Damit also die NOS 5670 von General Electric richtig arbeiten dürfen, musste die Schaltung entsprechend umdimensioniert werden und hier blieb wirklich kein Stein auf dem anderen. Die absurde Vernichtung von Spannung hat jetzt erstens ein Ende und zweitens dürfen die Röhrchen nun mit etwa 6mA das NF-Signal verstärken, was sich natürtlich auch sofort positiv im Klang niederschlägt. Der Versuch, die Röhren voll im Arbeitspunkt laufen zu lassen, war übrigens - aus klanglicher Sicht - nicht ganz so Berauschend.
Bis hierhin war das alles ein Kinderspiel (wenn man von den gegebenen Beschränkungen einer 5670 oder 6N3 absieht). Immerhin: das man nicht so ohne weiteres keine ECC83 (o.ä.) Röhren einsetzen kann, weil das Pin-Layout der Platine nicht passt, ist richtig erkannt worden.
Der »Ausgang A« ist hochohmiger als »Ausgang F«, erlaubt zudem nur (relativ) kurze Cinchkabel zur Endstufe. Das NF-Signal am »Ausgang F« soll niederohmiger zur Verfügung stehen. In der ursprünglichen Version war dies leider nicht gegeben (auf jedenfall nicht so wie gedacht). Auch hier spielte, wie auch schon zuvor am »Ausgang A«, jedwede Kabelkapazität und Endstufen-Widerstand eine (viel zu) grosse Rolle. Um hier die Vorzüge dieses Schaltungsteils ausschöpfen zu können (geringer Ausgangswiderstand, grössere Linearität, geringerer Klirr…) musste auch der Kathodenfolger komplett umgebaut werden.
Leichter gesagt als getan, denn der nachgeschaltete 5670 Kathodenfolger bzw. dessen Dimensionierung erwies sich als ein kleines Trotzköpfchen. Schuld daran sind die gegebenen Beschränkungen der Röhre und so musste eben die Beschaltung zwangsläufig vom üblichen Design abweichen. Der Arbeitspunkt lag ebenfalls bei mageren 2mA und das ist selbst für einen Kathodenfolger viel zu wenig. Schwierigkeiten bereitete auch die Ermittlung der richtigen Koppelkondensatoren die hier in Reihe(!) geschaltet werden, wobei der Mittenabgriff über einen Widerstand an die Kathode der ersten Röhrenstufe gegengekoppelt wird.
Da entgegen dem Original auch an der Anode der zweiten Röhrenstufe das Signal abgegriffen wird und diese ja auch entsprechend belastet, mussten die Werte für die Kondensatoren eben neu ermittelt werden. Die Marantz-Version (seriell geschalteten 0,33µF und 0,02µF) führte zu keinem befriedigenden Ergebnis, die McIntosh-Variante erwies sich hier aber als richtig. Man sollte sich wirklich nicht von den geringen Kapazitäten beeindrucken lassen - es wirkt einfach. Die Dynavox-Bestückung hingegen war »geringfügig« oversized und deshalb auch hier viel zu langsam: zeitliche Differenzen gegenüber »Ausgang A« waren deutlich nachzuweisen. Die Umdimensionierung dieser Stufe ging dabei soweit, dass noch zusätzliche Widerstände eingefügt wurden. Wer jetzt einen wilden Drahtverhau fürchtet: keine Angst, die Leiterbahn hierfür liegt bereits, sie muss nur genutzt werden!
Ein paar Probleme bereitete neben der Arbeitspunkteinstellung auch die allseits beliebte Masse. Während sich die eigentliche Verstärkerstufe sehr gutmütig verhielt, trat im Kathodenfolger nun ein Brummproblem auf sobald der Schleifer des Lautstärkereglers gegen Masse gedreht wurde. Nach längerem Suchen erwies sich dann das dünne Käbelchen, das diese Verbindung herstellte, als Schuldiger. Also 'raus damit und mit einem dicken Kupferdraht die benötigte Masseleitung neu hergestellt. Prompt war das Brummproblem beseitigt. Die Kathodenwiderstände wurden wurden neu dimensioniert, damit auch dieses Röhrchen etwas arbeiten darf. Das BIAS des Kathodenfolgers bewegt sich nun bei schönen 8mA und damit gut im Arbeitspunkt.
Der nächste Punkt war die Gegenkopplung. Der ursprüngliche Wert von 12kΩ ist viel zu straff. Betrachtet man ähnliche Schaltungen, sieht man, dass man an dieser Stelle mit Ohm nicht geizt. Eine Gegenkopplung soll eine Schaltung stabilisieren und nicht als Klangbestimmend wirken. Ich orientierte mich wieder einmal am McIntosh-Schaltplan und lag damit fast richtig. Noch ein paar Kiloohm mehr und auch dieses Thema war erledigt.
Das die beiden Ausgänge des Vorverstärkers ein Bi-Amping erlauben sollen, kann gut gehen, die Chancen das es nicht gut geht, sind höher. Der Anwender sollte es vielmehr so halten, dass er selber entscheiden kann, was aus klanglicher Sicht besser ist und mit welchem Output die Endstufe besser zurecht kommt. Beide Ausgänge sind nun in der Lage, weit über 2V Ausgangsspannung zur Verfügung zu stellen. Der »Ausgang F« ist zudem äusserst tolerant gegenüber lange oder preiswerte Cinchkabel: hier würde auch verdrillter Klingeldraht reichen.
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