Ohne helfende Hände gerät das Auspacken zu einer artistischen Meisterleistung. Als die Boxen ausgepackt waren, fand sich Ungewöhnliches tief im innern der Verpackung: ein paar Meter Lautsprecherkabel für den Anfang (oder Notfall), ein technisches, 4-seitiges Beiblatt über Aufstellung, Anschluss und Entwicklung und eine allgemein gehaltene 8-seitige Bedienungsanleitung über Lautsprecher, Aufstellung, Hörposition und (Achtung!) Raumakustik. Ja, Sie haben richtig gelesen: eine Bedienungsanleitung und ein Beiblatt. Und zwar gedruckt, nicht kopiert! Lesenswert und sehr informativ. So etwas sollte Pflicht sein!
Die Nubox681 selber ist ein Zwei-Wege Bassreflexsystem mit einem Sub-Bass. Also, genau genommen, ein 2½-Wege System. Die Impedanz ist mit 4Ω angeben (auch dazu steht etwas in der Bedienungsanleitung). Die Nennbelastbarkeit ist mit 310W zwar etwas oversized, man kommt aber damit aus (über Wattprotzereien lese man in »Hören mit Röhren« nach). Der Wirkungsgrad von 88,5dB erscheint dagegen mager - hier möchte ich jedoch vorausschicken, dass man da wohl eher grosszügig nach unten abrundet hat. Den angegebenen Frequenzgang von 44Hz bis 20kHz (±3dB) allerdings habe ich in dieser Preisklasse schon mal besser gesehen. Und so erwartete ich also nicht allzuviel. Obligatorisch ist da schon das Bi-Wiring Terminal. Was mich jedoch gänzlich erstaunte war, dass diese Lautsprecher mit einer selbstrückstellenden Sicherung versehen sind. Da scheint jemand seine Pappenheimer zu kennen. Und wegen der Sicherung - tja, da können wir es ja richtig krachen lassen, obwohl Lautsprecherschädigende Gleichspannung ist von einem Röhrenverstärker ja so leicht nicht zu erwarten.
Aufgrund des Wirkungsgrades sollten die Eintaktverstärker (mit EL156 und 845) kalt bleiben (sollten, wohlgemerkt). Zum Einsatz sollten also nur die, in Gegentaktmanier arbeitenden, dicken Brummer und ein aufgebohrter EL34-Verstärker kommen. Sollten, wohlgemerkt.
Nach längerer Einspielzeit kam dann die Stunde der Wahrheit (genau genommen waren es anderhalb Stunden). Im Abschluss daran steht später im Polizeibericht etwas von grosser Lautstärke am Ostermontag und das man den Verursacher ermahnt hatte. Was nicht im Bericht drin steht, dass die Beamten ebenfalls ein kleines Hörpröbchen nahmen …
Weil »zufällig« der mit 6550 bestückte 100W-Röhrenverstärker betriebsbereit stand, mussten die beiden Nubox681 sofort zeigen, was sie können. Und ohne weitere Feinabstimmung an den Röhrenverstärkern selber, donnerte es dann los.
Ohne Vorwarnung und mit brachialer Gewalt zeigten die Dire Straits respektive Mark Knopfler, woher der Barthel den Most holt. Der Verstärker schickte die scheinbar unbändige Energie von »Brother in Arms«, »Calling Elvis« oder »I want my MTV« zu den Schallwandlern wobei die Nubox nie die Contenance verlor.
Nach etwa einer Stunde peischte uns Knopfler noch seine Riffs aus »Going Home« um die Ohren. Das Saxophon schien, trotz der immensen Dynamik, über allem zu schweben. Die einsetzenden Drums zeigten dann, was ein Nubert-Lautsprecher ist. Klanggewalten pur: der Bass knackig, die Höhen und Mitten sehr Detailreich. Mit dem Schlussakkord, wo uns die wuchtigen Drumschläge noch ein letztes Mal um die Ohren gehauen wurden, waren wir endlich zuhause und die Hörsession sollte für diesen Tag beendet werden.
Nicht zuletzt auch wegen den zwei netten Uniformierten, die an der Haustür darauf warteten, dass ihnen Einlass gewährt wurde.
Nach dem üblichen Prozedere wollten die beiden Beamten dann noch sehen, welche Monster diesen Höllenlärm verursacht haben und staunten ob des Röhrenverstärkers und der Lautsprecher nicht schlecht. »Lassen Sie mal hören. Aber leiser, ja?«, war die überraschende Bitte. Lou Reed durfte dann, in Zimmerlautstärke (naja), sein »Walking on the wild side« intonieren. Beeindruckend der gezupfte Kontrabass und, deutlich vernehmbar, wie die Saiten an den Steg schlugen. Dazu die rauchige Stimme von Lou Reed, das Geschrammel auf der Akkustikgitarre, die taktgebenden Besen und das Mehrstimmige »Dip-Di-Dip« liessen jugendliche Gefühle aufkommen. Jetzt fehlte eigentlich nur noch die Frage, wer denn jetzt eine Tüte dreht.
Sowohl die Augen des Gesetzes, als auch die versammelte »frihu-Mannschaft« waren sichtlich beeindruckt. Was soll denn erst werden, wenn Röhrenverstärker und Lautsprecher angepasst sind?
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