die Eigenschaft) eines Röhrenverstärkers nachhaltig beeinflusst werden. Dies umso mehr, als das der Röhrenverstärker selber zu eine Art Instrument wird, was für HiFi oder gar HighEnd nicht unbedingt wünscheswert ist. Die im Netz aufgeführten Anleitungen zur BIAS-Einstellung beziehen sich daher oftmals auf Röhrenverstärker für Gitarre oder Bühne und können so nicht ohne weiteres auf den HiFi-Verstärker übertragen werden.

Um die Sache um BIAS und Ruhestrom dahingehend einzugrenzen und abzukürzen, wird lediglich der Abgleich eines bestehenden oder neu aufgebauten HiFi-Röhrenverstärker (Gegentakt, Class-AB) beschrieben. Ganz ohne Kurvenschar und damit verbundene Zeichnungsübungen. Also relativ einfach. Wer jedoch mit Ohm und Strom auf Kriegsfuss steht oder nicht weiss was eine Kathode ist, lässt am besten die Finger davon und überlässt dies dem Fachmann.

Und wer meint, dass man mit einem Multimeter und irgendwelchen Messangaben den Verstärker innerhalb von fünf Minuten abgeglichen glaubt, der glaubt auch an irgendwelche Jungfrauen die in weissen Gewändern in verzauberten Wäldern nur auf uns arme HiFi-Röhrenjunkies warten.





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Letzte Aktualisierung am 14.03.2008 - 06:49
 
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