Aus dem Buch HighEnd-Röhrenschaltungen - Single-Ended mit 845, Röhrenverstärker-Selbstbau: Vorbetrachtung (1)
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07.01.2009. - 19:37

Single-Ended mit 845


Röhrenverstärker-Selbstbau: Vorbetrachtung (1)

23.11.2008


Dieser Bericht wurde redigiert und - soweit es nötig war - aufgrund der Komplexität separiert bzw. erweitert.

Röhrenverstärker mit 845 Röhren

Die 845-Röhre kennt wohl jeder, der sich mit Röhrenverstärker beschäftigt. Fix und fertige 845 Single-Ended's von der Stange gibt es zuhauf. Für jeden Geschmack und je nach Geldbeutel - wobei man nicht ausser Acht lassen sollte, dass es für den monetären Gegenwert eben auch entsprechendes gibt. Von Nebensächlichkeiten wie z.B. Sicherheitsaspekte und Klang, einmal abgesehen. Aber einen 845 Röhrenverstärker selber aufbauen? Noch dazu freiverdrahtet? Um Himmels willen! 400 Volt für einen EL156 oder EL34 Verstärker sind das Eine, 1000 Volt für 845 und Consorten das Andere. Zudem lassen diverse Erzählungen über Röntgenstrahlen und Ozon das Schlimmste befürchten.

Wer sich mit Selbstbaugedanken trägt, hat hier eine Hemmschwelle zu überwinden. Wenn man allein deshalb das Projekt noch nicht verworfen hat, tun Sie gut daran, alles, was man sich so über dieses Röhrchen erzählt, zu vergessen. Genau. Vergessen Sie's einfach. Alles Quark (OK, fast alles). Es gibt wesentlich »schlimmere« Röhren mit denen sich derzeit einige HiFi-Bastler (das sind die, die einen EL34-Verstärker im Delirium zusammenlöten können) beschäftigen. Dagegen nimmt sich die 845 als Niederspannungsröhre aus.

Eine andere Hemmschwelle sind die Kosten: wer mit 845 oder 211 etwas bauen möchte, verlässt das Discount-Preissegment für Kondensatoren, Widerstände (auch ohne Schamanen-Aufschlag) und natürlich für die 845'er selber (das gilt eigentlich für alle Bauvorhaben mit direkt geheizten Trioden - also auch für 300B, 2A3 und Co.). Aufgrund der Qualitätsstreuungen bei den dicken Glaskolben, an denen vorzugsweise die Chinesen selber Anteil haben, sind gute Exemplare nicht billig. Eine, vom Voodoopriester, geweihte 845'er braucht es aber auch nicht zu sein. Selbst bei den simplen Lötleisten muss schon etwas mehr Qualität her. An die, hier an jeder Ecke angebotene wacklige Standardware (mit oder ohne versilberte Lötösen), sollten Sie nicht mal im Traum denken. Sie sind, in jeder Hinsicht, billig.

Aus Gründen der Sicherheit und diverser Tücken ist dieses Projekt daher nichts für Bastler die noch nie einen Röhrenverstärker selber zusammengelötet haben! Diese sollten sich z.B. den EL156 Single Ended aufbauen und damit Erfahrung sammeln. Brummfrei selbstverständlich. Knappe 15 Pentodenwatt (in Single Ended Manier) sind schliesslich auch nicht zu verachten.

Um nun mit der 845 einen ordentlich klingenden Verstärker zusammen zu bauen, sind nicht nur hinreichende Kenntnisse und Erfahrung in der Röhrentechnik hilfreich, man benötigt auch profunde Kenntnisse über die 845 selber. Das spart Nerven und erleichtert das Bastlerleben ungemein: 845 intim.

Apropos klingen: was eine richtige 845 (211) ist, will diese gut eingespielt werden. Gegenüber anderen Trioden (wie z.B. die berüchtigte 6C33) verschiebt sich der einmal eingestellte Arbeitspunkt kaum, aber so richtig klingt es erst, wenn die Röhre schon ein paar Arbeitsstunden auf der Anode hat. Erst dann offenbaren sich die Qualitäten und auch erst dann wird hörbar, wie gut die eine oder andere 845- respektive 211-Triode tatsächlich ist. Sie brauchen also neben der »Hardware« noch eine gehörige Portion Zeit.

Erwischt

Wenn Sie jetzt einen Widerspruch in meinen früheren Aussagen erkennen, dass Röhren in der richtigen Beschaltung nicht klingen, ich hier aber explizit von einem Röhrenklang schreibe, dann ist das kein Paradoxon. Ich leiste Abbitte und in Zukunft wird das entsprechend eingeschränkt. Es macht ein Unterschied, welche 845-Röhre man einsetzt und es ist ein Riesenunterschied zwischen dem Klang einer 300B und einer 845. So weit also, so gut. Bevor der Bau eines 845-Verstärkers beginnen kann (das übrigens kein Wochenendprojekt ist), zwei wichtige Stolperfallen die beachtet werden sollten:

Lassen Sie die Finger von sog. Schnäppchen. Ob eine 845 (211) brauchbar ist, lässt sich bereits mach einer kurzen Sichtkontrolle feststellen: gute (mechanische) Qualität von 845-Röhren aus neuerer Produktion zeigt sich an der zusätzlichen Glimmerscheiben-Befestigung am oberen Rand der Röhre. Diese Befestigung entlastet die Konstruktion am Sockel erheblich! Bei knappen 160mm Höhe (ohne Glas) ist eben genaueste mechanische Stabilität essentiell wichtig.

Die beachtenswerte Grösse der 845 (211) hat neben dem mechanischen Problem auch ein elektrisches: diese Röhren neigen zu allerlei hochfrequentem Unfug. Gridstopper (Gitterwiderstand) an jeder(!) Röhrenstufe und ein HF-mässiger Aufbau gehören zum Pflichtprogramm! Auch die Konstruktion der virtuellen Kathode an der Endröhre ist nicht Ohne. Vergessen Sie sog. Entbrummer-Potis und setzen Sie stattdessen auf engtolerierte, induktionsfreie Widerstände (z.B. Metallbandwiderstände).



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Letzte Aktualisierung am 23.11.2008 - 11:56
 
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