Die Spannung nach einem Gleichrichter ist alles, bloss eben keine Gleichspannung im eigentlichen Sinne (sie pulsiert). Was noch fehlt ist eine effektive Siebkette (Brummfilter). Da in einem Leistungsverstärker kein stabilisiertes Netzteil eingesetzt werden kann (darf), bleibt für die Realisierung einer Siebkette nur der Widerstand, Kondensator und evtl. die Drossel übrig. Und damit wir uns nicht verzetteln, betrachten wir die Netzteilkonzeption ausschliesslich unter den heute gegebenen Voraussetzungen.
In der einfachen Netzteilvariante sorgt ein gepolter Ladekondensator dafür, dass aus der gepulsten Gleichspannung eine mehr oder minder glatte Gleichspannung entsteht. Während der postiven Halbwelle lädt sich der Kondensator auf und überbrückt während der Spannungstäler die Strom- bzw. Spannungsversorgung. Je nach Gleichrichterart (Einwege-, Zweiwege- oder Brückengleichrichter) sind die Spannungstäler zeitlich entsprechend gross. Je nach Belastung und Art des Netzteils (Strom- bzw. Spannungs- entnahme) muss der Kondensatorwert entsprechend gross gewählt werden, um die Spannungstäler sicher überbrücken zu können.
Anders als in Halbleiterverstärker sind in Röhrenverstärker keine hochkapazitiven Siebkondensatoren nötig! Der Irrglaube, dass viel (Mikro-) Farad viel hilft, hält sich leider hartnäckig. Die Kondensatorkapazität hängt vielmehr von der Stromaufnahme des Verstärkers ab. Die im Car-HiFi-Bereich verwendeten Kapazitäten (als Puffer) sind z.B. für den heimischen Halbleiterverstärker vollkommen »oversized« und können genau das Gegenteil bewirken. Auch aus diesem Grund sollte man nicht wahl- und hemmungslos die vorhandene Siebkapazität verdoppeln oder verdreifachen. Auch wenn dies immer wieder publiziert wird, um einen satteren Bass zu bekommen. Man muss bedenken, dass solche Monsterkapazitäten ja auch aufgeladen werden müssen. Und je grösser die Kapazität, desto länger dauert es. Abgesehen von dem netten Effekt, dass die Lichter im Haus ausgehen können, wenn der »getunte« Verstärker eingeschaltet wird. Siehe auch Kondensator's Zeitkonstante.
Früher war der hochkapazitive Elektrolytkondensator (alles über 100µ war damals hochkapazitiv) ein sehr teueres Bauteil. Dementsprechend setzte man zur Siebung eine Drossel ein welche wesentlich preiswerter war. Die Drossel hat dabei die Aufgabe, die Wechselspannungs- anteile der Gleichspannung einen (mehr oder minder hohen) Widerstand entgegenzusetzen. Die Wechselspannung wird also abgeschwächt, während die Gleichspannung die Drossel fast ungehindert passieren kann. Die Wechselspannungs- anteile nutzt die Drossel, um damit ein eigenes Magnetfeld aufzubauen. Dieses Magnetfeld nimmt ab, je mehr Strom dem Netzteil entnommen wird, um damit das Spannungsniveau einigermassen konstant zu halten. Ein nachgeschalteter Kondensator filtert und stabilisiert die Gleichspannung (Pi-Filter).
Nun kann (darf) man die Induktivität einer Netzteildrossel auch nicht beliebig hoch wählen, um damit eine möglichst hohe Siebwirkung zu erzielen (auch hier gilt, dass viel Henry nicht viel hilft). Die Formel für den Siebfaktor verleitet häufig dazu, wesentlich mehr Henry einzusetzen, als nötig. Denn je höher die Induktivität der Drossel, desto grösser natürlich auch der Widerstand, respektive Gleichstromwiderstand. Den schlechten Wirkungsgrad einer Zweiwegegleichrichtung (bei Röhrenverstärkern durchaus üblich) muss ja nun nicht noch weiter verschlechtert werden! Und auch bei einer Brückengleichrichtung bringen niedrige Kapazitäten und hohe Induktivitäten gar nichts.
Ein weiterer Nachteil einer Drossel ist, dass sie auf magnetische Wechsel- spannungsfelder allergisch reagiert. Wer die Drossel also in das Streufeld des Netztrafos positioniert, darf sich über die mangelnde Qualität des Netzteils nicht wundern. Da die Drossel aber auch ihrerseits ein Magnetfeld aufbaut, darf sie natürlich auch nicht in die Nähe von NF-Signalkabeln oder -Anschlüssen.
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