Für Bastler ist, wie gesagt, der Dynavox VR70(E), ein Schnäppchen. Für dieses Geld bekommt man hierzulande keine einigermassen brauchbaren Trafos (Netztrafo und Übertrager), schwarz gepulvertes Chassis samt Ausbrüche und eine einigermassen gescheite Platine. Dazu kommen, quasi als Dreingabe, noch Röhren die zumindest im Versuchsstadium gut ihre Dienste verrichten können. Das war es aber auch schon. Der Rest ist für den anspruchsvollen Röhrenverstärker-Liebhaber ohne Schmerzen verzichtbar.
Was von den Trafos (insbesondere des Netztrafos) zu halten ist, erkläre ich weiter unten und es wird dann auch deutlich, warum der China-Röhrenverstärker nichts mit HighEnd zu tun hat.
Wer also seinen Dynavox VR70(E) aufmotzen, sprich tunen, will, der muss sich zunächst ans Reverse Engineering begeben, denn die im Netz dargestellten Pläne orientieren sich oftmals an einem Dynakit ST70 Verstärker (welches prinzipiell zwar der gleiche Plan ist, sich aber im Detail - u.a. Vorstufenröhre - unterscheidet). Verschiedene Schaltpläne.
Wer den Dynavox-Verstärker freiverdrahtet neu aufbauen will (was wirklich gar nicht so schwierig ist, wenn man bereit ist, auch kleinere mechanische Arbeiten auszuführen), der kann sich diese Arbeit natürlich sparen, ansonsten gilt es natürlich, den Leiterbahnen- verlauf und den Bauteilwerten auf die Spur zu kommen.
Ein grosser Schwachpunkt ist das Netzteil dieses Röhrenverstärkers (das war aber auch schon zu Dynakit-Zeiten so). Es muss, wenn man es einigermassen vernünftig machen will, komplett entkernt und von Grund auf neu aufgebaut werden. Eine (gerundet) 240µF Gesamt-Siebkapazität sind doch etwas zuwenig für eine Stereoendstufe mit aufgerundeten 35W (einige technische Angaben sind hier allzu optimistisch und nennen gar 40 oder gar 45 Watt) je Kanal.
Das soll nun nicht heissen, dass der Dynavox mit dem Original-Netztrafo und dem Netzteil tatsächlich 30W (oder gar 35W) erzielen kann! Maximal möglich sind verzerrungsfreie 25W bei einem Frequenzgang von 35Hz bis etwa 30kHz. Mehr ist ohne nennenswerte Abschwächung gerade im unteren Frequenzbereich oder den Carlos Santana Gitarrensound nicht drin. Das liegt zum einen an den Ausgangsübertragern, zum anderen am Netztrafo, der die geforderte Leistung für die angegebenen 35W einfach nicht bereitstellen will bzw. kann und nicht zuletzt am Netzteil selber. Ein satter 20Hz Bass- impuls, mit maximale Leistung durch die Röhren gejagt, zeigt sehr schnell die Schwächen dieses Verstärkers. Dann ist da noch der Netzteilbereich um die negative Vorspannung und die Heizung für die Röhren selber.
Die Chinesen können wirklich billig produzieren, aber zaubern können sie nicht. Ein herkömmlicher M102a Netztrafo aus deutschen Landen erscheint gegen den Dynavox-Trafo mickrig. Doch was ist von einem Netztrafo zu halten, der bei einer Laständerung mit der Spannung einbricht? Oder die Heizspannung nicht einhält? Ursache hierfür ist das Eisen drumherum welches zwar für einen Märklin-Baukasten geeignet ist, aber nicht für einen ernstzunehmenden Netztrafo. Von Vakuumtränkung hat man in China auch nichts gehört. Die einzelnen Bleche des Trafos werden einzig und allein durch die schwarze Farbe zusammengehalten! Billiges Blech findet man auch bei den Übertragern.
Es stellt sich daher die Frage, wie einige HiFi-Boulevardblättchen (Stereoplay, Klang & Ton) diesen Verstärker ein gutes Testergebnis bescheinigen können und den Dynavox gar als Referenz zu Testzwecken aufwerten. Und das, wo doch gerade diese Redakteure über ein ausgeprägtes Hörvermögen verfügen die jeden Silber-Kondensator und Kabel mit Laufrichtungsanzeige heraushören können.
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