Was wir gehört haben war das mit C37 behandeltes Lautsprecherpaar. Laut Roland Seidl ist es aber auch das Zusammenspiel von farblich unbehandeltem Echtholz, behandeltem Schallwandler und der eigentlichen Lautsprecherkonstruktion, denn das Fostex-Chassis mit seiner knappen 10cm-Membranfläche arbeitet auf ein Backloaded-Hornsystem. Aus diesem Grund ist auch die Aufstellung der Schallwandler ein triviales Unterfangen. Hat man es aber einmal geschafft, machen diese Lautsprecher einfach nur Laune und Lust auf Musik.
Das der C37-Effekt so deutlich zu Tage tritt, hatten wir selbst nicht für möglich gehalten. OK, bei Metallica oder Yello hört man, wenn überhaupt, kaum Unterschiede, aber sobald die Musikstücke sich an einer natürlichen Harmoniefolge orientierten und es »ruhiger« zuging, sind die Unterschiede hörbar. Es muss schon ein schwerer Tinnitus vorliegen, wenn man das nicht hört.
Leider benötigen die C37-Lautsprecher etwas Einspielzeit. Ich muss zugeben, dass ich Herrn Seidl doch etwas für bescheuert gehalten habe, als er mir diesen Hinweis auf den Weg gab - doch es stimmte. Erst nachdem die Fostex-Lautsprecher richtig gearbeitet haben - bei Yello und Metallica durften sich die Membrane »ordentlich« bewegen (wobei ordentlich relativ ist, denn die Auslenkung waren erst beim genauen Betrachten erkennbar) - klang es so, wie es uns Roland Seidl prophezeit hatte: insgesamt wärmer, runder und differenzierter.
Das soll nun nicht heissen, dass man vorher erst Metallica hören muss um hinterher Beethoven zu geniessen. Wie bei den Röhrenverstärkern auch, sollten die Lautsprecher erst »temperiert« werden, sonst will es nicht so recht klingen (zuerst etwas kratzig und verhornt, dann schön rund laufend). Wobei das mit dem Hören so eine Sache ist:
Bei vielen Vorführungen zu denen (selbsternannte oder ausgewiesene) HighEnder geladen werden, auf das sie des Meisters Klänge lauschen mögen, kann man beobachten, dass die versammelte Zuhörerschaft so angestrengt dem Musikgeschehen lauscht, dass ich jedesmal nur vom Hinsehen Muskelverkrampfungen bekomme und geneigt bin, nach einem Masseur zu rufen. Was um alles in der Welt versuchen diese Herrschaften (Herr deswegen, weil Frau kaum mit an Bord ist) denn zu hören? Die Farbe des Taktstocks? Oder ist es der vom linken Pedal zu beeinflussende Nachklang des Steinway-Flügels (das Wort Klavier führt zum sofortigen Ausschluss bei solchen Veranstaltungen)?
Auch typisch bei solchen Vorführungen sind die permanent überbetonten Höhen. Da frage ich mich schon wer hier einen Gehörschaden hat: wenn die Triangel oder das vibrieren der Cellosaiten so dermassen in den Vordergrund tritt, dass das letzte verbliebene Ohrenschmalz fluchtartig die Gehörgänge verlässt, dann ist eine Stippvisite beim HNO-Spezialisten angesagt und keine Klangschale zur Betonung des Grundtonspektrums.
Kristallklare Höhen präsentieren sich bei mir anders. Keineswegs nervend oder überbetont. Das akustische Problem, dass ein Zuviel an Höhen den Tiefton deskriminiert, scheint sich noch nicht ganz herumgesprochen zu haben. Ich jedenfalls fühle mich bei solchen Vorführungen an meine unselige Krawumm-Zeit erinnert:
meine zwei 2m-stoffbespannten nussbaumfarbenen Boxen mit je fünf Piezo Hoch-Mitteltöner und je zwei weich aufgehängten 30cm-Tieftonchassis von Monacor waren berühmt-berüchtigt.
Ach - und noch etwas: bei solchen Vorführungen scheint es nur Klassik oder Operette zu geben. Bei meinem letzten Besuch war ich es leid und verlangte nach Roger Waters oder Albert Lee. Egal was. Bloss kein »Tristan und Isolde« mehr. Der »Walküreritt« hängt mir auch zum Halse 'raus. Albert Lee war dann zwar nicht vorhanden - aber eine sehr gute Reproduktion von The Art of Noise. Und in vielen Gesichtern machte sich wohlige Entspannung breit. Na bitte. Geht doch. Ich weiss auf jedenfall warum die klassische Musik auch als »ernste Musik« bezeichnet wird. Ob das die Komponisten im Sinn hatten? Wohl kaum.
Kommen wir zurück zu der Initium Parvum. Auch wenn Roland Seidl nun die »Brocken geschmissen« hat (das hatte seinerzeit Dieter »Lowther« Kirchhoff auch mal gemacht), für mich war diese Testreihe lehrreich. Da ist zudem der hörbare Unterschied von C37-behandelten und unbehandelten Lautsprechern und dann noch die Positionierung bei Backloaded Hornlautsprecher-Systemen.
Und da man nicht immer nur Bach oder Mike Oldfield hören kann, ist ein umklemmen der Lautsprecher eigentlich überflüssig, wenn man es auch einmal krachen lassen möchte. Die »Initium Parvum« macht auch hier eine gute Figur - ohne das es nervt oder sie zu sehr in den Vordergrund rückt. Das Musikhören macht mit diesen Lautsprechern einfach nur Spass. Punkt.
Da Roland Seidl »weitermacht«: dieser Lautsprecher ist meine Top-Empfehlung. Und man darf gespannt sein, was dieser Mensch sonst noch so ausbrütet.
Hersteller: Roland Seidl Kontaktaufnahme über
RSL-Horn
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