Wer die Nubox nun für einen Krawumm-Lautsprecher hält, tut diesem Schallwandler unrecht. Sicher, sie kann es krachen lassen. Und das sehr heftig. Sie kann aber auch sehr zartfühlend und äusserst sensibel mit den Musiksignalen umgehen. Schumanns »Rheinische« wird so reproduziert, als wäre man bei der Darbietung live dabei. Sehr gut auch das Adagio aus Khachaturian »Spartacus«. Der »Hummelflug« liess uns fast wahnsinnig werden, nur Suppè's »leichte Kavallerie« verhinderte Schlimmeres. Und wäre ich Brite, ich hätte bei »Pomp & Circumstances« von Elgar lauthals mitgesungen. Ja, was denn? Noch nie bei den »Promps« gewesen? Das ist Klassik. Und genauso sollte es verstanden werden. Wer zum Henker hat den Begriff »ernste Musik« geprägt? Solche Ouvertüren und Suiten stellen quasi eine Single-Auskopplung eines Gesamtwerkes dar, wobei die Laufzeit einer solchen Auskopplung nicht nach heutigen Massstäben gemessen werden darf! Egal.
An den Eintaktverstärkern (diesmal auf die Lautsprecher abgestimmt), spielten die Nuberts wie aus einem Guss. Satt, warm, keineswegs schummerig und doch sehr detailreich. Das klassische Orchester baut sich auf, spielt und lässt einen verzauberten Hörer zurück. Die Dire Straits spielten an dem 15W EL156-Eintakter nicht ganz so gewaltig und druckvoll aber immerhin. Wer jedoch die Nuberts nicht an wattstarken Verstärkern hört und dies auch nicht vorhat, wird eigentlich nichts vermissen. Weniger als 15 Watt sollten es im Eintaktmodus aber nicht sein. So kam z.B. ein 4W Röhren-Eintaktverstärker überhaupt nicht mit der Nubox681 zurecht. Da half alles tricksen nichts. Auch Schumanns »Träumereien« nicht.
Ältere Aufnahmen von z.B. den Rolling Stones, Janis Joplin oder The Who klangen an den EL156- und 845-Eintaktern wie früher. Nur besser. Gewaltiger, frecher und wie hingerotzt. Das gleiche Material an einem 30 Watter mit EL34 in Ggegentakt war dann allerdings nicht mehr zu toppen: »Hope I die, before I get old«.
Günther Nubert und ich haben, so scheints, eines gemeinsam: puristischer Klang aus puristischen Anlagen ist uns egal und funktioniert eben nicht. Es funktioniert deshalb nicht, weil die Architekten die Raummoden nicht von vorneherein berücksichtigen. Also muss man mit falschen Raummoden leben. Oder man darf keine Musik hören.
Man kann nun mit allerlei (dubiosen) Mittelchen versuchen, die Raummoden positiv zu beeinflussen. Man kann auch mittels Klangsteller am Verstärker arbeiten. Das ist aber (noch) »pöhse«. Man kann auch Schalter an den Lautsprechern anbringen die, grob gesagt, die Funktion der Frequenzweiche etwas beeinflusst. Letzteres ist bei den Nubert Standlautsprechern der Fall und erlauben es, Hoch- und Tiefton etwas anzuheben, abzusenken oder sie unbeeinflusst zu den Lautsprechern weiterzureichen. In meinem Fall wurden der Hoch-Mitteltonbereich abgesenkt und der Tiefton angehoben. Die Wirkung ist dabei nicht so drastisch wahrnehmbar, wie z.B. der Klangsteller am Verstärker. Aber - es wirkt. Wer wegen der Schalter eine negative Klangbeeinflussung herbeispinnt (immerhin verpacken diese Schalter 5A bei etwa 100V), der sollte sich in Therapie begeben und jemanden engagieren, der ihm die Raumakustik ausmisst. Spätestens dann, wenn die Rechnung präsentiert wird, ist er von allem Voodoo erlöst und kauft sich noch einen parametrischen, 40-bändigen Equalizer.
Jedes Watt, was der Verstärker gerade im Bereich Tief-Mittelton mehr leisten kann, nimmt die Nubert dankbar auf und lässt, so das Musikmaterial es denn auch liefert, die Umgebung vibrieren. Und das keineswegs unangenehm. Keine Schläge in die Magengrube und keine Fehlgeburten bei Schwangeren. Nichts also für Techno-Jünger. Die sollen bitteschön bei ihren Krawumm-Lautsprechern bleiben.
Der Bass aber, den die Nuberts zaubern, ist mit einem streicheln an erogenen Zonen vergleichbar. Yello's »Night Train« oder Martin Taylor demonstrierten es eindrucksvoll. Und dazu kommen die keineswegs unterdrückten Höhen und Mitten für das Ohr. Wow!
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