Raum für Röhre steht im Hörerlebnis jederzeit zur Verfügung. Einerseits, weil viele Leser Röhre hören, andererseits wegen der faszinierenden Hintergründe, wegen der großen Erfinder und Entdecker, deren Namen mit der Elektronenröhre und ihren Varianten untrennbar verbunden sind. Mal ehrlich: wer weiß denn noch, welche Persönlichkeiten dahinter stehen? Ich habe unlängst diesbezüglich recherchiert und möchte Ihnen die Ergebnisse nicht vorenthalten:
Die Elektronenröhre wurde von dem englischen Physiker Sir John Ambrose Fleming (29.11.1849 - 18.4.1945) entwickelt und im Jahre 1902 vorgestellt.
Nun gab und gibt es Röhren nicht nur in der Audiotechnik: Selbst gegen zunehmende Konkurrenz der LCD- und Plasmabildschirme behauptet sich die von Karl Ferdinand Braun (geb. in Fulda am 6.6.1850, gest. in New York am 20.4.1918) erfundene Kathodenstrahlröhre nach wie vor erfolgreich. Braun erhielt für seine Arbeit 1909 gemeinsam mit Guglielmo Marchese Marconi (25.4.1874 - 20.7.1937, Erfinder der drahtlosen Telegraphie, wo ebenfalls Röhren gebraucht wurden) den Physik-Nobelpreis.
Daß man die Kathodenstrahlröhre für die Bildwiedergabe verwenden kann, verdanken wir dem bedeutenden, leider jedoch weitgehend vergessenen russischen Entwickler Wladimir Kosma Zworkyn (geb. am 30.7.1889 in Murom bei Moskau, ab 1919 in den USA tätig), dem Erfinder der vollelektronischen Aufnahmeröhre für das Fernsehen - er nannte seine Erfindung, die er anno 1924 (!) machte, »Ikonoskop«.
Zworkyns Forschungen eben ermöglichten später die Anwendung der Braunschen Röhre für Bildwiedergabe bei Fernsehempfang. Wenn wir heute vor der - meist bildröhrenbestückten - »Glotze« sitzen, sollten wir ab und zu auch an den deutschen Ingenieur Paul Nipkow (22.8.1860 - 24.8.1940) denken, dessen Erfindung der Spirallochscheibe (1884) die Grundlagen für die notwendige Bildzerlegung in Zeiteinheiten schuf.
Sie sehen: Die Röhre repräsentiert greifbare Geschichte. Wo und in welchen Varietäten auch immer sie Verwendung findet: Stets ist sie mit großen Namen verbunden, mit Menschen, deren Ideen, Visionen und Schaffenskraft uns zu der Audio-, Video- und Kommunikationstechnologie verholfen haben, ohne die das heutige Leben kaum noch denkbar wäre.
Wenn Sie im Hörerlebnis Aufsätze über röhrenbestückte Geräte finden, betrachten Sie diese bitte nicht ausschließlich als »Testberichte«, sondern vielmehr auch als Hommage an die großen Erfinder und Entwickler.
von Winfried Dunkel, © 2007 Hörerlebnis 44
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