Ein grosses Problem ist, dass der Dynavox-Vorverstärker in der ursprünglichen Version arg von dem abhängig ist, was angeschlossen wird. Dieses Problem hatten frühere Geräte kaum: die Impedanzen von Signalquelle und Endstufen war immer irgendwie gleich. Bei der Vielzahl und Qualität heutiger Geräte macht so ein Schaltungsauslegung weniger Sinn, deshalb wurde beim Umbau darauf geachtet, dass Ein- und Ausgang des Vorverstärkers immer definiert sind und die angeschlossenen Geräte sich nicht so sehr auf die Klangqualität des Vorverstärkers auswirken. Die Spannungsverstärkung (Vu) des Vorverstärkers wurde insgesamt etwas zurückgefahren, wir befinden uns schliesslich im Jahre 2008 und nicht mehr in 1960. Dafür gelangt an den Ausgängen nun wesentlich mehr Hub, was auch die schwierigste Endstufe freuen dürfte.
Deutlich ist jetzt zu erkennen, wer bei dem Dynavox Preamp Pate stand: hier die dimensionierte Marantz-Version. Auffällig ist hier, dass das Ausgangssignal nicht direkt an der Kathode abgegriffen wird, was den Ausgangswiderstand aber auch erhöht.
Wer sich übrigens wundert, dass ich kein Ton über das Netzteil bzw. über den Netztrafo verliere, da sei gesagt, dass es hier nichts zu sagen gibt. Der Netztrafo genügt den Ansprüchen vollauf und das Netzteil ist ohne Bombast: eine typische Zweiwegegleichrichtung mit anschliessender CLC-Siebung. Eine elektronische Schaltung für eine gleichgerichtete Röhrenheizung ist zwar vorgesehen, wird aber nicht genutzt. Warum auch? Die Heizung mit Wechselspannung tut der Klangqualität keinen Abbruch.
Fazit: ein Umbau der sich durchaus lohnt. Beachtet man, dass es hierzulande kein Chassis mit Trafo und Drossel für knapp 200 Euro gibt, wäre so ein Vorverstärker eine überdenkenswerte Alternative wenn man sich mit dem Bau eines Preamps beschäftigt. Ob allerdings ein Röhrenwechsel von 6N3 auf 5670 nötig ist oder nicht, soll jeder mit seinem eigenen Geldbeutel ausmachen und sich nicht von einer Hype beeinflussen lassen: auch eine Western Electric 300B kann gruselig klingen - es kommt, man kann es nicht oft genug wiederholen, auf den Unterbau an.
Für die zusätzlichen Kosten braucht man übrigens keinen Kniefall vor dem Kreditsachbearbeiter zu machen. Es lohnt sich: man wird mit erheblich mehr Dynamikumfang, klare Durchzeichnung und eine klangliche Tiefe, die man von diesem Verstärkerchen gar nicht erwartet hätte, belohnt. Am Netzteil habe ich diesmal und ausnahmsweise (wie bereits erwähnt) nichts zu meckern. Und sollten die eingesetzten Elkos sich standardmässig in jedem TPR1 wiederfinden, dann sollten die auch drinbleiben: 105°C Kondensatoren mit langer Lebensdauer. Kann ja nicht alles schlecht sein, was aus China kommt, oder?
PS: Wer allerdings auf einen RIAA-Entzerrer (Phono) angewiesen ist, ist auf eine externe Variante angewiesen. Hier gibt es vielfältige Angebote. Und da der Lötkolben ja noch heiss ist, warum da nicht einen zweiten TPR1 kaufen? Den weidet man dann gewissenhaft aus und baut dann einen Entzerrer ebenfalls nach Marantz-Manier ein. Die paar Bauteile, die noch zusätzlich untergebracht werden müssen, lassen sich bequem einfügen. Nur mit den Originalröhren kommt man dann nicht allzu weit, denn in einem Line-Preamp sind die 6N3 oder 5670 (2C51) wirklich nicht schlecht, reichen aber nicht für eine hohe Verstärkung des Phono-Signals aus. Da muss schon eine Pentode (je Kanal) her oder eben, ganz typisch, eine ECC83 respektive 12AX7.
Schaltplan:
Dynavox TPR1 Röhrenvorverstärker (ca. 14 kB, A4-Format)
Nachtrag: es ist wichtig, dass die Schaltungsmasse eindeutig definiert ist, was auch für den Mittenabgriff der Heizspannung gilt. Die Masse von Chassis-Erdung zur eigentlichen Schaltungsmasse muss durch eine separate Aderleitung (Kupfer, 1,5mm²) hergestellt werden, da es sonst zu Potentialunterschiede kommen kann (vom Erdungspunkt zum Masseanschluss des Potentiometers konnte ein Leitungswiderstand von fast 2Ω festgestellt werden).
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