Gitarrenverstärker, EL34, Eintakt, Gegentakt - Reissbrett, Leerlaufschutz für Röhrenverstärker (1)
Seiten: 1 2
04.07.2008. - 00:24
Nicht nur über Röhren:

Lesestoff

Röhrenbücher für Röhrenverstärker und Röhrentechnik
Die sieben Schriftrollen des Gaius Amplificatus Tubus
Flagge zeigen

Kein Platz für Extremismus



Reissbrett


Leerlaufschutz für Röhrenverstärker (1)

16.02.2006


Leerlaufschutz für Röhrenverstärker

Die Probleme sind bekannt und sorgen bei den Röhrenverstärker-Freaks regelmässig für graue Haare gepaart mit mittelschweren Herzattacken: ein putzwütiges Wesen wirbelt mit dem Staub- sauger oder dem Wischmop durch die Gegend und verheddert sich im Kabelwirrwarr oder die krabbelnde Teppichratte zieht Papas sündteue- res Lautsprecherkabel durchs Wohnzimmer und spielt Entfessungskünstler und während eines Gigs läuft das Solo (mit dem monatelang einstudierten Riff) ins Leere, weil ein Groupie über das Lautsprecherkabel stolpert und es damit aus dem Amp herauszieht.

Und so existiert eine reichliche Auswahl (mit ebenso reichhaltigen Preisangaben) an Schutzmassnahmen.

Was bei transistorierten Verstärker kein Problem ist, kann für einen Röhrenverstärker tödlich sein. Das Problem bei Eintakt- und Gegentaktendstufen ist ja, dass an dem Ausgangsübertrager immer eine definierte Last hängen muss. Es ist dabei unerheblich ob es sich dabei um ein HiFi-, HighEnd oder um einen Gitarren-Röhrenverstärker handelt. Fehlt diese Last, besteht die Gefahr, dass die induzierte Spannung hochläuft und sich einen (meist) ungeeigneten Ort sucht, sich zu entladen. Grund für dieses Phänomen ist ein Schwingen des Übertragers bzw. der gesamten elektronischen Röhrenschaltung.

Solange die Entladung an den Röhrenfassungen stattfindet, ist das zwar ärgerlich, aber nicht weiter kritisch, wenn man denn schnell genug reagiert und den Verstärker ausschaltet. Bedenklich wird es, wenn es innerhalb der Röhre funkt. Und teuer wird es, wenn es innerhalb des Übertragers zu Spannungsüberschlägen kommt, denn dann ist er hin - der Übertrager.

Und genau mit diesen Ängsten wird man von einschlägig bekannten Anbietern und Forentrolle regelrecht verrückt gemacht. Meistens sorgt dann ein dicker 100Ω-Widerstand dafür, dass der Ausgangsübertrager immer eine Last sieht. Was bei HiFi-Röhrenverstärker ja noch akzeptabel zu sein scheint, kann den teueren Gitarrenverstärker schnell in den Gegenwert von 50 Kilo-Altmetall und Sondermüll verwandeln.

Wird nämlich ein schwach gegengekoppelten Röhrenverstärker mit einem reinen Sinuston angesteuert der in der Frequenz genau der Lautsprecher-Eigenresonanz entspricht, dann lässt der technische Defekt des Übertragers nicht lange auf sich warten, da z.B. der »sicherheitshalber« angebrachte 100Ω-Widerstand faktisch den Leerlauffall entspricht (auf gut deutsch: der Übertrager »sieht« keine Last mehr). In der Praxis mag dies kaum vorkommen, da der Gitarrensound reichlich Obertöne zu bieten hat. Aber so mancher »Techniker« pfeift den Amp mit reinem Sinus durch und wundert sich hinterher über den Schaden. Auch der Anschluss eines Synthesizers an einen Röhrenamp ist gar nicht mal so selten.

Leerlaufschutz für Gitarrenverstärker

Leerlaufschutz in Gitarrenverstärker

Gegen den Leerlauftod in Gitarrenverstärker helfen, wie so oft, der Einsatz von wenigen Cent. Eine (oder zwei seriell geschaltete) Dioden und eine Schmelzsicherung.

Die Wahl der Schmelzsicherung richtet sich nach der Hohe des Schirmgitterstroms plus Reserve. Bei zwei Endröhren vom Schlage EL34 dürfte eine(!) Sicherung von 50mA vollkommen reichen.

Die Diode(n) leiten Spannungsspitzen, wie sie z.B. im Leerlauffall entstehen, sicher zur Masse ab. Sie sind in Sperrrichtung gepolt und leiten erst dann, wenn die Spannung an der Anode negativer gegenüber Masse wird. Im Normalbetrieb haben diese Dioden keinerlei Auswirkung, wohl aber infolge von Resonanzen zwischen Streuinduktivität und Streukapazität der Übertragerwicklungen. Eine 1N4007 besitzt eine Sperrspannung von etwa 1000V. Das reicht in vielen Fällen aus. Es spricht allerdings auch nichts dagegen, die Sperrspannung durch Serienschaltung von Dioden auf 2000V zu erhöhen.

Sollte also jetzt, aus welchem Grund auch immer, der Leerlauffall eintreten, kostet die Reparatur nur ein müdes Lächeln und die Mühe, die wenigen Cent für die neuen Bauteile aus der mit Scheinen prall gefüllten Brieftasche zu kramen.



… Zurück



Weiter …





Letzte Aktualisierung am 15.03.2007 - 11:31
 
Who's Online
Besucher online für Röhrenverstärker Es sind 3 Gäste online
Werbung