Zum Schluss steht das Hören. Messwerte sind eine Sache, Hören eine andere. Es kann durchaus sein, dass es mit den ermittelten Messwerte nicht so recht klingen will. Dann hilft nur noch einfühlsames nachjustieren, damit es wirklich rund klingt (Messgeräte und Oszilloskop nicht vergessen). Jetzt sollte wirklich der subjektive Eindruck entscheiden, was besser ist und nicht das rechnerisch erzielbare Watt.
Profis schaffen diese Abgleicharbeit innerhalb weniger Stunden. Wer darin noch nicht so geübt ist, oder einen toleranten Billig-Röhrenverstärker sein eigen nennt, kann damit durchaus ein komplettes Wochenende verbringen.
Weitere typische Fehler die gerade bei Selbstbau-Röhrenverstärker und/oder bei preiswerten China-Verstärkern auftreten sind zum einen brummende, zum anderen hochfrequent schwingende Verstärker. Gerade bei schwingenden Röhrenverstärkern äusserst sich dies auch durch sehr schnelles erhitzen von Kathodenwiderständen oder Siebwiderstände im Netzteil! Bei brummenden Verstärkern kommt es auf Erfahrung an: ist es wirklich ein Brumm oder klappernde Wickel bzw. Bleche des Netztrafos, die sich bis zum Lautsprecher durchschlagen?
Was kann der Verstärker nun wirklich?
Jetzt, wo wir die maximale Verstärkerleistung bei 1kHz ermittelt haben, ist man versucht, auch die tatsächlichen Grenzen des Verstärkers auszuloten. Das Einstellen des Sinusgenerators auf 20Hz oder gar 15Hz erscheint ebenso leicht wie verlockend. Aber hier lauert eine Gefahr, die man nicht unterschätzen darf:
Der reine Sinus kommt faktisch in der Natur nicht vor. Zahlreiche, mehr oder minder starke Oberwellen, sind der Grundschwingung überlagert und bestimmen die Klangfarbe eines Tons. Diese Oberwellen fehlen aber dem Signal aus dem Sinusgenerator und ein damit angesteuerte Röhrenverstärker kann unter bestimmten Voraussetzungen die angeschlossene ohmsche Last nicht mehr »sehen«. Der Verstärker befindet sich dann praktisch im Leerlauf - mit den bekannten Folgen: Spannungsüberschläge in/an den Röhren oder an/im Übertrager selbst.
Der rein ohmsche Dummy muss daher durch einen »echten« Dummy (komplexe Last) ersetzt werden. Ist so ein Dummy nicht vorhanden, lässt man die Finger vom Sinus. Ein realer Lautsprecher ist bei solchen Tests eine denkbar schlechte Lösung.
Die komplexe Last (Dummy) gaukelt dem Röhrenverstärker dann höchst effektiv einen Lautsprecher vor. Wer des öfteren Röhrenverstärker (für HiFi, HighEnd, Gitarre) abgleicht, kommt um einen solchen Dummy eben nicht drumherum. Das sind zwar Mehrausgaben die sich, je nach Qualität und Leistung, in die Hundert-Euro Region bewegen können, sich aber schnell bezahlt machen. Hier ein preiswerter 8Ω-Lautsprecherersatz für eine mittlere Leistung bis etwa 80W zu einem Preis, der weit unter 100,- Euro liegt.
Der 6Ω-Widerstand wird aus drei seriell geschalteten 2Ω-Leistungswiderständen zusammenlöten. Die Spulen sind normale (und preiswerte) Luft- und Ferrit- bzw. Trafokernspulen aus dem Lautsprecherbau. Als einzigster Kondensator findet sich ein bipolarer Elko mit einer Spannungsfestigkeit von 63V. Damit bestimmt dieser Elko, zusammen mit den Leistungswiderständen die Belastbarkeit des Dummy. Der Gleichstromwiderstand beträgt in dieser Anordnung etwa 7,8Ω. Die Metallkörper-Widerstände werden, um die maximale Leistung zu erhalten, auf einem grossen Metallkörper bzw. Rippenkühlblech aufgeschraubt (das Metallgehäuse eines ausrangierten 08/15-DVD-Players geht genauso gut und hat den Vorteil, dass die anderen Bauelemente in diesem Gehäuse ebenfalls eingebracht werden können). Wird noch mehr Leistung gewünscht, müssen die Bauelemente anders dimensioniert werden.
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