HiFi und HighEnd hören - Hörerlebnis, Vergangenheit mit Zukunft (1)
Seiten: 1 2
05.02.2012. - 04:12
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Hörerlebnis


Vergangenheit mit Zukunft (1)

06.07.2008


Hörerlebnis Röhrenverstaerker

In diesem Heft finden Sie mehrere Aufsätze, die sich mit röhrenbestückten Produkten befassen. Nein, wir wollen das nicht modisch »Röhren-Special« nennen, sondern auf solche Weise auch ein wenig zur Rückbesinnung anregen. Als der amerikanische Physiker William Shokley (geb. am 13.2.1910 in London) im Jahre 1948 gemeinsam mit Bardeen und Brattain den Transistor erfand - wofür das Wissenschaftlertrio 1956 den Nobelpreis für Physik erhielt -, ahnte er wohl kaum, daß sein im Laboraufbau recht unförmiges Entwicklungsmuster später zu einer Revolution im gesamten Elektronikbereich führen würde.

Der Transistor wurde ständig kleiner und leistungsfähiger; integrierte Schaltungen ließen sich konstruieren, welche mit den Jahren zunehmende Miniaturisierung erfuhren und mittlerweile zu nachgerade unglaublich komplexen Leistungen fähig sind.

Solches wäre mit der Elektronenröhre nicht möglich gewesen; gerade im Bereich der Rechenanlagen wurde man schon frühzeitig mit dem »Problem der großen Zahl« konfrontiert - der Transistor und die integrierten Schaltungen dagegen ermöglichten mit zunehmender Leichtigkeit den jetzigen Standard. So verwundert es kaum, daß auch in der Audio-Elektronik, welche ab den frühen 60er Jahren vermehrten Zugang in die Wohnzimmer erhielt und einen gewaltigen Wachstumsmarkt darstellte, der Transistor zunächst zaghaft, dann vehement »das« verstärkende Element überhaupt wurde.

Die Produktion von röhrenbestückten Geräten geriet zunehmend ins Hintertreffen; im Laufe der 70er war die Röhre - von exotischen Ausnahmen abgesehen - praktisch vom Markt verschwunden. Was niemanden wundern darf: In jenen Jahren grassierte die Meßtechnikgläubigkeit. Je mehr Stellen hinter dem Komma (z.B. beim Klirrfaktor), desto »besser« war das Gerät. Hier konnte die Röhre nicht mithalten. Daß ihr anders geartetes Verzerrungsspektrum hörphysiologische Vorzüge aufwies, die bei der Musikwiedergabe nicht zu unterschätzen sind, erkannte man erst, als es fast zu spät war, die Röhrenära ihrem scheinbar unwiderruflichen Ende zuneigte.

Doch Totgesagte leben länger, wie der Volksmund sarkastisch formuliert. Wir wissen heute alle, daß die Röhre nicht nur überlebte, sondern sich sogar ständig wachsender Beliebtheit erfreut, weil rührige Entwickler und eine zahlenmäßig steigende Interessenten- und Käufergemeinde die Renaissance der »Glaskolben« realisierten. Inwieweit da auch eine gewisse Verweigerungshaltung gegenüber den funktional häufig überfrachteteten High-Tech-Produkten mitspielt, mögen Psychologen entscheiden. Tatsache ist und bleibt: Röhren »haben was«, ihre Tätigkeit ist sichtbar, und klanglich gehören sie beileibe nicht zum alten Eisen - im Gegenteil. Ich ziehe zwar transistorisierte Geräte vor, was jedoch nichts mit Abneigung gegenüber Röhren zu tun hat, sondern - siehe oben - mit dem Problem der großen Zahl. Zudem kann man die klanglichen Unterschiede zwischen Röhre und Transistor explizit in der Tonstudiotechnik als »gegessen« betrachten - das Ziel des linearen Klangbildes vorausgesetzt.






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Letzte Aktualisierung am 29.05.2010 - 09:09
 
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