Kleinen Regal-Lautsprechern haftet ja das Vorurteil an, dass diese zwar im Hoch- und/oder Mitteltonbereich ungemein Erstaunliches zu leisten vermögen, das Musiksignal im unteren Frequenzbereich aber genauso stiefmütterlich behandeln wie weiland die zweite Angetraute des Vaters von Hänsel und Gretel. Ideal also für Volksmusik hörende Zombies, ekstatischen Operettenfanatikern oder hochtongeile »High-Endern«.
Das mag sich überzogen anhören, die Realität ist aber noch viel grausamer. Man muss sich bloss einmal bei den Nutzern solcher Lautsprecher umhören. Da sind Klangregler ja noch harmlos. Zurück zum vernachlässigten Tiefton. Aufgrund des fehlenden Resonanzkörpers muss der Bass allein vom Tieftonlautsprecher erbracht werden, der aus Platzgründen naturgemäss klein ausfällt. Fehlender Resonanzkörper und kleine Membranfläche - da kann ja kein Bass produziert werden. Allenfalls Mittel-Tiefton. Da klingt selbst ein Bariton wie Kastratengeträller.
Um also überhaupt einen nenneswerten Tiefton zu erhalten, kommt es einerseits auf Geschick im Lautsprecherbau an und andererseits auf Phantasie bei der Lautsprecherpositionierung (daran sind schon Ehen gescheitert). Auch, oder gerade wegen des kleinen Gehäuses liegt die untere Frequenz solcher Lautsprecher durchschnittlich bei mageren 70 - 75Hz (-3dB). Nein wirklich, Spass macht so etwas nicht wirklich. Mir zumindest nicht.
Die Faustformel: je näher an die Wand, desto besser, ist auch nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss, zumal es sich bei der NuLine32 auch noch um einen 2-Wege Bassreflex-Lautsprecher(chen) handelt. Das erschwert die Positionierung natürlich etwas, aber die »NuBeschreibung« gibt hier aufschlussreiche Tipps und Hinweise.
Heimkino-Fans wissen um diese Problematik und fügen solchen Möchtegern-Lautsprechern noch einen mehr oder minder potenten Subwoofer (ist in der HighEnd-Szene allerdings auch verpönt) hinzu. Da der Tiefbass in einer Stereodimension sowieso nicht ortbar ist, kann so ein Woofer ganz unauffällig für das nötige Bassfundament sorgen. Richtig installiert (das sind aber die wenigsten), staunt dann jeder Unwissende (oder millitante Standlautsprecher-Verweigerer) über den tollen Klang dieser kleinen Lautsprecher. Warum sich also grössere Lautsprecher anschaffen?
Nun, ich persönlich mag diesen harten Bass eines aktiven Subwoofers nicht. Mit den richtigen Zutaten bekommt man auch aus einem passiven System einen schönen, knackigen Bass. Solch ein passives System funktioniert ganz gut bei Halbleiterverstärker, bei Röhrenverstärker gibt es da aber ein mittelschweres Anpassungsproblem, weshalb echte Röhrenverstärker-Liebhaber auch über Standlautsprecher hören. Aber das soll hier nicht das Thema sein. Hören wir mal, was die NuLine32-Lautsprecher so alles drauf haben. Ganz ohne elektronischen Glutamat oder sonstige Tricksereien.
Also, Gläser und sonstiges Ziergut (Sie wissen schon, das wovon Frauen eben so schwärmen) vom Sideboard abgeräumt und Lautsprecher hingestellt. Mit einem Kampfgewicht von 9Kg zählen diese Lautsprecher keineswegs zu den Leichtgewichten. Sollten Sie also daran denken, diese Lautsprecher ins Billig-Regal zu platzieren, tun Sie gut daran, vorher die Statik des Regals zu prüfen. Ausserdem brauchen Sie noch etwas Platz: mit den Abmessungen von 347x21x274mm je Lautsprecher sind die NuLine32 auch keine Winzlinge. Ein Lautsprecherständer wäre optimal - aber dann stehen diese Dinger ja wieder im Raum.
Die 85dB Wirkungsgrad der NuLine32 sind nicht gerade üppig aber besser als das, was man sonst so findet (ich war mal auf die Schnelle in einschlägig bekannte HiFi-Läden). Frequenzweiche, selbstrückstellende Sicherung, ein ordentliches Terminal welches auch Bi-Wiring erlaubt sind auch bei diesem Lautsprecher selbstverständlich. Es findet sich sogar der bewusste Schalter mit dem man das Klangverhalten der Lautsprecher an die Räumlichkeiten anpassen kann. Leichte Fehlpositionierungen lassen sich hiermit gut ausgleichen. Gegen akustikversauenden Einrichtungsgegenstände ist dieser Schalter jedoch machtlos. Da hilft nur das radikale Entfernen solcher Gegenstände, auch über alle (meist weibliche) Widerstände hinweg.
Bei der Analyse des Frequenzgangs aus dem technischen Beiblatt wollte ich diese Lautsprecher ja zunächst zu den Schwiegereltern ausquatieren. Die hören mit dem Knopf mit Ohr und vorzugsweise »The very Best of Volksmusik«. Magere 68Hz bis 24kHz (+2/-3dB) lassen nichts Gutes erwarten (siehe Vorurteil oben). Man hat mir ja schon viel nachgesagt aber akustischer Masochismus ist mir wirklich fremd. Aber nun stehen sie hier, die NuLine32 - jetzt ziehe ich das Ding auch durch.
Aufgrund des Wirkungsgrades müssen die Röhrenverstärker schon etwas mehr schuften, um überhaupt eine »brauchbare« Lautstärke zu erzeugen (mit »brauchbar« meine ich bestimmt keine Hintergrundbeschallung). Da die Lautsprecherabmessung doch etwas klein sind, höre ich zunächst auf meinen Beschützerinstinkt und lasse nur den 15W EL156-Röhrenvollverstärker (Eintakt bzw. Single-Ended) und den, in der gleichen Leistungsklasse spielenden 6AS7G-Röhrenverstärker (Gegentakt, einmal als Vollverstärker und einmal als reine Endstufe) auf die NuLine32 los.
Soweit so gut. Eine hartnäckige Erkältung raubte dann jede Lust am testen. Wenn man dauernd schniffen oder husten muss, macht so etwas keinen Spass, zumal die »Watte im Ohr« jede Transparenz erfolgreich zunichte macht. Pünktlich zum Weihnachtsfest war aber alles wieder OK.
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