Technisch gesehen ist die Bauteilqualität in der Welle im grossen und ganzen als ordentlich zu bezeichnen (gemessen an dem, was damit erzielt wird). Die Elkos zur Siebung der Gleichspannung sind durchweg vernünftig gewählt, in der Spannungsfestigkeit sogar hoffnungslos überdimensioniert. Die Widerstände sind handelsübliche (aber gute) Kohleschichtwiderstände, leider aber etwas unterdimensioniert. Die Gleichrichterdioden sind alte Bekannte aus der Wald-und-Wiesen Fraktion die einfach ihren Job machen ohne überfordert zu werden. Der Netzschalter ist dagegen leider (und wie üblich) ein einpoliger Spielzeugschalter mit den bekannten Nachteilen (Knackser im Lautsprecher beim Ausschalten). Das die Schaltungsmasse über das Chassis zur Schutzerde verläuft ist dagegen ein kleiner Fauxpas. Durch die direkte Erdung ist eine Brummschleife nicht unmöglich.
Den Schaltplan liefern die Leute von Antique Sound Lab ja netterweise gleich mit, so das sich das Reverse Engineering erübrigt (Zeit gespart). Vorsichtshalber wird der Plan jedoch anhand der Hardware überprüft. Diese Arbeit kann man sich aber sparen, wie sich in meinem Falle im nachhinein herausstellte. Trotzdem ist eine kurze Verifikation ratsam. Man weiss ja nie…
6L6 vs. KT66?
Die an einigen Stellen genannte Klangverschlimmbesserung durch den Einsatz von zwei KT66 darf man übrigens getrost vergessen. Die Röhren 6L6 und KT66 sind noch nicht einmal als Geschwister zu bezeichnen: während sich die Röhren 6L6 die 6,3V Heizspannung mit 0,9A 'reinpfeift, benötigt die KT66 zur Erreichung des richtigen thermischen Grundzustandes 1,3A. Bei zwei Röhren wären das satte 0,8A die der Netztrafo an Mehr liefern müsste. Tut er aber nicht. Soviel Leistungsreserven gibt es selbst bei europäischen Netztrafo-Herstellern nicht. Zumindest nicht freiwillig. Also? Da die KT66-Röhren nicht richtig aufgeheizt werden, gibts keine richtige Elektronenwanderung. Und die ist, wie wir alle wissen (sollten), für ein richtiges Funktionieren der Röhre unabdingbar.
Dazu kommen noch so Nebensächlichkeiten wie ein total falscher Raa des Übertragers und Ruheströme, bei der die KT66 überhaupt nicht warm wird. In einer ähnlichen Schaltungsumgebung verlangt die KT66 schlichtweg fast das doppelte an Ruhestrom (auf eine Röhre bezogen), als es in der AV25-Schaltung überhaupt möglich ist: etwa 65mA für eine KT66 stehen 35mA für die 6L6 gegenüber. Zwischen diesen beiden Röhren liegen also Welten. Fazit: sparen Sie sich das Geld für sauteure KT66.
Wenn man also will, dass die AV25 tatsächlich die dicke Welle machen sollen, muss man an den Unterbau, sprich der Schaltung, heran. Auf geht's.
Was aber nicht geht…
Anhand des Photos kann man Abmessungen, mit denen wir hier hantieren, erahnen. Um einen möglichst günstigen S/N (Signal / Noise) Verhältnis zu bekommen bzw. um ihn nicht zu verschlechtern, bei gleichzeitig zu erreichenden emotionshaften Klang sind, in ihrer Abmessung, überdimensionierte Bauteile ein absolutes No-Way. Jedes überflüssige Zentimeterchen Anschlussdraht ist konsequent zu vermeiden. Induktionsanfällige dicke Widerstände oder Kondensatoren sind ebenfalls iii-bah. Das ist der Tribut, der zu zahlen ist. Den sollte man aber freiwillig zahlen. Yes, Sir.
Der oftmals heiss gehandelte, mittlerweile 08/15-Tipp, Zinnfolie als Koppelkondensatoren einzusetzen, ist hier erstens aus Platzgründen gar nicht möglich und zweitens ist das klangliche Ergebnis alles andere als berauschend. Ein Versuch mit diesen Kondensatoren brachte als Ergebnis nur eins: Falsch! Dasselbe Ergebnis erzielt man auch mit Öl-Papier Kondensatoren. Der Einsatz von Metall- oder Kohlewiderständen in Monokultur ist auch nicht der Bringer. Dann hätte man ja alles so lassen können, wie es ist. Und das wollten wir ja eben nicht. No, Sir.
Zunächst der Schaltplan, der exakt dem Original entspricht. Aus Reproduktionsgründen aber neu gezeichnet wurde.
|