Die übertriebene und »Gegen-Alles« Absicherung des HiFi-Röhrenverstärkers erweist sich jedoch oft als paranoid und kann sich der Meister des Horrors, Stephen King, auch nicht besser ausdenken: da gibt es permanent abfallende Lautsprecherkabel, ausfallende Anodenspannung weswegen das Schirmgitter dauernd überlastet wird und den in China umfallenden Reissack, dessen Erschütterung zumindest zu einem Glassprung führt.
Also, nichts dagegen, wenn man sich diesbezüglich ein paar Gedanken macht, aber mal ehrlich: ist das wirklich nötig? Die Gefahr beim Angeln von einer herabfallenden Überlandleitung erschlagen zu werden und vom Zitteraal tödlich Stromstösse zu bekommen, sind weitaus grösser - aber auch nicht zu verachten. Hört man deswegen auf zu angeln?
Was kann man also tun, um mit »haushaltsüblichen« Mitteln seine(n) Röhrenverstärker vor dem Leerlauftod zu schützen. Die sicherste Methode ist sicherlich, den Verstärker erst gar nicht einzuschalten oder eben nicht mit Röhren zu hören. Was aber einen sehr sicheren Schutz bietet, ist eine Kombination aus:
Gegenkopplung und einer immer vorhandenen
komplexen Last am Übertrager
Der Aufwand hält sich sowohl kosten- als auch bauteilmässig in Grenzen und man kann sich etwas sicherer fühlen. Zumindest gegen die Eingangs erwähnten Vorkommnisse. Gegen umstürzende Lautsprecher oder herabfallende Verstärker sind diese Maßnahmen jedoch wirkungslos.
Und wie sieht das Ganze nun aus? Nun die folgenden Grafik zeigt es am Beispiel eines Eintaktverstärkers. Zusätzliche Schmelzsicherung, strategisch günstig verteilt (z.B. im Netzteil), sind auch nicht verkehrt. Nicht eingezeichnet ist eine sog. »Über-alles- Gegenkopplung«, die natürlich eingesetzt werden muss und besonders dann, wenn es sich um einen Gegentaktverstärker handelt.
Die komplexe Last am Übertrager (Zobel-Glied) muss natürlich auf die jeweiligen Betriebs- bedingungen angepasst werden. Wer nicht möchte, dass dieses Glied die Wirkungsweise des Lautsprechers beeinflusst, sollte einen unbenutzten Sekundäranschluss des Übertragers wählen und vor allem den Widerstand 2,5 mal so hoch wählen wie die Impedanzangabe des Übertrageranschlusses. Diese Bauteile sind, aus verständlichen Gründen, direkt am Übertrager anzubringen.
Das Widerstand-Kondensatorglied an den Röhren ist so zu wählen, dass auch hochfrequentes Schwingen bis etwa 50 bis 80kHz wirkungsvoll kurzgeschlossen werden. Durch kombinierte Gegenkopplungsmassnahmen wird der HiFi- bzw. HighEnd-Röhrenverstärker an wildes Schwingen gehindert. Natürlich ist es besser, wenn der Verstärker gar nicht erst ins Schwingen gerät.
Richtig dimensioniert besitzen die Massnahmen keinerlei klanglichen Auswirkungen. Zumindest nicht so, dass sie deutlich zu Tage treten. Die Wirksamkeit ist zwar auch wahrnehmbar, aber eben mehr diffizieller.
|