Die Ultralinear-Gegentakt AB Schaltung ist so ausgelegt, dass diese, so THEL, bis etwa 8 Watt in Class A spielt. Darüber hinaus gleitet die Schaltung langsam in AB-Technik über. Etwa 8 Watt in Class A sind schon eine Menge Holz und reichen locker für eine Lärmbelästigung aus. Dementsprechend erhält man auch den Röhrenklang: warm, »röhrig« und doch sehr dynamisch, wobei die Klangfarbe noch, bedingt durch die Pentoden-Betriebsart, eine typische KT88-Note erhält. Das hat was.
Neben der Betriebsart kann man lustig zwischen der herkömmlichen Gegenkopplungsart und der Vierpunkt-Gegenkopplung a la Stan White hin- und herschalten. Die normale Gegenkopplung ist dabei fix eingestellt und kann nur mit etwas know-how an die vorhandenen Lautsprecher angepasst werden. Die Vierpunkt-Gegenkopplung dieser KT88-Schaltung ist hingegen über weite Strecken variabel. Allen dieses Feature reicht, um diesen Röhrenverstärker optimal an vorhandene Lautsprecher anzupassen. Es empfiehlt sich, auch diese Anpassungsmöglichkeit extern bedienbar zu gestalten, damit man nicht jedesmal den Verstärker aufschrauben muss, wenn man anpassen will, was in der ersten Zeit sowieso erforderlich ist.
Hat man diesen Dreikampf geschafft (also Zusammenbau, Abgleich, Gegenkopplung einstellen), dann spielt der Röhrenverstärker wie aus einem Guss. Über weite Strecken kontrolliert dieser Verstärker fast jeden Lautsprecher. Selbst ausgesprochene Flattermänner (weich aufgehängte 16" Bassmembrane) spielen an diesem Verstärker akzeptabel. Lediglich bei der Transmissionline Criterion TA25 von T&A leistete sich Thels Röhrenverstärker einige Patzer, was aber wohl am Lautsprecherkonzept liegen mag. Tragisch sind diese Fehler jedoch nicht und stören nur, wenn man einen direkten Vergleich hat.
Meiner Meinung nach, gestalteten sich die oberen Mitten etwas zu dünn. Mike Oldfields Tubular Bells habe ich »prickelnder« in Erinnerung. Auch die Celli-Hardrocker Apocalytica spielten, meiner Meinung nach, etwas zu dünn, besonders dann, wenn bei dem Stück »Farewell« die zweite Cello-Stimme einsetzt. Das gleiche Musikmaterial, mit der normalen Standard-Gegenkopplungsart gefahren, zeigte dann genau umgekehrte Verhältnisse: der entsprechende Frequenzbereich war leicht überbetont. Nicht das ich meckern will, aber ich habe es so empfunden.
Das Bassfundament steht jedoch. Wenn man sich Zeit genommen hat und die Vierpunkt-Gegenkopplung auf die vorhandenen Lautsprecher abgeglichen hat, kann selbst ein Frank Fischer keine Unruhe am Lautsprecher erzeugen. Die Leistungsreserven sind akzeptabel und werden schnell und präzise zur Verfügung gestellt - ohne das typische Röhren-Clipping und ohne Verzerrung. Eine Kesselpauke hört sich wie eine Kesselpauke an, Kanonendonner sind eben Kanonendonner. Und wer jemals Bachs Toccata (Fuge in d-Moll) auf einer grossen Kirchenorgel gehört hat, wird mit diesem Verstärker, sehr gute Lautsprecher vorausgesetzt, nicht enttäuscht werden. Beim Unplugged-Album von Eric Clapton waren die Beteiligten dagegen nicht einig, was besser war: KT88 als Triode oder KT88 als Pentode.
Sauberer Aufbau vorausgesetzt, brummt dieser Verstärker nicht. Besitzer von billigen China-Röhrenverstärker mögen das kaum glauben, aber hier zeigt sich, was Qualitätsarbeit wert sein kann. Übrigens: über Gebühr heiss werdende Widerstände gibt es auch nicht. Und auch die Kondensatoren sind mit der Spannungsfestigkeit ausreichend dimensioniert. Das Netzteil stellt die stabilisierte Versorgungsspannung für die 6SN7GT-Vorstufenröhren sehr präzise zur Verfügung und ist in dieser Schaltungsart »lebensnotwendig«. Ach ja, die 6SN7GT: da diese Röhren von Electro Harmonix geliefert werden und eine hohen Selektionsstufe zuzuordnen sind, sind die Röhren als 6SN7-EH gelabelt. Es mag preiswertere Röhren mit ähnlichem Label geben - die Chance, dass diese nicht in diese Schaltung gehören, stehen sehr gut. Ob dies auch die Endröhren KT88 gilt, ist Geschmackssache: mit der KT88 von JJ änderte sich ein wenig die Klangfarbe. Das dürfte sich aber mit der Zeit egalisieren.
Obwohl ich immer noch der Meinung bin, dass Übertrager viel Eisen aufzuweisen hat, konnte ich im grossen und ganzen nicht meckern und alles in allem klingt dieser Verstärker sehr ausgewogen. Durch die einstellbare Gegenkopplung lässt sich der Verstärker an nahezu jeden Lautsprecher anpassen. Null problemo.
Aber nicht nur für die musikalischen Feingeister hält dieser Verstärker eine Überraschung parat. Selbst »Proleten-Musikgruppen« wie Yello oder Metallica zeigen an diesem Verstärker, »wat Watt is« und provozieren geradezu den Hausbesuch der freundlichen Männer mit den grünen Jacken.
Insgesamt betrachtet ein gut klingender Röhrenverstärker (-Modulbausatz). Aufgrund der Modulbauweise kann jeder selbst bestimmen, wie weit er den Verstärker nach Vorgabe aufbaut. Ich empfehle jedoch, sich an die Vorgaben von Thel zu halten. Einziger Kritikpunkt ist, dass man die Bauteile auch auf der »anderen Seite der Platine« unterbringen könnte, um so die Röhren noch weiter aus dem Chassis herausragen zu lassen.
Technische Kurzinfo:
Verstärkerart: Gegentakt-Röhrenverstärker
Röhren: 2x 6SN7G (H) und 2x KT88
Frequenzgang: < 15Hz bis > 70kHz
Trionden- / Pentodenmodus schaltbar
Gegenkopplung einstellbar
Weitere Informationen zu diesem Verstärker:
T. Hartwig-Elektronik
Tel.: 05543 / 3317
THEL
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