Der Dynavox Röhrenvorverstärker TPR1 war schon einmal hier. Leider reichte die Zeit damals nur für den Einbau eines guten Alps-Potis, Schmelzsicherung und das Entkoppeln der Schaltungsmasse vom Schutzleiter. Um den Rest wollte ich mich kümmern, wenn Herr R. bereit dazu ist und ihn entbehren kann. Prinzipiell spielte der Vorverstärker ja auch nicht schlecht (ein Hauch von Brumm und Rauschen inklusive) aber auch nicht so, dass es einem vom Hocker reisst. Das ist nun über ein Jahr lang her und zwischenzeitlich bemächtigte sich eine Lautsprecher-Selbstbauzeitschrift, die sich einen guten Ton auf die Fahnen geschrieben haben, dieses Verstärkers und gab sattsam bekannte Umbautipps: andere Röhren und andere Kondensatoren. That's it. Nix mit Arbeitspunktanpassung. Nix mit Sicherung.
Ich bin ja selber nicht fehlerfrei, aber was da jene Lautsprecher-Selbstbauzeitschrift in 6/2007 ablieferte, hat mit Tuning nichts zu tun und ist nur für die, die es nicht besser wissen (wollen) und auf jede Sau herumreiten, die gerade wieder durchs Wohnzimmer gejagt wird. Fehlte bloss noch der Hinweis zu Kabel mit Laufrichtungsanzeige und der kapriziöse Auftritt von Miet-Jungfrauen.
Koppelkondensatoren können den Klang beeinflussen. Richtig. In dieser Form bzw. bei diesem Tuning-Tipp sogar noch mit eingestreutem Brumm, was auch kein Wunder ist, denn erstens waren die Kondensatoren recht gross gewählt (warum 630V Spannungsfestigkeit gewählt wurden, wenn 400V ausnahmesweise völlig ausreichend gewesen wären, will sich mir nicht erschliessen) und zweitens passten diese dadurch einfach nicht mehr recht an ihrem Platz (wie es auch das Photo der Zeitschrift anschaulich darstellte). Die Anschlussdrähte mussten also entsprechend gebogen und gewinkelt werden, damit die Audyn-Caps noch irgendwie hineinpassten. Und da durch diese Anschlussdrähte NF fliesst, diese sich auch noch in räumlicher Nähe zu den Zuleitungen der Röhrenheizung befanden, ist Brumm kein Wunder sondern ein neues Feature. Und ich sach noch…
Das dicke Kondensatoren High-Endig sein sollen, entspringt einer Sage und ist genauso zutreffend wie die Behauptungen von pubertierenden Jünglingen, dass Frauen nur dicke »Joysticks« mögen und sie nur mit dem richtigen Umfang und Länge sich der Wolllüstigkeit ergeben können. Irgendwelche Induktionen (bei den Kondensatoren, meine ich) spielen ja auch gar keine Rolle. Ach woher?
Also schmeissen wir den ganzen Quatsch wieder heraus und machen uns daran, den Plan zu ermitteln (im Bild oben das »630V Zinnfolien Stilleben« und wie ein Kondensator mal eingelötet war - man erkennt die viel zu langen Drahtenden). Prinzipiell ist das einfach, da die billigen Widerstände sich recht leicht identifizieren lassen. Innerhalb von 20 Minuten stand der Plan. Voila.
Kommt irgendwie bekannt vor. Mmmh. Richtig. In meinem Buch »Hören mit Röhren« auf Seite 117 steht das Schema, nebst kurzer Erklärung - angelehnt an eine Marantz-Adaption. McIntosh baute auch so etwas. Und nicht gerade wenige Vorverstärker-Schaltungen beruhen auf dasselbe Prinzip. Also ein alter Hut. Die Beschreibung aber, die Werksseitig (heute) mitgeliefert wurde, ist weniger passend, teilweise sogar falsch (paradoxerweise für den Dynavox Preamp fast schon wieder richtig). Und allein durch den Einsatz von viel zu grossen Kapazitäten wird dieser Line-Preamp so arschlangsam, dass einem schlecht wird.
Also Lötkolben an und alten Marantzplan aus der Kiste gekramt. Für Ruhm und Ehre, denn Kunde R. bringt gerade meinen Telefunken S600 Turntable auf Vordermann. Das kann er. Da habe ich vollstes Vertrauen zu ihm. Wenn Sie zufällig also auch noch so ein altes Schätzchen herumstehen haben, der auf die mechanische Schönheitsfarm gehört - ich kenne da jemanden. Genauer gesagt zwei. Reelle Typen und Analogfreaks - alle beide (von einem dieser Typen habe ich einen guten S600 ergattert und hätte mir diverse Auktionsabenteuer sparen können). Sie glauben gar nicht, wie wichtig das richtige Fett ist - das gibts heute gar nicht mehr…
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