Zurück zu der Röhre. Zu der C37-Röhre.
Ennemoser: Gut, das ist auch das, was Ihre Leser interessiert, nicht wahr? Hier bezieht sich das C37 nicht auf den Lack sondern auf die Form. Wer's nicht glaubt, soll mich breitschlagen und dann auf den Klang meiner Schreie hören.
Im Ernst: die Analyse der Klangdetails erfolgt durch Abklopfen, was natürlich langjährige Übung und Erfahrung erfordert. Meine vielen (und nicht gerade billigen) Versuche im Geigenbau kamen mir da natürlich entgegen. Aber dieses Abklopfen kommt nicht nur bei der AVVT-Röhre zum tragen. Sie ist wesentlicher Bestandteil meiner Arbeiten mit C37. Das Abklopfen eines mit C37 behandelten Quarzes oder Widerstandes dürfte sich also als etwas schwierig gestalten.
Bei der Klangqualität von Instrumenten oder HiFi ist es ja so, dass zwar eine einzige Maßnahme zum besseren Klang wohl nicht hörbar ist, aber doch in der Summe der einzelnen Maßnahmen (man kann das nicht oft genug wiederholen). Firmen (u.a. Clockword-Audio, RSL-Horn, Tom Salcher und bald auch Dimitri Metzler von speaker-hifi), die meine Lizenznehmer sind, bedienen sich systematisch dieses know-hows. Bestimmte Unternehmen (und hier meine ich eine bestimmte deutsche Unternehmung) die früher mit mir zusammenarbeiteten, betreiben nun Ideeendiebstahl und gehen mit diesem know-how hausieren. Das fängt mit der Form von Platinen an und hört bei der Kühlkörpergeometrie und -Positionierung nicht auf.
Ihre Verbitterung über dieses Unternehmen ist nicht zu überhören. Haben Sie sich deshalb etwas zurückgezogen? Sie müssen zugeben, es ist ruhig geworden um Dieter Ennemoser und um C37.
Ennemoser: Ich gebe zu, dass diese menschliche Enttäuschung doch Spuren hinterlassen hat und konnte gerade noch rechtzeitig die Notbremse ziehen, bevor man mich und mein Produkt als Scharlatanerie bezeichnet. Nun denn, die jetzige Ruhe ist gewollt. Meine Forschungen kann ich nun in Ruhe fortführen und mich dem Klang widmen.
Ich möchte noch betonen, dass die C37-Theorie keine Marketingidee ist, um irgendein Produkt zu verkaufen. Dazu fehlt mir schlichtweg die Intelligenz. Marketing liegt mir nicht. Ich habe meine Existenz riskiert und viel persönlichen Verzicht geübt, um meine Leidenschaft zur Lebensaufgabe zu machen. Das ist kein Marketing sondern Realität.
Ich schaue nun nach vorne und freue mich auf weitere Entdeckungen, besonders auf solche, für die man mich verrückt erklärt.
Wie kam es überhaupt zu C37?
Ennemoser: Das liegt schon eine Weile zurück. In den späten Sechzigern, als ich auf der Jagd nach dem bestmöglichen Klang war, ärgerte mich jeder noch so kleine Fehler der Schallplatten-Wiedergabe. Ich ärgerte mich solange, dass ich Tagträume von einem Chip bekam, auf dem alles fehlerlos gespeichert wäre.
Zu jener Zeit, als HiFi (oder was man dafür hielt) in voller Blüte stand, hörte ich sehr gerne »The Boxer« von Simon & Garfunkel . Das klang wirklich gut über meine selbstgebauten Cabasse Brigantin. Als mich mein Freund Dr. Oswald Neuner in den frühen Achtzigern besuchte und wir mit einem der ersten CD-Playern dieses Stück von Simon & Garfunkel hörten, folgte die Ernüchterung auf dem Fuße: es war das Gegenteil von dem, was ich mir naiverweise in meiner technischen Phantasie erträumte: hart, scharf, dünn und blass. Es klang körperlos und war einfach »antigeil«.
Dieses Erlebnis war quasi die Initialzündung für C37. Und das ich mit meinem Eindruck nicht falsch lag, beweisen ja auch Hörerlebnisse von anderen HiFi-Enthusiasten aus dieser Ära.
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