Regallautsprecher, Wiskey Wisky - Pioneer: Pure Malt Speaker, Resteverwertung: Regallautsprecher aus Wiskeyfässern - ohne schottisches Wirtshausflair
20.08.2008. - 18:35

Pioneer: Pure Malt Speaker


Resteverwertung: Regallautsprecher aus Wiskeyfässern - ohne schottisches Wirtshausflair

10.12.2006


Pure Malt Speaker von Pioneer

Es geht die Mär, dass sich vor einigen Jahren der japanische Pioneer-Vorstand zu einem Betriebsausflug Motivationsseminar in den Highlands von Schottland versammelte, um hier gemeinsam durch die Auen zu streifen und um schottische Trinklieder zu studieren. Nachdem man nun einige Kilometer durch Berg und Tal wanderte, fanden sie eine heruntergekommene aber funktionstüchtige Destille. Da man von dem vielen wandern auch Durst bekommen hatte und das Ziel ja auch eigentlich eine schottische Wirtshaus-Exkursion (wegen der schönen Lieder) war, beschloss man, zumindest den Durst an der Quelle zu löschen. Nachdem man sich nun durch mehrere Wiskeyfässer gesoffen hatte, muss die Schnapsidee entstanden sein, aus den, nun leeren, Fässern HighEnd-Subwoofer für den japanischen Heimkinomarkt herzustellen.

Noch während des Synapsenfaschings am anderen Tag verfeinerte man die Idee. Zwangsläufig, denn erstens gab es nicht genügend leere Fässer und damit nur eine sehr begrenzte Anzahl an möglichen Subwoofereinheiten, was sich auch negativ in der Bilanz widerspiegeln würde und zweitens versprach das filetieren der Fässer zu mehreren Verkaufeinheiten (sprich Lautsprecherpaaren) einen höheren Gewinn, was folglich die Bilanz positiv beeinflussen würde. Alternativ sollten grosse Trommeln für die Shinto-Schreine hergestellt werden, deren populärster Vertreter die japanische Trommlergruppe Kodo ist und in HighEnd-Kreisen sehr gerne zum testen genommen wird (die CD-Reproduktion, nicht die Gruppe in natura). Manch ein Mitteltöner-Harikiri geht auf deren Kosten.

Man entschied sich dann doch für kleine Lautsprecher. Shinto ist ja nett. Lautsprecher versprechen Bares. Gesagt, getan. Gegen Bares versprach man dem Destillebesitzer die fachgerechte Entsorgung der mit Wiskey vollgesogenen Holzfässer. Der willigte ein, nahm die vielen Scheinchen und war froh, die Holzfässer nun nicht mehr als Sondermüll entsorgen zu müssen. Die fernöstliche Karawanne hingegen zog es wieder zurück in das Land ihrer Väter und der aufgehenden Sonne. Mit einer schottischen Volksweise auf den Lippen und die Fässer im Handgepäck.
So also erzählt man sich.

Naja, ein Fünkchen Wahrheit wird wohl an dieser Geschichte dran sein, denn nun gibt es sie, die Pure Malt Wiskey-Lautsprecher. Die gebogenen Längsbrettern des Holzfasses (Dauben) wurden begradigt und so aufbereitet, dass die daraus hergestellten Lautsprecher-Gehäuse nun nicht mehr das typische schottische Wirtshaus-Flair ausdünsten, sondern sich diesbezüglich recht normal verhalten. Das aufwändig herstellte und verarbeitete Wiskey-Gehäuse wurde dann mit einem Kalottenhochtöner und einem 10cm-Tieftöner aus Aramid-Verbundwerkstoff bestückt.

Soweit, so gut. Dieser Lautsprecher ist mir bei der Hausmesse von Benedictus HiFi in die Augen gesprungen. Nicht nur die vorführenden Firmen (u.a. auch Quad) machten sich lustig über diese Lautsprecher(chen), die aussehen wie eine Kreuzung von Kompaktanlagen-Gewichtsoptimierer und Multimedia-PC Brüllwürfel.

Das man von diesen Lautsprechern nicht allzuviel erwarten darf, war allen klar und es herrschte Eingkeit, dass es sich eigentlich nur um einen PR-Gag von Pioneer handeln musste. Doch wie eigentlich immer, sollte man nicht urteilen, was man nicht kennt. So präsentierte sich die S-A4SPT (so der offizielle Name) doch recht eindrucksvoll und verwies auch andere Monitor-Lautsprecher lässig in die Schranken.

Mit einfachem Material kam sie bestens zurecht. Es ist und bleibt aber keine Kawumm-Box. Extreme Tiefbässe sind - trotz des hohen Preises - ein Wunschtraum, den nur eine eigenständige Subwoofer-Einheit erfüllen kann. Marillion's »Garden Party« hörte sich aber besser an als erwartet. »Strangers in the shore« liess Gänsehaut aufkommen und auch Yello's »The Race« konnte durchaus überzeugen. Nicht ganz so wuchtig wie gewohnt - aber immerhin. Fabelhaft auch Ula Meineckes »Tänzerinn«.

Mit 84dB-Wirkungsgrad verlangt dieser Lautsprecher schon einen kräftigen Verstärker, die bei der o.g. Hausmesse auch in Form einer 35W EL34-Gegentaktendstufe (Edgar) vorhanden war. Hier störte jedoch die fehlende Anpassung seitens des Verstärkers. Es klang alles zu spitz und zu dünn. Das gleiche Musikmaterial von einem Halbleiter- und Röhrenverstärker präsentiert, offenbarte klangliche Welten. Oder, um es anders auszudrücken - während der Halbleiterverstärker an der Wiskey-Box durchaus für einen halbherzigen Mini-Orgasmus sorgen konnte, blieb es an dem Röhrenverstärker bei einem pubertierenden Petting (was aber nicht unbedingt die Schuld der Lautsprecher allein war).

Aber was soll's? Man bekommt einen ungewöhnlichen Lautsprecher, der stark limitiert ist, über einen sehr hohen WAF verfügt und zudem noch recht anständig klingt. Stilecht sollte dieser Lautsprecher bei einem Glässchen Glenfiddich und »Wiskey in the Jar« von der dürren Luzie (Thin Lizzy) genossen werden. Why not?

Fazit: Anhören lohnt sich allemal. Ob man diese Lautsprecher haben muss, entscheidet dann der Geldbeutel und die Fähigkeit, den (natürlich) vorhandenen Gegentakt-Röhrenverstärker an diese Lautsprecher anzupassen (laut letzter Info ist das relativ einfach). Zu haben ist dieser Lautsprecher nur bei ausgesuchten Premium-Händlern der HiFi-Branche.






Letzte Aktualisierung am 07.02.2007 - 13:40
 
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