Image-HiFi Röhrentechnik, Röhrenverstärker Lautsprecher - Roland Kraft, im Gespräch mit Friedrich Hunold. HighEnd kritisch betrachtet und der Niedergang des DIY (4)
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04.07.2008. - 00:31

Roland Kraft


im Gespräch mit Friedrich Hunold. HighEnd kritisch betrachtet und der Niedergang des DIY (4)

01.06.2005


Wenn man gegenüber einem altgedienten Radio- und Fernsehtechniker den Begriff High-End erwähnt, muss man damit rechnen, dass am Geisteszustand gezweifelt wird. Was meinen Sie: woher kommt das?

Kraft: High-End-Elektronik, insbesondere jedoch Röhrenequipment, zählt ganz klar zu den Luxusprodukten. Wer ausschließlich in Preis-/Leistungsrelationen denkt, kommt hier nicht weit. Hätte man sich auf die sogenannte Vernunft beschränkt, wäre beispielsweise die Entwicklung der CD-Player mit den ersten Geräten als abgeschlossen betrachtet worden. Diese Dinger klangen der damaligen Digitaleuphorie zum Trotz geradezu schwachsinnig schlecht, wofür man nunmehr auch die technischen Gründe kennt. Die Denkweise eines »Röhren-Opas« ist normalerweise davon geprägt, daß Stereo- oder Radiowiedergabe zweckdienlich sein müsse und keinen darüber hinaus gehenden, schon gar keinen klanglichen, damit subjektiven Ansprüchen unterläge. Obwohl die Diskussion Trioden- vs. Pentodenklang übrigens schon in den vierziger Jahren geführt wurde! Leuchtende Augen kamen bei unserem Techniker ganz woanders auf – wir können das jederzeit nachvollziehen, wenn wir einen 40 Jahre alten Tektronix-Oszi aufschrauben. Unbestreitbar feinstes, damals ungeheuer teures High-End, dessen Zweck es war, so perfekt wie nur irgend möglich zu sein. Es ist kein Quantensprung, diesen Anspruch auf die Wiedergabeseite zu übertragen.

Probleme hat unser Röhren-Opa natürlich dann, wenn die Argumente den Boden physikalisch anerkannter Tatsachen verlassen. Interessierte Toleranz ist dennoch geboten. Nicht nur mir – und meiner bodenständigen technischen Ausbildung – widerfuhr schon Unüberhörbares, dem aber jede objektive Deutungsmöglichkeit fehlte …

Nichts geht über einen schönen Röhrenverstärker. Würden Sie in der »Image-HiFi« auch einmal Selbstbau-Geräte testen, die Sie selber aufgebaut haben?

Kraft: So etwas hatten wir schon. Und zwar als Ausnahme. Das derzeitige redaktionelle Konzept von Image HiFi erstreckt sich nicht auf den Selbstbaubereich, außer, ein Bausatz wird vom Hersteller oder Vertrieb auf Wunsch auch fertig aufgebaut geliefert. In der Vergangenheit dümpelte der (HiFi)-Selbstbau – im Gegensatz zu den 80er Jahren – in Deutschland etwas vor sich hin. Erst in letzter Zeit registriere ich wieder eine leichte Belebung dieses Marktes, ohne Zweifel auch ausgelöst durch die Röhren-Renaissance. Dennoch besteht für mich – und ich halte die Selbstbau-Fahnen wirklich gerne hoch – noch kein Anlaß zu übertriebenem Optimismus.

Elektronik-Bastelei ist kein verbreitetes Hobby mehr. Die ehemalige Elektronik-Meile in München (Schillerstraße), einst ein Bauteile-Eldorado mit zahlreichen Läden, liegt im Sterben. Die Verkäufer konstatieren, daß niemand mehr einen Lötkolben halten könne, die meisten Kunden nicht einmal mehr wüßten, daß ein Lautsprecherkabel Plus- und Minuspol besitze. Und es ist nicht wegzuleugnen, daß die Miniaturisierung (SMDs) das Spektrum herkömmlicher, für Eigenbauten verwendbarer Bauteile immer weiter eindampft. Daß ich mit meinen fast 50 Lenzen auf GFGF-Treffen als junger Spund durchgehe, sei hier nur am Rande erwähnt. Dennoch ist klar, daß das Interesse am Basteln bei Jüngeren extrem nachgelassen hat, ein Fakt, für welches man sich übrigens auch in der Modellbau-Branche wehmütige Bestätigung holen kann.

Der Redaktionsalltag ist hart. Gibt es Situation, wo Sie nicht diese lockere Schreibe haben?

Kraft: Das kommt bisweilen vor. Image HiFi erscheint zweimonatlich, was natürlich schreiberische Kreativität auf Anforderung und mit Termin bedeutet. Wer glaubt, wir würden unsere Zeit hauptsächlich damit verbringen, quasi mit High-End-HiFi zu »spielen«, der unterschätzt die alltäglichen Arbeiten zur Herstellung des Magazins. Dennoch darf ich mich so unglaublich glücklich schätzen, einen vielleicht 50-prozentigen Spaßanteil zu haben, Hobby und Beruf gehen auch nach so vielen Jahren immer noch Hand in Hand. Wer kann das schon von sich behaupten?



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Letzte Aktualisierung am 15.03.2007 - 10:22
 
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