Doch zurück zu den Röhren. Der Dynavox TPR1 verfügt neben den üblichen Hochpegel-Eingängen auch über zwei Ausgängen: »Ausgang A« für das normale verstärkte NF-Signal und einen sog. »Ausgang F«, der das Signal sehr niederohmig stellt (genauer: stellen soll). Den Tape-Ausgang erkläre ich für Nicht-Existent, weil in dieser Form schlichtweg Quatsch. Wofür die Bezeichnung A und F steht, weiss ich wirklich nicht.
Das kommt davon, wenn man sich nicht eine Schaltung nicht ganz genau anschaut: Das der »Ausgang F« das Signal invertiert, ist natürlich Blödsinn. Diejenigen die diesen Irrtum aufgessesen sind, sind allerdings zahlreich, so dass ich mich nicht zu schämen brauche (siehe Beschreibung in Hören mit Röhren). Also, nochmals ganz deutlich: die Phasenlage beider Ausgänge sind exakt gleich. Die Verstärkung dieser »F-Stufe« ist dabei relativ unbedeutend, also fast oder gleich Null. Aber bleiben wir erst einmal beim eigentlichen Vorverstärker. Die dritte Stufe (V3), also der Kathodenfolger (Anodenbasis), lasse ich bei dem Umbau zunächst aussen vor. Erst muss der eigentliche Vorverstärker (V1 und V2) funktionieren.
Als erste Massnahme werden meine Lieblinge (die Widerstände) durch Metall- bzw. Carbon-Composit Widerstände ersetzt und besonders da, wo es wichtig ist, überdimensioniert. Zumindest von diesen Widerständen droht kein Rauschen mehr, denn das ist für diese Schaltung typisch und ein bekannter Knackpunkt: durch den Einsatz von minderwertigen Bauteilen erhält man keinen hochwertigen Röhrenvorverstärker sondern einen luxuriösen Rauschgenerator. Exakter Aufbau und qualitativ hochwertige (rauscharme) Bauelemente sind daher ein absolutes Muss. Das Überdimensionieren von Widerständen ist daher gewollt. An einigen Stellen aber lasse ich die Finger von Metall und setze bewusst (wie zuvor erwähnt) auf Carbon-Composit. Da das Alps-Poti mehr Platz benötigt, musste ein Anodenwiderstand seinen angestammten Platz verlassen und umziehen.
Der Ausgangskondensator von Ausgang A (1µF) ist standardmässig mit lediglich 20kΩ belastet. Das erscheint mir irgendwie suspekt und klingt auch so. Denn das, was da am Vorverstärker-Ausgang angeschlossen wird, gewinnt eine viel zu grosse Bedeutung. Rein rechnerisch erzielen wir standardmässig eine fu (untere Grenzfrequenz) von knapp 8Hz. Wenn jedoch noch eine Endstufe mit einem typischen Ri von 47kΩ angeschlossen wird, ändert sich der fu auf 11Hz, eine Endstufe mit Ri von 10kΩ (auch nicht so atypisch) führt dann zu einem fu von über 20Hz. Autsch.
Die seriell liegenden Kapazitäten und Widerstände die durch Verbindungskabel, Kontaktübergänge der Cinchstecker /-buchsen entstehen, sind in dieser einfachen Rechnung noch gar nicht berücksichtigt. Jedes Zentimeterchen Kabellänge wirkt sich hier wirklich verherrend aus. Wer Kabelklang hören will, kann dies prima am Dynavox TPR1 ausprobieren. Hier ist Tür und Tor für Kabel-Voodoo geöffnet. Also?…
… geben wir dem Voodoo einfach keine Chance. Damit die angeschlossene Last also keine Rolle mehr spielt, wird der Ausgangskondensator für den »Ausgang A« verdoppelt. Zinnfolie muss nicht sein, 630V Spannungsfestikeit auch nicht, dafür werden gute und vor allem engtolerierte KP-Kondensatoren mit 400V Spannungsfestigkeit eingesetzt. Und zwar zweimal 1µF parallel und um Himmels Willen bloss keinen einzelnen Kondensator. Damit diese Kapazitäten noch hinreichend schnell dem Signal folgen können, leistet ein kleiner Styroflex-Kondensator, ebenfalls parallel geschaltet, Schützenhilfe. Den Abschlusswiderstand dimensioniere ich mit gleich mit 1MΩ. Lass doch an Endstufe kommen, was will.
Da bewusste Lautsprecher-Zeitschrift die 5670 (respektive 2C51) als ultimative High-End Röhre empfohlen hat (warum weiss ich nicht, da die 6N3-Röhre ja nicht besser oder schlechter ist als die 5670, die 6N3 kann sogar noch etwas mehr mA vertragen), ist der TPR1 eben mit diesen Röhrchen hier eingetroffen. Mit den Original-Widerständen bzw. deren Metall-Äquavilent (also ohne Umbau) ergab sich ein Ruhestrom je Triodensystem von lediglich 2mA. Laut Datenblatt sollte das Röhrchen 5670 (oder auch die 6N3) aber mit etwa 8mA arbeiten dürfen. Die armen Röhren - noch nicht einmal arbeiten dürfen sie. Zumal ergab sich beim Messen der Spannungen, dass für den eigentliche Vorverstärker fast 150V durch Widerstände sprichwörtlich vernichtet werden. Tut das denn Not?
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