Bei Einsatz einer Siebdrossel gilt zu beachten, dass die Phase des Stroms durch die Drossel (und damit auch die Spannung am Verbraucher) der Spannung am Ausgang des Gleichrichters um 90° hinterherhinkt. Die Spannung am Verbraucher erreicht somit nie den Spitzenwert der Gleichrichterspannung. Die mittlere Gleichspannung am Ausgang einer Drossel ist daher geringer (aber konstanter) als die an einem Ladekondensator. Das heisst, dass die Gleichspannung bei steigender Belastung nicht so rasch absinkt wie bei einer reinen Kondensatorsiebung. Dafür kann der Kondensator wesentlich schneller auf Impulsspitzen (und somit auf erhöhte Spannung- bzw. Stromanforderung) reagieren.
Ein weiterer Nachteil bei einem Drosseleinsatz ist, dass die zur Verfügung gestellte Sekundärleistung des Transformators höher gewählt werden muss. Bei einer reinen Kondensatorsiebung kann diese Leistung (fast) exakt auf die erforderliche maximale Leistungsaufnahme des Verstärkers abgestimmt werden.
Ein Drosseleinsatz wird jedoch unabdingbar, wenn Leistungsendstufen mit Spannungen über 900V arbeiten (z.B. eine 845 Eintaktendstufe mit Ub 1.250V. Man könnte hierbei natürlich den gewünschten Siebfaktor ohne weiteres mit Kondensatoren erzielen. Eine Drossel ist hier aber wesentlich effektiver und preisgünstiger.
Für eine angenommene Versorgungsspannung von 1.200V nach dem Gleichrichter sind entsprechende Siebkapazitäten nur »sehr schwer« erhältlich. Man behilft sich hier mit einem Trick, dass die Kondensatoren über ohmsche Spannungsteiler seriell geschaltet werden. Weil aber durch die Serienschaltung von Kondensatoren die effektive Siebkapazität um den Faktor der geschalteten Kondensatoren nachlässt (Pi mal Daumen), ist man gezwungen, entsprechend hohe Kapazitäten seriell einzusetzen.
Um also eine effektive Kapazität von etwa 150µ zu erhalten, müssen drei Kondensatoren zu je 470µf (450V) seriell geschaltet werden. Wer schon einmal eine 20W-Eintaktstufe gebaut hat weiss, dass man mit 150µ Siebkapazität allein nicht sehr weit kommt. Man könnte nun diese Elko-Batterie entsprechend parallel schalten bis etwa 500µF Kapazität erreicht werden. Der Kosten-Nutzen-Aufwand steht aber wirklich in keinem Verhältnis mehr.
Bewegt sich Versorgungspannung bei Eintaktendstufen jedoch im Rahmen (gemeint ist hier maximal 430V), dann machen Drosseln (fast) keinen Sinn mehr, da die entsprechende Siebung bequem und ohne Komplikationen mit Kondensatoren erzielt werden kann (auch wenn der Siebfaktor bescheiden aussieht). Weiterhin sollte man den Übertrager selber (egal ob Gegentakt- oder Eintaktendstufe) in der Betrachtung des Brummfilters mit einbeziehen! Ist man auf einem Retro-Selbstfindungstrip und verweigert den Segen der modernen Technik, dann baut man den 10W-Verstärker natürlich wie vor 70 Jahren auf (natürlich mit »NOS« Öl-Papierkondensatoren (frisch gefischt) vom Sondermüll-Lager und Kohlemassewiderständen aus dem karibischen Zauberladen).
Um Vor- und Nachteile der jeweiligen Siebungsart (in der Reinstform) auszugleichen, wird die Drossel häufig zwischen zwei Siebkondensatoren (das sog. PI-Filter oder auch CLC-Siebung genannt) eingesetzt. Die Kapazitätsanforderung an den Kondensatoren verringert sich dabei z.T. erheblich. Anstatt Drossel kann jedoch auch ein Serienwiderstand eingesetzt werden, dann müssen jedoch die Kapazitäten erhöht werden um die gleiche Siebwirkung zu erzielen (RCR-Filter).
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