Nur damit keine falsche Hoffnung entsteht: die Chance heute einen echten Dynakit- Verstärker oder gar Original-Bausatz zu bekommen ist fast so gross, wie der Sechser im Lotto nebst richtiger Zusatzzahl. Das, was man heute bekommt, sind entweder gut gemachte Replikas aus Amerika (mit Gleichrichterröhre) oder schlechte Kopien aus China (ohne Gleichrichterröhre).
Dynakit bzw. Dynaco war früher in den USA in etwa das, was damals bei uns in Deutschland Radio RIM war. Ein direktes Konkurrenzangebot zu Dynaco (bzw. Dynakit) waren die Bausätze der (ebenfalls) amerikanischen Firma Heathkit. Heathkit war auch in Deutschland populär. Alle Firmen haben jedoch eins gemeinsam: bis in die 1980'er-Jahre hinein sorgten diese Firmen immer für Nachschub bei den Hobby-Elektronikern. Heute existieren nur noch ihre Namen.
Während Dynaco mit dem Dynakit-Ableger ganz auf den Hobbyisten setzte, gelang es Heathkit, auch die »erwachsenen« Radio- und Fernsehtechniker zu begeistern. So manches Heathkit-Messgerät fand den Weg in die Werkstätten. Heathkit war aber auch (oder ganz besonders) beliebt bei den Funkamateuren. Heathkit entwickelte aber nicht nur - die Techniker kupferten auch gerne Erfolgsmodelle ihrer Mitbewerber ab. Und je nach Kostenaufwand wurde das Vorbild entweder abgespeckt oder aufgewertet. Ein ansonsten baugleicher Dynakit-Röhrenverstärker wurde z.B. von Heathkit mit einem einstellbaren Dämpfungsfaktor und »weiteren Nettigkeiten aufgehübscht« vertrieben (AA-121 oder W-7M).
Irgendwann nun war die grosse Zeit des Selbstbaus vorbei. Dynakit (Dynaco) machte dabei als erstes die Grätsche und verschwand vom Markt. Radio RIM und Heathkit folgten nur wenig später. Was blieb, waren einige mehr oder minder legendäre Erfolgsbausätze. Im Falle von Dynakit war es eben der ST70 mit 4x EL34 (den es auch in den unterschied- lichsten Ausprägungen, u.a. als Monoblock MK-II, gab) und der Monoblock Mark III mit 2x KT88.
Einen (gut nachgemachten) Dynakit ST70-Röhrenverstärker erkennt man daran, dass das Chassis oben einen aufgeschraubten viereckigen Metalldeckel beinhaltet (bis etwa 1997 auch aus China u.a. als Brand »McFarlow« erhältlich) und eben eine Gleichrichterröhre. Wie auf dem obigen Bild ersichtlich, beherbergt die darunter befindliche Platine die Vorstufenelektronik nebst Röhren sowie einige Bauteile des Netzteils und eigentlicher Endstufe.
Übrigens: Original Dynakit-Chassis waren weder schwarz noch verchromt. Das Chassis besass eher den Charme einer Hinterhof-Metallwerkstatt. Die schwarze Farbe kam erst später (vermutlich aus China) und noch später das verchromte Chassis (Amerika).
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