Röhrentechnik - RC-Filter, Gegenkopplung, Spannungsabhängige & Frequenzabhängige Gegenkopplung, ein Exkurs (2) Williamson Röhrenverstärker
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20.08.2008. - 18:44

Gegenkopplung


Spannungsabhängige & Frequenzabhängige Gegenkopplung, ein Exkurs (2)

17.02.2006


Meine persönliche Einstellung zur Gegenkopplung sind etwas zwiespältig. Oftmals habe ich die Erfahrung gemacht, dass eine Gegenkopplung zwar rechnerisch korrekt dimensioniert ist, der Verstärker (besonders der Röhrenverstärker) aber an Dynamik verloren hat. Er klingt einfach müde und will nicht in Schwung kommen. Entfernt man die Gegenkopplung bzw. dimensioniert die Gegenkopplung nach Gehör, dann ist es oft so, als ob man einen Vorhang von den Lautsprechern gezogen hätte.

Ein Hinweis zur Gegenkopplung: diese soll nur dazu dienen, den Verstärker in allen Lebenslagen stabil zu halten. Etwaiges Schwingen, Pumpen oder was auch immer soll dadurch vermieden werden! Nebeneffekt einer Über-alles-Gegenkopplung ist, dass sich die Eingangsempfindlichkeit ändert (erhöht). Es sind nicht wenige Bauvorschläge, die dies gezielt nutzen - allerdings auf Kosten des Klanges.

Doch - was ist eine Gegenkopplung überhaupt? Vereinfacht ausgedrückt wird hiermit ein Teil der Ausgangsspannung zum Verstärkereingang zurückgeführt. In alten Verstärkerschaltbilder ist der Gegenkopplungswiderstand 2,2k bis 22kΩ dimensioniert, oftmals sogar noch mit einem parallelgeschalteten Kondensator (frequenzabhängige Gegenkopplung). Das mag für die damalige Zeit ausreichend gewesen sein, heute würde diese straffe Gegenkopplung aber für Entsetzen und sofortige Entsorgung des Verstärkers sorgen.

frequenzabhängige Gegenkopplung

Würde man den kleinen Gegenkopplungs-Widerstand (der ja eigentlich nichts mit dem hier besprochenen Thema eines Filters zu tun hat) von 3,9kΩ auf das Dreifache erhöhen, würde der Verstärker sofort anders klingen, nämlich wesentlich dynamischer. Der parallel geschaltete Kondensator sorgt für eine frequenzabhängige Dämpfung. Auch dieser Kondensator ist für heutige Verhältnisse zu gross dimensioniert. Der blinde Nachbau eines solchen Verstärkers aus dem Holozän des HiFi-Zeitalters kann daher eigentlich nur zu einem Misserfolg führen.

Produziert der Verstärker Zischlaute, hilft ein Dämpfungsglied im Gegenkopplungszweig diese Fehlfunktion wirksam zu bekämpfen. Hier wäre es jedoch ratsam, diesem Kondensator einen Widerstand vorzuschalten, um die Wirkungsweise der frequenzabhängigen Gegenkopplung besser kontrollieren zu können. Das wäre der einfachere Weg. Der steinige Weg ist, das Schaltungskonzept nochmals zu überdenken. Blinder Nachbau schadet und so manch hochgepriesene Schaltung entpuppt sich hinterher als vollkommen verkorkst.

Ketzerisch könnte man nun behaupten, dass ein Verstärker, der nur mit Gegenkopplung vernünftig arbeiten will, eigentlich nicht zu gebrauchen ist. Wenn man einen solchen Röhrenverstärker nur mit solchen Kunstgriffen linearisieren will (muss), dann kann man sich auch einen Röhrenverstärker sparen und gleich zu der Halbleiterfraktion wechseln.

Tatsächlich werden in Gegentaktschaltungen wesentlich häufiger Gegenkopplungen zur Linearisierung eingesetzt, als in Eintaktschaltungen. Und ein moderner Halbleiterverstärker kann ohne Gegen- und Mitkopplung erst gar nicht funktionieren. Deshalb »klingen« fast alle stark gegengekoppelte Verstärker sehr steril - nämlich gar nicht, was auch das Ziel von einigen HighEnd-Enthusiasten ist. Ein Verstärker hat eben nicht zu klingen.

Es gibt aber einen Bereich in der HiFi-Welt, da kommt man um Gegenkopplung oder kunstvoll arrangierte Dämpfungsglieder (bzw. Korrektur-Netzwerk) nicht herum. Und das sowohl in der Halbleiter- als auch in der Röhrentechnik.





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Letzte Aktualisierung am 14.06.2007 - 11:29
 
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