In der neuen Variante ist dies genau umgekehrt. Die, via GZ34 zur Verfügung gestellte Gleichspannung versorgt nun den Vorstufen- und Treiberbereich. Die Endröhren werden über Halbleitergleichrichter mit Gleichspannung versorgt. Ein wesentlich besseres Impuls- und Dynamikverhalten sowie erhöhte Stabilität - auch bei grosser Leistungsabgabe - ist die Folge. Gleich geblieben ist, trotz Röhrengleichrichter, dass die Treiberstufe mit über 400V mit Spannung versorgt wird. Theoretisch reicht auch eine niedrigere Versorgungsspannung, muss dann aber tricksen bzw. zusätzlichen Aufwand betreiben, damit die ECC82 den richtigen Spannungshub für die 6AS7G bereitstellen kann. Im Zuge der Netzteil-Änderungen wurde es notwendig, einige Siebwiderstände für die ECC83 und ECC82 anzupassen. Die Farad-Protzerei wurde auf ein erträgliches Minimum reduziert. Aufgrund des symmetrischen Verstärkerkonzepts muss man sich schon arg anstrengen, um hier einen Brumm zu fabrizieren.
Da die 6AS7G-Doppeltriode immer noch (wenn auch nicht mehr so schlimm) mit System- und Chargentoleranzen zu kämpfen hat, wurde das BIAS (Ruhestromeinstellung) sowohl kanalgetrennt als auch systemgetrennt (also je Triodenhälfte) aufgebaut. Dies erlaubt eine bessere sowie leichtere Einstellung des Ruhestroms. Der geringe Mehraufwand macht sich schnell bezahlt: Exemplarstreuungen sowie Systemtoleranzen lassen sich somit schnell ausgleichen und man ist nicht auf überteuerte gematchte Röhren angewiesen. Auch diese Massnahme ist dazu geeignet, das Klangbild zu »stabilisieren«. Je nach Röhrenexemplar kann nun ein Ruhestrom bis maximal 25mA (bei »guten« 6AS7G) eingestellt werden, typischerweise wird aber ein Ruhestrom je Triodensystem von etwa 18 - 22mA eingestellt. Die letzte Entscheidung ob des richtigen Ruhestroms liefert das Oszilloskop.
Zugegeben, der Verstärker hat nun etwas von der ursprünglichen »warmen« Klangfarbe verloren, lässt sich dafür aber höher aussteuern, ohne durch den Röhrengleichrichter bedingte Kompressionseffekt. Den Verstärker vollständig in Class-A laufen zu lassen (d.h. ohne negative Vorspannung) kommt einer Kastration gleich: man verzichtet hierbei auf excellente Dynamikeigenschaften und notwendige Leistungsreserven (die gerade bei dynamischer Musikwidergabe essentiell wichtig sind). Und überhaupt: wenn ich schon einen Gegentaktverstärker habe, dann möchte ich auch keine Leistungseinbussen haben (8W und mehr sind auch im Eintaktmodus leicht zu erzielen). Pures Class-A Vergnügen bleibt deshalb nur für die Eintakter reserviert.
Bei verschiedenen Hörtests fiel ein solcher, seiner Leistung beraubter, Verstärker durch ein angestrengtes und gepresstes Klangbild auf. Das ist in etwa so, wie ein 400PS-Motor der, trotz durchgetretenem Gaspedal, bei 80 Km/h dahinzuckelt, weil es der Tempolimiter so will. Also bleibt es bei Class-AB. Um also etwas mehr Wärme in die Sache hineinzubekommen (ohne Leistungs- und Dynamikverluste), ist deshalb noch etwas mehr »Tuning« erforderlich.
Das etwas zu strenge Klangbild begegnete ich mit der Stufen-Gegenkopplung von der 6AS7G-Anode (Endröhre) zur Kathode der ECC82-Treiberröhre. Im Prinzip funktioniert der Röhrenverstärker auch ohne diese Stufen-Gegenkopplung, es war jedoch ein feiner Unterschied hörbar, wenn diese Kopplungsglieder eingesetzt wurden. Auch die Stabilität der Schaltung gewann dadurch. Wie gesagt: der Unterschied ist feiner Natur und lässt sich wunderbar anhand Apocalypticas »Farewell« nachvollziehen.
Gemäss des symmetrischen Konzepts wird diese ebenfalls symmetrisch ausgeführt. Man sollte sich Zeit nehmen und mit diversen Werten herumspielen, denn wie in der Medizin auch, macht die Dosis das Gift. Gerade, wenn Übertrager verwendet werden, die eigentlich nicht für diesen Verstärker bzw. Endröhre gedacht sind, kann diese Gegenkopplung noch einiges retten. Eventuell probiert man es auch mit einem geeigneten Widerstand dem ein kleiner Kondensator in der Grössenordnung von 10 bis 47pF parallel geschaltet wird. Der in Serie geschaltete Gegenkopplungs-Kondensator entfällt dann natürlich.
Update: 6AS7G-Röhrenverstärker (2007)
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