Die Rede ist vom wirklich legendären Klein & Hummel OZ: Zwei in der Horizontalvariante nebeneinander montierte Altec-Chassis mit je 30cm Durchmesser (es gab auch eine Vertikalversion des OZ mit 139cm Höhe) deckten den Tief- und unteren Mitteltonbereich ab, bei 800Hz übernahm ein recht großvolumiges, ebenfalls von Altec gefertigtes Druckkammer-Hornsystem.
Der vollaktive Monitor mit »erwachsenen« Abmessungen wies nicht nur die bereits genannten ausgezeichneten Reproduktionsqualitäten auf, er war sogar geeignet, große Räume mühelos zu beschallen - druckvoll, vorbildnah. Anno 1985 konnte ich im Rahmen einer Tonträger- produktion die OZ in einem privaten Tonstudio nochmals hören - obwohl durch die seinerzeit von mir betriebenen, neutral und linear abgestimmten Spendor BC 1A/ARD sensibilisiert, begeisterten sie mich neuerlich, unterstrichen meine These, daß es nicht auf die Technologie als solche ankommt, sondern auf deren gekonnte Umsetzung, bzw. Realisierung. Und ehe ich's vergesse: Der Monitor Klein & Hummel OZ erblickte 1970 das Licht der Welt und wurde bis 1980 produziert… es war eben (fast) alles schon mal da und mir drängt sich zwangsläufig die Frage auf, was die Hifi-Entwickler in der Zwischenzeit denn gemacht haben…? Das praktisch verfärbungsfreie Horn gab es damals schon - vielfach nicht erkannt von der hyperklugen Hifi-Szene, trotz des hohen Ansehens, das Altec in ihr genoß und heute noch genießt. Oder lag es an einigen zum Scheitern verurteilten raderfindenden Versuchen, mit abenteuerlichsten Konstrukten ins klangliche Nirvana einzugehen? Denn das Altec-Horn wurde tatsächlich in mehreren Hifi-Lautsprechern verwendet, hat aber niemals und nie wieder so gespielt wie im aktiven Studiomonitor Klein & Hummel OZ. Nun ja…
Breite Bänder und so weiter
»Wann berichten Sie im Hörerlebnis mal über Breitband-Lautsprecher?«, so die Frage, die mir telefonisch hin und wieder von Lesern gestellt wird. Bislang haben wir uns da bewußt zurückgehalten, denn was mir breitbändigerweise zu Gehör gekommen ist, schien des Erwähnens kaum wert. Von Paarungleichheiten im Bereich um sechs und mehr Dezibel bis hin zu insgesamt träger, schlapper, schaudervoll verfärbter Wiedergabe ließen sich zahllose Zwischenstufen des realakustischen Grauens ins Feld führen. Und erst die Sprungantwort: Aus dem druck- und kraftvollen Punch (nennen wir es »Krawumm«) des Schlagzeugs wird blutleerdünnes »Wupp«; Vergleichbares gilt für sämtliche dynamischen Schallereignisse. Was hat das mit High Fidelity zu tun, wie konnte dieses Genre des Lautsprecherbaus solche Furore machen? Reminiszenz an die 20er Jahre? An die Radioapparate aus den frühen Fünfzigern, wo ich als Kind noch davorsaß und die Märchenstunde mit Eduard Marks ebenso verfolgte wie die Kalle-Blomquist-Hörspiele? Kann wohl nicht sein - eher dürfte es die Folge jener allzu enthusiastischen Berichterstattung von Götz Wilimzig im OHR gewesen sein: »… die Callas erhält die emotionale Durchschlagskraft einer Bombe …«, »… wer je vor diesen Lautsprechern saß, hat geweint…«.
Letzteres glaube ich unbesehen. Fragt sich nur, warum? Was macht etliche Zeitgenossen beim Breitbänderhören so an? Offen gesagt: ich verstehe es nicht. Dabei ist doch alles ganz einfach: Live-Konzert anhören, zu Hause einen Tonträger mit vergleichbarer Musik auflegen - wenn das zuvor gehabte Feeling nicht rüberkommt, stimmt an der Wiedergabe was nicht. Sicher: Live und Konserve sind zwei Paar Schuhe, doch wirklich guten Anlagen gelingt die glaubhafte, livenahe und emotional zupackende Reproduktion; wobei natürlich nicht vergessen werden darf, daß Großbesetztes logischerweise weniger Realitätspotential besitzen kann denn kleiner Besetztes.
Das Berliner Symphonie-Orchester paßt wohl in kein normalübliches Wohnzimmer - die Hifi-Anlage aber soll es dort integrieren. Geht nur mit erheblichen Abstrichen: Je größer das wiederzugebende Ensemble, desto höher prägt sich der Miniaturisierungseffekt aus; was übrigens auch aufnahmeseitig gilt. Auch aus diesem Grunde hören erfahrene Hifianer gerne kleinere Jazz-Combos, Solisten, Quartette, Quintette, Folklore oder eben Alte Musik: das läßt sich glaubhaft reproduzieren, wirkt deutlich livenäher als große Orchester. Weil halt die Dimensionen (eher) stimmen. Nun subsummiert sich unter den Breitband- liebhabern eine signifikant hohe Zahl überwiegend E-Musik, nämlich symphonische E-Musik, hörender Anwender. Da der Breitbänder von Hause aus Dimensionen zusammenrückt (-drückt?), dynamisch grundsätzlich limitiert, entstehen weniger Probleme bei der Wiedergabe. Fehlender wirklicher Tiefbaß und nicht oder kaum existente Schubkraft lassen das Problem stehender Wellen oder Raumresonanzen gar nicht erst aufkommen; beim ersten Hinsehen vorteilhaft, verschenkt man aber doch ein gut Teil dessen, was lebendige Musik ausmacht.
|