HiFi und HighEnd hören - Hörerlebnis, Von kugeligen Wellen und breiten Bändern (3)
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20.08.2008. - 18:47

Hörerlebnis


Von kugeligen Wellen und breiten Bändern (3)

29.07.2006


Liebhaber anämisch schwacher Eintakt-Triodenverstärker wenden sich gerne dem Breitbänder zu, der nur wenig Leistung braucht - ob das aber wirklich »ganz groß« ist (wie damals im OHR formuliert), möchte ich nicht kommentieren. Der Breitbandlautsprecher benötigt keine Freuquenzweiche, weshalb dieses Nadelöhr im Signalweg entfällt. Wer nun aber glaubt, damit den Stein der Weisen gefunden zu haben, irrt gewaltig: Die Physik läßt sich nicht ausklammern und schlägt gnadenlos zu, wenn versucht wird, mit einem einzigen um die 15 bis 20cm durchmessenden Chassis den gesamten Musikfrequenz- bereich zu übertragen.

Die große Konusmembrane vermag den hohen Frequenzen nicht zu folgen, auch wenn so mancher Kunstgriff versucht wird. Vergleichbares gilt für die schon erwähnte Sprungantwort, das zeitgenaue Ein- und Ausschwingen bei schnellen Impulsen: hier spielt die Musik quasi mit angezogener Handbremse, Stichworte: Masseträgheit, Beharrungskraft, Bündelungsmaß. Bleiben auftretende Impulsschnellen moderat, der zu übertragende Frequenzbereich ebenso, kann man mit einem sorgfältigst gefertigten Breitbänder durchaus Musik hören - auffällig, daß deren Betreiber gerne Stimmen vorführen. Doch wehe, ein Heldentenor steigert sich in die ihm möglichen Volumina, wird gar noch von einsetzenden Begleitinstrumenten akzentuiert … dann wird's wieder nurmehr zu »Wupp« und »Plöpp« - und ein herzhafter Rechtsdreh am Lautstärkeregler sollte ohnehin tunlichst unterbleiben. Berieselung in maximal Wohnzimmerlautstärke, dynamisch eher wenig Ausgeprägtes, weiche Töne, Verzicht auf spürbare Attacke, das Vibrieren des Zwerchfells und alles, was Live so spannend gestaltet - wer damit leben kann und will, findet im Breitbandlautsprecher sicher einen Partner.

Nun gibt es einige ganz wenige »Einwegeriche«, die mehr können, ansatzweise Druck und Volumen bieten, ein hörbar breiteres Frequenzspektrum aufweisen. Zwar vermögen sie keineswegs guten Mehrwegsystemen - und erst recht nicht aktiven Monitoren - das Fürchten zu lehren, doch die Musikrezeption erscheint ob der größeren Informationsdichte lebendiger, anhörbarer. Da entsprechende Leserwünsche mitunter an uns herangetragen werden, wollen wir uns dem nicht verschließen und sorgfältig und exakt konstruierten Breitbändern zuweilen im Heft eine Besprechung widmen - fair und sachlich, ohne devotes Gejubel.

Wobei ich mich aufgrund meiner entwicklungsbedingt ausschließlichen Orientierung an der professionellen Studiotechnik aus dieser Thematik auch fürderhin raushalten werde.



von Winfried Dunkel, © 2006 Hörerlebnis

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Letzte Aktualisierung am 15.03.2007 - 10:15
 
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