Hintergrundinformationen über die 845-Triode (Röhre) gültig auch für die 211
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18.05.2012. - 02:32

845 intim


Hintergrundinformationen über die 845 (211) Triode (1)

26.10.2008


Dieser Textabschnitt wurde aus dem ursprünglichen Bericht zum 845-Röhrenverstärker separiert und ergänzt.


845 Beschaltung

Betrachten wir uns zunächst die 845 respektive die 211 etwas genauer. Die 211 wird nunmehr auch explizit genannt, da diese Röhre ähnliche Eigenschaften aufweist, wie die 845. Die Unterschiede in NF-Anwendung sind eher als marginal zu bezeichnen.

Die 845 (wie auch z.B. die 300B oder die 2A3) ist eine direkt geheizte Triode, sprich, es fehlt bei diesen Röhren die Kathode und muss »künstlich« durch externe Widerstände nachgebildet werden. Im Gegensatz zur 300B ist die 845 (wie auch die kleinere Schwester 211) eine waschechte Senderöhre - und so sind die technischen Angaben aus den Datenblättern auch zu lesen! HF (Hochfrequenz-Anwendungen in welcher Ausprägung auch immer, hier mit einer Anodenverlustleistung von 100W) hat nichts mit NF (also Niederfrequenz) zu tun. In NF-Anwendung reicht es bei der 845 (bzw. 211) gerade einmal zu 80W Anodenverlustleistung.

Von dieser Anodenverlustleistung abgeleitet sind gerade einmal 20 effektive Watt (entspricht etwa 25% der Anodenverlustleistung) möglich, die dem Lautsprecher zugeführt werden können. Natürlich mit einem entsprechenden Maß an Verzerrungen und Klirr. Technische Angaben, die für einen 845 Single Ended 25W oder gar mehr aufweisen, sind deshalb genauso zu bewerten, wie der 500W-Aufdruck auf PC-Lautsprecher Verpackungen.

Während das Leuchten einer 300B oder 2A3 romantische Gefühle auslösen kann, fasziniert die 845 mit dem Charme einer 15W Nähmaschinen-Glühbirne: sobald die Spannung anliegt, ist die 845 »voll da« (naja, fast) - bei der 300B hingegen brauchts dagegen schon etwas Zeit, bis der Heizfaden auf touren gekommen ist. Indirekt geheizte Röhren (z.B. EL34, EL156, 6AS7G) benötigen zur wirksamen Elektronenemission sogar noch länger (man kann das hochlaufen sprichwörtlich hören). Der Grund, das die 845-Röhre sofort arbeiten kann, ist im Heizfaden begründet. Dieser besteht, im Gegensatz zu vielen anderen Röhren, aus Thoriumbeschichteten Wolframdraht (Thoriated Tungsten). Diese Art des Heizwedels garantiert eine Elektronenemmission bei wesentlich niedrigeren Temperaturen als bei anderen Röhren, was aber nicht heissen soll, das diese Röhre allgemein kühler bleibt. Das Metall Thorium ist u.a. auch für das gelblich-weisse Licht verantwortlich.

Ach ja, wenn Sie sich wegen möglicher Röntgenstrahlen (die wegen der hohen Spannung entstehen können) und Ozonbildung Gedanken machen (s.o.), sollten Sie keinsfalls nach der Eigenschaft von Thorium (an sich) forschen. Glauben Sie mir, da nimmt sich das bisschen Röntgenstrahlung kindisch aus.

Eine weitere Eigenart von direkt geheizten Trioden ist, dass ein mit diesen Röhren bestückter Verstärker in den ersten Sekunden der Inbetriebnahme vernehmlich brummen (Nachteil der künstlichen Kathode), wobei das bei den 845 und 211 scheinbar schlimmer ist, als bei den »Spielzeug«-Trioden 300B oder 2A3. Um diesen Brumm zu begegnen, werden daher häufig Materialschlachten in Form von Gleichrichter, Elkos und Drosseln (in allen möglichen und unmöglichen Stromkreisen) gefahren. Bei 845-Röhrenverstärker haben besonders die Japaner dies bis zur Vollendung getrieben - wobei es aber auch den umgekehrten Trend gibt.

Und dann ist da noch die Ansteuerung der 845 an sich: was so eine richtige Leistungstriode ist, verlangt nach kräftiger Ansteuerung (Kenner und Könner sprechen von einem »kräftigen Tritt ins Gitter«). Die dargebotenen Lösungen reichen von Zwischenübertrager (Interstage Transformer) bis hin zur Ansteuerung mit Pentoden vom Schlage EL34 oder 6L6GC. Selbst eine 300B oder gar eine 845 selber wird als Treiberröhre eingesetzt.

Und dann ist da noch die Geschichte mit der Versorgungsspannung selber: vielfach liest man, dass diese Röhre erst ab 1000 Volt so richtig auf touren kommt. Nun ja, wenn man diese Röhre quälen will, ist das richtig. Wer mehr als 20W im Eintaktmodus aus dieser Röhre herauskitzeln will, muss schon 1200 Volt investieren und damit auch kurzfristig ein Dahinscheiden der Röhre (das gilt für alle 845'er, die für NF eingesetzt werden) in Kauf nehmen. Hier bleiben wir jedoch (weit) unter 1000V und bewegen uns damit am unteren Ende der Kennlinie. Der moderate Ra (Last) gerantiert aber dennoch saubere und vor allem klirrarme knappe 20W. Mit dieser niedrigen Spannung umgehen wir aber auch der äusserst schwierigen Beschaffung von guten Hochvolt-Elkos (>=550V) oder dem Aufbau einer komplexen Elkobatterie zum Zwecke der Siebung.



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Letzte Aktualisierung am 26.10.2008 - 11:27
 
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