Ich habe dieses Essay komplett überarbeitet. Seit September 2006 stand der Artikel über Übertrager in ähnlicher Form online. Mit dieser Neufassung habe ich mich bemüht, die technischen Zusammenhänge etwas genauer und leichter nachvollziehbarer zu gestalten. Naturgemäss kann nicht auf alles eingegangen werden und manches blieb - aus Platzgründen - auf der Strecke. Wer sich für die Übertragertechnik interessiert, muss sich alte (und sehr aufschlussreiche) sowie neuere Literatur besorgen.
In einem Röhrenverstärker ist der Übertrager das qualitätsbestimmende Bauelement schlechthin. Häufig wird jedoch mehr Geld für ein Satz Röhren oder gar »Wunder-Kondensatoren« ausgegeben, als für einen wirklich guten Ausgangsübertrager.
So konnte der Röhren-Vollverstärker mit der 6AS7G aus dem Buch »Hören mit Röhren« zwar viele Nachbauer überzeugen, oftmals machte sich auch Enttäuschung breit. Obwohl der Aufbau (oftmals) völlig richtig vorgenommen wurde, war das klanglich Ergebnis weniger zufriedenstellend und auch die Messwerte waren mehr schlecht als recht.
Ein Hauptgrund war (ist), dass man am falschen Ende gespart hatte. Aus Kostengründen wurden vollkommen falsche und zudem unterdimensionierte Übertrager eingesetzt. Auch der Netztrafo wurde häufig viel zu knapp dimensioniert.
Um es gleich vorweg zu nehmen: In diesem Röhrenverstärker sollte ein Ausgangsübertrager vom Typ M102B eingesetzt werden. Erst dann zeigt dieser 6AS7G-Gegentaktverstärker das, was er wirklich kann: knapp 15 Watt bei einem Frequenzgang von unter 15Hz bis weit über 40kHz hinaus. Bei Vollaussteuerung wohlgemerkt! Das Gesamtlayout dieses Verstärkers ist darauf ausgelegt.
Übertrager, mit einem kleineren Kern (beispielsweise M85, M102A), bringen es in diesem Fall einfach nicht, auch wenn so mancher Händler meint, dass man mit M102B »mit Kanonen auf Spatzen schiesst«. Ein ausgerechneter Raa anhand von Röhrendaten und Spannungsangaben oder die im Netz kursierenden Rohdaten sind eben nicht alles - knapp an der Wahrheit vorbei oder schlichtweg falsch. Allerdings: grösser als M102B braucht der Übertrager auch nicht zu sein. Dass wäre dann doch zuviel des Guten.
Vorweg angemerkt: »Meine« Übertrager sind aus deutschen Landen von einem namenlosen aber verantwortungsbewussten Trafowickler gewickelt und nach VDE geprüft. Als Kernmaterial wird äusserst hochwertiges (und damit leider auch teueres) Übertragerblech verwendet. Äh… Halt. Moment. Der Begriff »Trafowickler« ist so nicht ganz richtig ist. Vergessen Sie die romantische Vorstellung, dass da jemand stundenlang Kupferdraht auf einen Spulenkörper wickelt (womöglich becirct von vergeistigten HiFi-Jungfrauen). Vergessen Sie überhaupt Handarbeit. Hände kommen nur ins Spiel, um die Maschine zu rüsten, um Daten in den Computer einzugeben und letztendlich den Start-Knopf zu drücken. Alles andere geschieht vollautomatisch. Dann wird das Werkstück (für den »Trafowickler« ist es nichts anderes) von Hand entnommen, und dann gehts und ab in die Prüfstrecke. Das war die ganze Handarbeit. Ubrigens: Für jeden »Trafowickler« (richtiger wäre der Ausdruck Maschinenführer) ist es ausserdem völlig egal, ob ein Netztrafo, ein Übertrager (Gegentaktübertrager, Eintaktübertrager) oder eine Drossel gewickelt werden soll. Habe ich Sie jetzt völlig desillusioniert? Keine Angst, es geht noch weiter.
Ach ja: Wohlklingende Namen aus Übersee brauche ich mir auch nicht anzutun. Diese Trafos sind oftmals keinen Deut besser als der gleiche Übertrager mit den gleichen technischen Daten von »meinem« Trafowickler. Ausserdem hat »mein« Trafowickler den Vorteil, dass er erreichbar ist, falls mal was sein sollte.
Halt. Natürlich gibt es auch für einen »Trafowickler« Unterschiede zwischen Netztrafo und Übertrager. Die Berechnungen für einen Netztrafo sind wesentlich einfacher, da dieser nur eine Frequenz und Primärseitig nur eine feste Spannung berücksichtigen muss: die 50Hz Netzfrequenz bei 230V. Und auch in der Wickeltechnik gibt es ein paar Unterschiede: Während der gemeine Netztrafo einfach ein paar Lagen Kupferdraht auf den Spulenkörper gewickelt bekommt, gestaltet sich dies bei einem Übertrager mehr oder weniger komplizierter. So z.B. das Thema Verschachtelung ohne die ein Übertrager kaum zufriedenstellend arbeitet - verringert die verschachtelte Wicklung bei einem Übertrager ja auch die unerwünschte Streuinduktivität.
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