Ihr anderes Leben beschäftigt sich mit Musik. Wie lassen sich Elektronenröhren und deren Technik mit Musik verbinden?
zur Linde: Die Musik, die ich heute mit meiner Band mache (Rock, Blues, Jazz, Soul), geht nur mit Röhrenverstärkern, sie sind einfach das passende Werkzeug. Damit sage ich nicht, dass Halbleiterverstärker per se schlechter seien, sie produzieren nur nicht den Sound, den ich für meine Musik brauche. Ein Flamenco-Gitarrist würde auch nie ernsthaft auf den Gedanken kommen, seine Musik auf einer Jazz-Gitarre spielen zu wollen, nicht, weil er Jazz-Gitarren ablehnt, sondern weil sie nicht den Klang erzeugen können, der den Flamenco auszeichnet.
Verteilen Sie im Haus auch alte Röhrenradios und verfügen Sie auch über eine begehbare HiFi-Anlage, so wie sie Roland Kraft in seinem Interview beschrieb?
zur Linde: Nie und nimmer! Alte Röhrenradios gehören ins Museum, im übrigen versprühen die dunkelbraunen Holzkisten einen gewissen »Muff«, den ich erdrückend finde. Die HiFi-Anlage hat nach meiner Kenntnis die Aufgabe, Musik zu reproduzieren – dazu muss ich nicht »in ihr herumlaufen« können.
Jeder hat so seine eigene Vorstellung über seinen Traumverstärker und -Lautsprecher. Wie sollte Ihre Kombination aussehen?
zur Linde: Ich habe eine Traumfrau und zwei Traumkinder, von Verstärkern oder Lautsprechern habe ich noch nie geträumt.
Wie definieren Sie selber HiFi und wie High-End?
zur Linde: High-End ist ein prestige- und vor allem profitträchtiges Modewort. Wem High-End bedeutet, 1000-Euro teure Lautsprecher- oder Netzkabel mit irgend welchen ominösen Eigenschaften benutzen zu müssen, der hat die einfachsten Grundgesetze der Physik nicht verstanden oder in der Schule nicht richtig aufgepasst. Aber die Menschen sind wohl so, bisweilen steht der Verstand still.
Glauben Sie nicht, dass die Röhrenverstärker-Technik teilweise zu sehr mystifiziert wird?
zur Linde: Ja! Ich beurteile das mal aus der Sicht des Musikers. Niemand wird doch wohl ernsthaft behaupten wollen, dass Jimi Hendrix noch genialer gespielt hätte, wäre sein Marshall mit Cold-Caps ausgestattet gewesen oder wenn jemand den Ruhestrom der Endröhren auf einhunderstel Millivolt genau abgeglichen hätte – das war dem wohl ziemlich schnurzpiepe. Und wenn der Transistor vor der Röhre erfunden worden wäre, hätte Jimi halt auf einem Halbleiterverstärker gespielt.
Wenn man gegenüber einem altgedienten Radio- und Fernsehtechniker den Begriff »HighEnd« erwähnt, muss man damit rechnen, dass an den Geisteszustand gezweifelt wird. Was meinen Sie: woher kommt das?
zur Linde: Weil ein »altgedienter Radio- und Fernsehmechaniker« die technischen Zusammenhänge kennt.
Kommen wir zur Musik: Welche Instrumente spielen Sie und welchen Verstärker nutzen Sie? Was evtl. noch interessiert: ist der Verstärker noch Original oder hat der »Röhrennarr« zur Linde getuned?
zur Linde: Elektrogitarre, akustische Gitarre, Dobro, Steelgitarre, Mundharmonika. Dass mein alter AC30 mich seit 40 Jahren treu begleitet, habe ich bereits erwähnt. Getuned ist nichts und wird auch garantiert nicht. Ich habe unzählige solcher »getunter« Geräte auf meiner Werkbank gehabt und stelle unmissverständlich fest: Alles Verschlimmbesserungen.
|