Wie schon an anderen Stellen mehrfach erwähnt, sind die nun folgenden Massnahmen als Gesamtheit zu sehen und hier nur für die AV25 gültig. Das herauspicken einzelner Massnahmen führt garantiert nicht zum gewünschten Ergebnis. Wer es selber versuchen möchte benötigt auf jedenfall ein gutes Widerstands- und Kondensatorensortiment jeglicher Coleur, Signalgenerator und Oszilloskop.
Koppelkondensatoren
Wie im Schaltbild ersichtlich, beherbergt ein AV25-Monoblock lediglich zwei Koppelkondensatoren, die zudem (je nach Gerät) »etwas merkwürdig« eingebaut wurden. Das Auslöten des wuchtigen metallisierten Polypropylen Kondensators ging ja noch recht fix vonstatten. Das Finden der korrekten Ersatzkapazität in korrekter Dimensionierung erwies sich dagegen etwas langwieriger. Anmerkung: das andere AV25-Pärchen wies einen anderen Kondensatortyp auf, der (was nicht passt, wird passend gemacht) liegend eingebaut wurde.
Man hätte es ja bei der Grundkapazität von 220nF lassen können. Aber so recht kam der Amp damit nicht in die Puschen. Oben herum fehlte etwas (wie sich irgendwann hinterher herausstellte). Nun kann man von parallel geschalteten Kapazitäten halten was man will, aber hier sorgt ein 5%-toleranter Polypropylenfolien-Kondensator in Teamwork mit kleinen Styroflex-Kapazitäten für mehr klangliches Detailreichtum.
Widerstände
Wie auch schon bei den Koppelkondensatoren, wird auch bei den Widerständen auf einen gesunden Materialmix gesetzt. Widerstände, die sich direkt dem NF-Signal beschäftigen, werden hier durch Carbon-Composit Widerstände gebildet, die Malocher (Arbeitswiderstände) dagegen durch 1 bzw. 2 Watt Metalloxyd. Im Bereich der negativen Vorspannung (konzeptionell im übrigen von Musikverstärker abgeschaut) bleiben dagegen die Kohleschichtwiderstände (0,5W) erhalten. Die Kathodenwiderstände der 6L6 und der 100Ω 3W Siebwiderstand (der dicke weisse Zementbunker oben im Bild) im Netzteil werden hingegen durch, nicht ganz billige Carbon-Keramik Widerstände gebildet. Die engtolerierten Carbon-Keramik und Metalloxyd-Widerstände sorgen für wesentlich mehr Stabilität und geringeres Rauschen, während Carbon-Composit etwas an der Klangschraube dreht. Ein Röhrenverstärker soll schliesslich auch nach Röhre klingen.
Gegenkopplung
Warum man einen Push-Pull Röhrenverstärker wie den AV25 deart an die Kandare nehmen muss, ist mir ein Rätsel. So etwas ist, aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll, hat jedoch nichts mit liebevoller Feinabstimmung zu tun. Gemeint ist hier die obligatorische Über-alles-Gegenkopplung, in Form von 10 KiloOhm und satten 150 Picofarad, die vom 8Ω-Anschluss des Übertragers auf die, durch einen Widerstand »geschützte«, Kathode der Eingangsröhre marschiert.
Dabei sind die AV25 doch schon einigermassen stabil. Da schwingt nichts, was man mit einer solchen straffen Gegenkopplung stabilisieren müsste. Abgesehen davon, dass eine solche Gegenkopplung sowieso immer zu spät kommt. Anders ausgedrückt: die Signalkorrektur korrigiert das falsche (Eingangs-) Signal, weil das zu korrigierende (Ausgangs-) Signal bereits am Lautsprecher ist. Warum dann diese straffe Gegenkopplung? Nach dazu so stark Frequenzabhängig? Anzunehmen ist, dass man damit die Neigung der 6L6-Röhren zu den spitzen Höhen nehmen wollte. »Schit wat drup«, wie der Hamburger sagt und schmeissen den ganzen Gegenkopplungs-Plunder heraus, der den Verstärker so klingen lässt, wie ein eingeschlafenes Raucherbein.
Der Gegenkopplungswiderstand wird nach einigen Versuchen (Mess- und Hörtechnisch) auf etwas weniger als das Doppelte des ursprünglichen Wertes gewählt. Keine Gegenkopplung ist hier genauso falsch, wie eine zu straffe Gegenkopplung. Damit spielt der Verstärker schon mal wesentlich freier auf. Oben und unten herum zeigen die AV25 nun, was sie leisten könnten: deutlich ist nun zu hören, wie Jackson Browne's Drummer in den ersten 15 Sekunden bei »Running on Empty« auf die Snare und Toms draufdrischt. War es vorher nur ein einziger Soundbrei bei dem sich Snare und Tom-Toms nicht unterschieden, sind die nun die unterschiedlichen Schlaginstrumente hörbar. Wer das nicht hört, ist blind. Auch der besondere Charme einer akustischen Gitarre ist wahrnehmbar.
Aber…
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