Normalerweise ist im Primärkreis eines Netzteils nicht viel zu finden. Ausser Netzschalter, Sicherung und eben der Wickel des Transformators. Normalerweise, wohlgemerkt. Und normalerweise kommt man mit dieser puristischen Beschaltung aus. Wenn man zufällig in Kleinkleckersdorf wohnt und die nächste Industrieanlage mehrere hundert Kilometer weit weg ist - oder man sich selber, völlig autark, mit einem eigenem Kraftwerk versorgt.
Die normalsterblichen HiFi-Liebhaber aber wohnen eben nicht in Kleinkleckersdorf und betreiben auch kein eigenes Kraftwerk. Also nehmen wir den gelben, grünen oder Öko-Strom, den wir geliefert bekommen als handliche 50Hz-Päkchen aus der Steckdose.
Hat sich aber was mit 50Hz-Päkchen. Schaltnetzteile, Babyfons und Netz-LAN sei Dank haben wir es heute nicht mehr nur mit 50Hz-Sinus zu tun. Dieser ist faktisch nicht mehr vorhanden. Die Netzfrequenz ist mit HF verseucht und asymmetrische Spikevorkommen sorgen dafür, dass auch der highendige CD-Player ausser Tritt gerät. Und von Stabilität des Netzes wollen wir erst gar nicht reden. Eine Über- oder Unterspannung ist eher die Regel als Ausnahme.
Gegen Spikes, Über- oder Unterspannung helfen sogenannte Netzfilter oder Netz-Stabilisierer, auch Power Conditioner genannt. Diese Netzfilter helfen auch, mehr oder minder zuverlässig, das lästige HF, mit dem die Netzspannung beaufschlagt ist, zu eliminieren oder so abzuschwächen, dass er im CD-Player keine Rolle mehr spielt. Wobei, auch das muss gesagt werden, eine gewisse Spannungstoleranz und einen gewissen »Verseuchungsgrad« wird von jedem modernen Gerät verkraftet. Vielfach erzeugen diese ja selber Spikes (z.B. die modernen DVB- oder SAT-Tuner, DVD- oder Festplattenrecorder) oder pusten ihrerseits reichlich HF in die Netzleitung.
Im Netzteil eines Röhrenverstärkers, wo die Netz-Wechselspannung meist herauf- transformiert wird, sind einfache Netzfilter aus dem Elektronik-Discount fast wirkungslos und helfen meist auch nur bei einer symmetrischen Störfrequenz. Das, was vorher abgeschwächt wurde, wird durch das herauftransformieren der Wechselspannung ja wieder prima verstärkt (wenigstens zum Teil, denn der typische Netztrafo ist auf 50Hz ausgelegt). Hier helfen also nur spezielle Geräte (die man nicht im Baumarkt bekommt), die auch die wesentlich häufigeren asymmetrischen Anteile ausfiltern. Unter- und oberhalb der eigentlichen Netzfrequenz werden verschiedene Filter eingesetzt, die die unerwünschten Frequenzanteile gegen Erdmasse ableiten bzw. so abschwächen, dass sie auch nach der »Verstärkung« durch den Netztransformator keine Rolle mehr spielen. Natürlich gibt es solche Geräte nicht für lau.
Wenn man als passionierter HiFi-Liebhaber also meint, ein Netzfilter oder Power Conditioner könnte dazu beitragen, den Klang der HiFi-Anlage zu verbessern, sollte sich unbedingt einmal ein Testgerät zulegen. Gegen eine Kautionszahlung stellt jeder seriöse Händler so ein Gerät zur Verfügung (Beratung inklusive).
Für die Skeptiker, die so einen Netzfilter als Voodoo ansehen: man kann nicht beurteilen, wenn man es selber nicht ausprobiert hat. Ähnliches gilt übrigens für kleine Kästchen, die den Blindwiderstand von Cinch- und Lautsprecherkabeln kompensieren. Übrigens sind diese Kästchen viel effektiver und wirkungsvoller, als so manches teure Superkabel. Aber handfeste und nachvollziehbare Physik verkauft sich eben schlecht. Der Kunde will eben beschissen werden und ist auch noch glücklich dabei.
|