Der zweite Lautsprecher in dieser Testreihe ist die schlanke Lautsprechersäule von Intertechnik: die Tizio. Das Attribut »schlank« darf bei der Tizio ruhig ernst genommen werden. Dafür weist sie eine Über-alles-Höhe von über 120cm auf. Für meinereiner genau richtig. Das ich überhaupt die Tizio hören darf, liegt daran, dass mir fertig aufgebaute Lautsprecher zur Verfügung gestellt wurden, denn die Tizio gibt es üblicherweise nur als Bausatz.
Ach ja, die Tizio. Sie hat schon einige Verstärker kommen und gehen sehen, denn sie ist eigenwillig. Mit 87dB Wirkungsgrad verlangt sie nach Leistung. Eine 4W-Eintaktendstufe lässt sie kalt. 15 Watt, in Gegentaktmanier abgegebene Leistung, sind das absolute Minimum. Besser natürlich wären 30 oder gar 80 Watt, wenn es auch einmal lauter sein darf.
Und auch die Positionierung der schlanken Säulen ist nicht ganz so trivial. Denn die Tizio besitzt aufgrund ihrer Beschaffenheit (sprich Chassis-Bestückung) keine »naturgemässe« Möglichkeit zur Tiefbasswiedergabe. Um dennoch in den Genuss von Bass zu kommen, muss die Tizio in Wandnähe positioniert werden. Oder zumindest so, dass sie sich harmonisch in das Interieur einfügt. Das heisst auch, man benötigt Platz, um einen ausreichenden Abstand zwischen den Säulen zu gewährleisten: mindestens 100cm sollten es schon sein. Der Wandabstand sollte etwa 50cm betragen, wobei auch eine Eckaufstellung in Frage kommt.
Wenn nun nach einer gewissen Zeit die optimale Position der Standlautsprecher gefunden ist, kann man sich nun daran machen, seine musikalische Lieblingskonserve anzuhören. Man sollte sich hierfür Zeit nehmen und sich vor allem auf den Lautsprecher einlassen, denn die Tizio macht einiges anders.
Das abgestrahlte Musiksignal klingt erst einmal gut und ausgewogen. Schön neutral im oberen und mittleren Frequenzbereich. Und auch die tiefen Töne sind da - ohne das es irgendwo wummert. Das heisst aber auch: das wohlige Bauchgefühl bei Don't leave me tonight (Garden of Delight) gibt es schlichtweg nicht. Und auch Frank Fischers Fingerfertigkeit auf der Bassgitarre wollen nicht überzeugen. Können sie auch nicht.
Das in einer schlanken Säule keine 30cm-Bässe Platz finden, sollte klar sein. Deshalb sind für das untere Bassfundament gleich vier 8cm-Lautsprecherchen zuständig die dann, laut Vertrieb, eine Membranfläche von 30cm für den Tieftonbereich ergeben sollen. Theoretisch ist das richtig, nur, wenn die Tiefton-Lautsprecher ordentlich arbeiten sollen, ist es ganz schnell vorbei, denn naturgemäss können 4x8cm Membranfläche nicht den gleichen Hub erbringen, wie 1x30cm (darauf kommt es ja im Bassbereich an, die zu bewegende Luftmenge ist enorm). Um dennoch ein vernünftiges Bassfundament zu schaffen, arbeiten diese Lautsprecher auf einen grossen Resonanzkörper mit zweifacher Reflexöffnung nach hinten. Und je nach Positionierung (sprich Wandnähe) hört man dann einen mehr oder minder »starken« Bass.
Sie sehen schon, wer die Tizio haben will, muss sich profunde Kenntnisse aus der Raumakustik aneignen - oder über einen Subwoofer verfügen…
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