Ausgangsübertrager für Röhrenverstärker - Übertrager für Röhrenverstärker, Alles Marketing - oder was? Siliziumeisen oder Dynamoblech?
Seiten: 1 2 3 4
05.02.2012. - 03:51

Übertrager für Röhrenverstärker


Alles Marketing - oder was? Siliziumeisen oder Dynamoblech?

18.12.2011


Die häufig aufgeführten Darstellungen und Anpreisungen kleinerer Kerne, links oder rechts Kornorientiert, soundsoviel Verschachtelt, mit soundsoviel Induktivität sollten unter Berücksichtigung der subjektiven Meinung des Herstellers betrachtet werden. Sie sind also keineswegs neutral, auch wenn sich alles sehr schlüssig anhört. Jetzt mal eine etwas neutralere Darstellung:

Marmor, Stahl und Eisen bricht

Nun kann man einen Übertrager ja auch nicht endlos »wuchtig« herstellen. Denn ab einer bestimmten Menge Eisen gerät man mit der Statik des Hauses in Konflikt. Vom WAF ganz zu schweigen. Dabei spielt die Beschaffenheit des Eisens erst einmal eine zweitrangige Bedeutung.

Zweitrangig? Glaubt man diversen Übertrager-Hersteller dann gibt es wohl nichts wichtigeres, als eben diese Eisenart. Entzaubern wir diesen Mythos: Vielfach handelt es sich um (simples und billiges) Dynamoblech IV (auch Transformatorenblech genannt) welches auch als Silizium-Eisen bezeichnet wird. Ein de-facto Standardmaterial in der Transformatorentechnik (früher wurden damit auch Übertrager gewickelt) und schon bereits vor dem zweiten Weltkrieg bekannt. Die Eigenschaft dieses Eisens ist, dass es nur dann magnetisch wird, wenn es von Wechselstromfelder umgeben wird. Fehlt dieses Wechselstromfeld, geht das Eisen in den nicht-magnetischen Zustand zurück. Neben diesem Silizium-Eisen gibt es noch andere Kernmaterialien, mit anderen Eigenschaften, die es z.B. ermöglichen, kleinere Übertrager herzustellen. Bleiben wir aber bei unserem Dynamoblech, welches sich werbetechnisch gar nicht so gut anhört. Klingt irgendwie billig, oder? Ja, ist es auch. Da nennt man doch besser die Legierung. Aus Frühstücksgetreide werden Frühstückscerealien.

Doch Eisen ist nicht gleich Eisen. Hier kommt es auch auf die Legierung des Dynamoblechs an sich an. Zwischen 2,5% bis 4% Siliziumgehalt sind üblich und natürlich die Eisenart (Sie glauben gar nicht, was Kohlenstoffatome so alles bewirken können). So gibt es in dem Bereich des Dynamoblechs zwei Hauptsorten: Ein Nicht-Kornorientiertes und eben ein Kornorientietes Blech. Das, was uns interessiert, ist das kornorientierte Blech nach DIN EN 10107 (Ein Halbzeug aus Stahl, Kornorientiertes Elektroblech [...] im schlussgeglühten Zustand). Anstatt schlussgeglüht wird häufig auch ganz werbewirksam das nachgeglüht hervorgehoben. Das, wie gesagt, alles Selbstverständlich, uralt. Fast jeder Übertrager besitzt ein Dynamoblech (Silizium-Eisen) nach DIN EN 10107. Dazu natürlich Kornorientiert und bei etwa 800°C nach schlussgeglüht.

Mindestens ebenso wichtig wie das Blechmaterial an sich sind die Einzelbleche, aus denen sich ein Übertrager zusammensetzt (die Blechlamellen). Standardbleche sind beispielweise 0,35mm oder sogar 0,50mm dick. Bleche mit 0,50mm sind Standard in der Transformatorentechnik, ab 0,35mm aber erhält man einen sehr viel besseren Trafo (sowohl Netztrafo als auch Übertrager), der zudem wesentlich bessere Eigenschaften aufweist. Für einen Netztrafo mag Dynamoblech ja noch angehen, nicht aber, wenn man einen richtig guten Übertrager erhalten will.

Richtig gute Übertrager verwenden statt des billigen Dynamoblechs (z.B. die gängige M111-Sorte) spezielles Übertragerblech, welches chemisch voneinander isoliert (glühbeständige Carlite-Isolation), sorgfältig geschachtelt wird. Dies hat den Vorteil, dass auf dem gleichen Übertragerkern eine wesentlich höhere Leistung erzielt werden kann, erst sehr viel später in die Sättigung fährt (also der Bereich, wo nichts mehr geht - maximale Induktion) - verbunden natürlich mit einem besseren Übertragungsbereich bei gleichzeitig geringsten Ummagnetisierungsverlusten.

Normalerweise wird der Übertragerkern mit Kupferlackdraht eines bestimmten Durchmessers bewickelt. Wie dick dieser Draht letztendlich sein muss, damit der Übertrager die ihm gewünschte Eigenschaft erhält, ist Sache des Herstellers. Auch die Sache mit der Lagenisolation obliegt ihm. Solche Eigenschaften gesondert hevorzuheben hat eine gegen Null tendierende Bedeutung (für mich als Verbraucher). Natürlich kann ein Übertrager auch mit Silberdraht bewickelt werden. Die Qualität steigt dann nochmals erheblich (nochmals verminderte Streuinduktivität, höhere Querinduktivität usw. usf). Überproportional zum Qualitätsgewinn steigt dann aber auch der Preis.

Alles Werbung - oder was?

Das Brimborium um das Blech- oder Eisenmaterial ist deshalb umso grösser, je weniger reelle Leistungsdaten genannt werden. Das jedoch ist nicht so einfach. Einige Hersteller behaupten, dass sie Übertrager auf den jeweiligen Verwendungszweck hin optimieren, was voraussetzt, dass sie den jeweiligen Verwendungszweck (also die Röhrenschaltung) nachbauen. Überlegen wir nun weiter wie das gehen soll: Der Hersteller baut die Röhrenschaltung des Kunden nach und optimiert dann den Übertrager? Das würde bedeuten, dass der Übertrager solange auf- und abgewickelt wird, bis die gewünschten (errechneten) Eigenschaften erreicht werden. (Betriebswirtschaftlicher) Unsinn Hoch Drei. Abgesehen davon, dass dies der isolierende Lackschicht des Kupferdrahtes nicht zuträglich ist.

Bei der Berechnung eines Übertragers geht man von einem idealen Übertrager aus. Der ideale Übertrager ist aber theoretisch und in der Praxis nicht herstellbar - genausowenig wie ein Verstärker sich theoretisch wie ein verstärkender Stück Draht zu verhalten hat. Es hat sich dann ein Messverfahren herauskristallisiert, mit dem man ein Übertrager hinreichend genau ausmessen kann. Dieses Messverfahren ist quasi Standard. Egal ob da nun Lundahl, James, Tango, Welter oder Meier-Wickeltechnik drauf steht. Übertrager sind wie Röhren Bauteile, die nur unter bestimmten Bedingungen das gewünschte Ergebnis liefern. Ändert sich etwas an den Bedingungen, ändern sich die Eigenschaften. Und so ist es ein Einfaches, die technischen Daten eines Übertragers dorthin zu bekommen, wohin ich sie haben will.

Übrigens: Herkömmliche Netztrafos oder Übertrager die mit farbigen Isolierhüllen an die Anschlussterminals (Lötösen) gehen, sind kaum maschinell gewickelt. Die meisten Terminals sind numeriert - und die isolierende Lackschicht des Kupferdrahtes dick genug da brauchts keine Isoliertüllen. Und wenn doch welche verwendet werden müssen, sind diese meist einfarbig. Das Aufbringen von verschieden farbigen Isoliertüllen kostet zudem Zeit und Geld und ist fehlerträchtig. Das als Qualitätsmerkmal herauszustellen? Naja. Ausgenommen hiervon sind Ringkerntrafos, die naturgemäss keine Anschlussterminals aufweisen.





… Zurück



Weiter …





Letzte Aktualisierung am 20.12.2011 - 12:57
 
Who's Online
Besucher online für Röhrenverstärker Es sind 9 Gäste online

Röhren