Die einmal gefundene NuBox681-Gegenkopplung bei den Röhrenverstärkern passt ausnahmslos auch bei der NuLine32. Der Grund hierfür mag in der aufwändigen »Nubertschen« Frequenzweiche liegen, die jedem Röhrenverstärker (zumindest theoretisch) etwas zu schaffen macht und jeden mühsam erzielten Prozentpunkt beim Dämpfungsfaktor gnadenlos versaut. OK, je nach Geschmack kann man den Gegenkopplungsgrad noch etwas erhöhen oder verringern, wirklich nötig ist das aber nicht! Also sparen wir uns diese Arbeit. Ausserdem muss noch der Weihnachtsbaum geschmückt werden.
Da es zum Zeitpunkt des Tests ja arg geweihnachtet hattem, eröffneten wir den Testreigen stilecht mit Adolphe Adams »O Holy Night«. Meine Version dieses Liedes ist die seltene Interpretation des norwegischen »Oscar's Motet Choir«, der Sopranistin Marianne Melnäss und als Begleitung die grosse(!) Kirchenorgel. Es ist zudem keine perfekte und sterile Aufnahme, deshalb hört man in der Eröffnung deutlich die Blasgeräusche der Orgel und das »arbeiten« des Organisten, der hörbar bemüht ist, wirklich jeden Ton der Partitur zu spielen und es nicht zu vereinfachen wie man es leider sehr, sehr oft hört.
Butterweich setzte dann nach dem Intro die Stimme der Sopranistin Marianne Melnäss ein. Die Auflösung und die Klangfülle der NuLine32 ist derart gut, dass Orgel und die samtweich gesungene erste Strophe eine Einheit bildeten ohne verwaschen zu klingen. Wir schlossen gebannt die Augen und hörten in den akustischen Raum hinein: das Wohnzimmer wandelte sich zur Kathedrale. Raumfüllend und plastisch geriet das akustische Abbild des Refrain singenden Chores. Wir waren geneigt, ein paar Stühle beiseite zu räumen, damit auch wirklich jedes Chormitglied auf unserer akustischen Bühne Platz hat. Trotz der teilweise laut gespielten Orgel und dem wuchtigen Chor konnte man den leichten Hall deutlich heraushören. Faszinierend, was da aus solchen Lautsprecher(chen) kommen kann.
Gar nicht mehr so weihnachtlich war dann der restliche Testparcours. Erich Kunzel mit dem »Cincinnati Pops Orchestra« durfte ran. Kunzel ist ja bekannt dafür, dass er (unter anderem) einige klassische Stücke für das grosse Orchester (eben jenes Cincinnati Pops Orchestra) neu arrangiert und modernste Aufnahmetechniken verwendet. Verstärker und Lautsprecher, die den »Erich Kunzel Test« bestehen, können dann eigentlich immer und überall punkten. Gemessen an der Lautsprechergrösse der NuLine32 konnte ausreichende Wuchtigkeit reproduziert werden. Damit hat die NuLine32 diesen Test auch bestanden. Ganz ohne Glutamat und ganz ohne Subwoofer. Alle Achtung: so klein und schon so frech.
Das obligatorische Klassikfinale mit den digitalisierten Kanonenschüssen aus der »1812 Overtüre« zeigte dann deutlich, woran es bei der NuLine32 mangelt: ohne Subwoofer gerieten die Kanonenschüsse dann doch arg dünn. Das Orchester klang gut, keine Frage. Aber eben diese Kanonenschüsse. Nein, da muss es einfach etwas (mehr) scheppern. Wenn Kanonen wie Büchsen aus den Sezessionskriegen klingen, dann ist da etwas faul.
Seien wir fair. An das Volumen eines Standlautsprecher reichen Regallautsprecher eben nicht heran. Hier einen direkten Vergleich zu ziehen, ist nicht möglich. Zudem soll es ja auch Musikliebhaber geben, die keinen Rums haben wollen und es auch nicht scheppern lassen möchten. Zumindest nicht ausserhalb der Stereodimension, denn innerhalb des Stereodreiecks (korrekte Lautsprecherpositionierung vorausgesetzt) produzieren die NuLine32 einen vollkommen ausreichenden Bass und reicht locker für entspanntes Dire Straits hören. Bei musikalischen Gemeinheiten bekommt man zumindest eine gute Ahnung (!) dessen, was ausgewachsene, gute Standlautsprecher fabrizieren könnten.
Die NuLine32 spielen verdammt ehrlich. So ehrlich, dass wir den »klangbeeinflussenden« Schalter an der Rückwand der Box auf neutral gestellt haben. Also keine Anhebung der Bässe und der Höhen. Wie aber schon gesagt, mussten die 15W-Röhrenverstärker schon etwas mehr schuften wobei der 6AS7G-Gegentaktverstärker etwas mehr Dymanik aus den NuLine32 herauskitzelte als der EL156-Eintakter. Der für ein kurzes Gastspiel ausgeliehene 80W-Röhrenvollverstärker mit 6146 Röhren konnte dann auch wesentlich besser mit den 85dB der NuLine-Lautsprecher umgehen. 15 oder 20 Verstärkerwatt sind daher als absolutes Minimum anzusehen. Jedes Watt mehr, den der Verstärker liefern kann, nimmt die NuLine32 dankbar auf und lässt hören, aus welchem Hause sie kommt.
Nun sollte ja nicht die NuLine32 alleine getestet werden, sondern in Zusammenhang mit dem elektronischen Geschmacksverstärker ATM. Aber dafür lassen wir Weihnachten an uns vorüberziehen…
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