Besonders die mit dicken Kondensatoren bestückten Netzteile sind oft tückisch. Solange das Gerät in Betrieb ist, findet ein dauernder Lade- und Entladevorgang im Kondensator statt. Die hinter dem Siebkondensator liegende Schaltung wirkt dabei wie ein parallel geschalteter Widerstand, der dem Kondensator Energie entzieht. Fehlt jedoch dieser Widerstand (ausgeschaltetes Gerät), dann kann es unter Umständen sehr lange dauern, bis sich ein Kondensator wieder entladen hat.
In Netzteilen werden hauptsächlich Elektrolytkondensatoren als Siebelemente eingesetzt. Die können, je nach Leistung und gewünschtem Siebfaktor, mehrere tausend µF betragen. In modernen Halbleiterverstärkern sind Siebkapazitäten von 20.000µF oder mehr keine Seltenheit. In Röhrenverstärkern reichen dagegen maximal 470µF (für Gegentaktverstärker) bis maximal 1.000µF (für Eintaktverstärker ohne Siebdrossel).
Bekannterweise gehören sog. Entladewiderstände den Siebkondensatoren parallel geschaltet, damit sich die Kondensatoren auch dann entladen können, wenn das Gerät nicht benutzt wird. Sehr vorsichtige Naturen schalten den Siebkondensatoren noch einen hochbelastbaren niederohmigen Widerstand parallel, wenn sie an diesen Geräten arbeiten wollen. Eine beliebte Spielerei ist es auch, mit einem Schraubendreher beide Pole eines Becherelkos kurzzuschliessen. Abgesehen davon, dass man damit einen Kondensator zerstören kann, sorgt das Aufblitzen der Funkenstrecke und das unüberhörbare Knallen für nachhaltigen Respekt vor diesen Dingern.
Die Höhe des Entladewiderstandes kann man experimentell ermitteln. Ich habe es mir angewöhnt, zwei parallel geschaltete 390kΩ-Widerstände (je 2W) einzusetzen. Das ergibt einen ungefähren Widerstand von 180kΩ. Ich setze diese Widerstände deshalb ein, weil ich davon mehrere Kilo auf Lager liegen habe. Ein einfacher 100kΩ-Widerstand tut es natürlich auch.
Sind zwei oder mehr Kondensatoren über einen ohmschen Spannungsteiler parallel geschaltet, so erübrigt sich ein weiterer Entladewiderstand, da die Spannungsteiler diese Funktion übernehmen! Grundsätzlich sollte man sich aber angewöhnen, jedem Siebkondensator (egal ob in Vor-, Treiber oder Endstufe) mindestens einen 100kΩ-Widerstand parallel zu schalten.
Der Entladevorgang verläuft aber keineswegs umgekehrt proportional zum Ladevorgang. Hier spielen die Ladeströme und die Entladewiderstände eine Rolle. Ein Kondensator kann innerhalb von 5 Sekunden aufgeladen sein, die Entladung dagegen kann mehrere Stunden dauern.
Mehr über den Kondensator im Gleichstromkreis findet sich auf
das ElKo.
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