Elektrotechnik, Verstärker - Gitarrenverstärker Röhrentechnik und Schaltungen - Rainer zur Linde, im Gespräch mit Friedrich Hunold. Buchautor, Musiker und kein Röhren-Junkie (1)
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04.07.2008. - 00:27

Rainer zur Linde


im Gespräch mit Friedrich Hunold. Buchautor, Musiker und kein Röhren-Junkie (1)

15.08.2005


Diesmal stand Rainer zur Linde für ein Interview zur Verfügung und liefert interessante aber auch, für den Röhrenfetischten, ernüchternde Einblicke in das Seelenleben eines Musikers und Autors von Röhrenbüchern.




Herr zur Linde was sind Sie in erster Linie: Musiker oder Röhrennarr? Am besten Sie stellen sich einmal selbst vor.

zur Linde: Es wäre ja ganz furchtbar, wenn alle diejenigen, die, insbesondere im Instrumentalbereich, Röhren bevorzugen, Narren wären.

Ich mache seit meinem zehnten Lebensjahr Musik. Zunächst haben mich meine Eltern mit endlosen Geigenstunden gequält (»aus dem Bub soll mal was werden«) – und das in einer Zeit, als sich mit den Beatles, den Stones und später mit Hendrix eine musikalische und gesellschaftliche Revolution ankündigte. Mein Großvater(!) hatte Erbarmen und schenkte mir zu meinem 12. Geburtstag eine Neubauer Schlaggitarre (wie das damals hieß) mit einem aufmontierten Schaller-Tonabnehmer (einer, dessen Umschaltknöpfe wohl auch als Blinkerschalter auf Armaturen von Straßenbahnen gedient haben mussten). Animals, Kinks und Hendrix (»Hey Joe« zum ersten Mal im Beat Club gesehen, was mich seinerzeit zu der festen Überzeugung gebracht hat, dass solche Töne auf meiner Gitarre einfach nicht vorhanden sein konnten) waren die Einstiegsdrogen.

Doch bleiben wir beim Thema. Zu der Schülerband (»Hang on Sloopy« ohne Solo, das konnte keiner wirklich spielen) stieß eines Tages so um 1965/66 herum ein Typ aus Hamburg, der brachte einen AC30 mit, fragte, ob wir den gebrauchen könnten, spielte eine Weile mit und verschwand wieder - ohne AC30. Dass das Ding verdammt gut klang, ahnte ich damals, heute weiß ich es. Die Kiste benutze ich heute immer noch, sie befindet sich im Originalzustand und produziert den Sound, über den ich denke, dass eine Fender Strat so und nicht anders zu klingen hat.

Durchforstet man einmal die im Internet anzutreffenden Elektronik-Selbstbauseiten, dann gewinnt man den Eindruck, dass wieder vermehrt »gebastelt« wird. Halten Sie dies für eine Modeerscheinung oder geht der Trend tatsächlich wieder zu Do-it-yourself?

zur Linde: Das Leben folgt mehreren Wellenbewegungen, die Moden von heute sind morgen der Trend von gestern. Genauso, wie Jean Pütz’ selbst gebrautes Parfum (selbstverständlich ohne chemische Konservierungsstoffe) heute kaum noch jemand vom Hocker reißt, wird auch der »Röhrenbastelei« kaum vergönnt sein, zum ewig währenden Lustfaktor menschlicher Kreativität zu mutieren. (Obwohl ich mir aus selbstverständlich ganz uneigennützigen Motiven als Autor von Röhrenbüchern eine möglichst lange Welle wünschen würde).

In dem gleichen Masse, wie Neulinge in die Bastlerszene strömen, ziehen sich die Profis frustriert zurück. In den letzten Wochen hörte ich immer wieder, dass man grundsätzlich nicht mehr in Internetforen liest, besonders nicht in sog. freien Foren. Als Grund wird häufig der allzu rüde Ton, die Besserwisserei von selbsternannten Profis und die haltlosen Angriffe unter einem Pseudonym genannt. Wie sehen Sie das?

zur Linde: Da lohnt ein differenzierender Blick. Nach meiner Einschätzung wird auf den weitaus größten Teil der Fragen mit dem ernsthaften Bemühen reagiert, hilfreiche Antworten zu geben. Aber wie im wirklichen Leben auch, sind es nur einige Wenige, die die Stimmung der Foren nachhaltig negativ prägen. Ganz besonders verurteilungswürdig empfinde ich es, wenn selbsternannte Röhrenpäpste auf Anfängerfragen mit dem Hinweis reagieren, man solle sich doch, bevor man solch »dumme« Fragen stelle, gefälligst erst einmal durch die grundlegenden Werke der Röhrenliteratur arbeiten, bevor man hier mitreden könne. Das habe man schließlich damals ja auch getan, und da habe es auch keinen gegeben, dem man »überflüssige« Fragen hätte stellen können. Basta!










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Letzte Aktualisierung am 15.03.2007 - 10:22
 
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