Die gesamten Modifikationen aus der Vogelperspektive. Natürlich ist mehr gemacht worden, als die zuvor beschriebenen Netzteil-Modifikationen. Einige Massnahmen sind essentiell notwendig, andere spielen für das bessere und »stabilere« Klangbild eine Rolle. Das dabei noch die Heizspannung für die EL34 symmetriert wurde, ist, genauso wie die Entsorgung des »Geiz-ist-geil Poti«, kein Geheimnis. Viel Zeit wurde auch darauf verwendet, den »dicken« Koppelkondensatoren das nachladen »schmackhafter« zu machen: kleine, wohldosierte, Parallelkapazitäten sorgen nun dafür, das »Nachschwinger« nicht mehr feststellbar sind.
Nicht Kling sondern Klang
Nach den Modifikationen spielen die Röhren-Monoblöcke nun wesentlich dynamischer und befreiter auf. Hatte man vorher das Gefühl, dass der Verstärker vorher irgendwie schwammig klang und das das Klanggeschehen nicht so recht in die Puschen kam, geht es nun mit brachialer Gewalt zur Sache. Der Bass hat selbst bei einem Frank Fischer Kontur. Die Höhen und Mitten präsentierten sich wie ein Gebirgsbach: kristallklar und rein.
Leider muss man den Übertragern bescheinigen, dass diese bei knapp 19Hz (1W Ausgangs- leistung) schlapp machen. Woher oder worauf sich also die untere Grenzfrequenz (fu) von 15Hz bezieht (Angabe aus dem »technischen Beiblatt«), weiss ich daher nicht, denn die Schaltung an sich geht herunter bis etwa 5Hz (-3dB). Aber was soll's? Das Teil klingt nun so, wie Michaela Schaffrath im Bikini aussieht.
Die vier Originalbestückten EL34 werden mit lediglich 26mA Ruhestrom gefahren. Ein kurzer Test mit JJ's E34L konnte durchaus überzeugen und es liessen sich auch höhere Ruheströme einstellen, was sich schliesslich auch positiv im Klanggeschehen bemerkbar machte. Mit den E34L-Röhren waren übrigens dann auch echte 60W Sinus problemlos erzielbar. So sind es nur 50W (Sinus wohlgemerkt). Auch dieser Röhrenwechsel sollte vorgenommen werden! Den chinesischen EL34 traue ich diesbezüglich nicht allzuviel zu. Auch keine 80W RMS (was in etwa einer Sinus-Leistung von knappen 60W(!) nach DIN entspricht). Mehr wie 60W (Sinus) ist allerdings nicht drin. Dann nämlich streikt der Netztrafo und brummt so vor sich hin (obwohl er das theoretisch schaffen sollte).
Fazit: ein Röhrenverstärker dem beste Voraussetzung in die Wiege gelegt worden ist aber noch erzogen werden muss. Erst dann kommt dieses Gefühl auf, wo man sich endgültig dem Röhren-HiFi verschreibt.
Epilog
Am 3. April und noch vor Veröffentlichung dieses Artikels habe ich wegen der offensichtlichen Fehlkonstruktion mit dem deutschen Vertrieb bzw. Importeur telefoniert und ihn auf diesen Umstand hingewiesen. Dort erwies man sich äusserst kooperativ. Allein das ist anerkenneswert! Ich habe z.B. erfahren, dass es wohl mehrere (unterschiedliche) Verstärker-Chargen gibt, die, technisch gesehen, nicht gleich sein müssen. Man versprach mir, dies näher zu eruieren (was wohl auch geschehen ist). Es folgten noch Gespräche am 17. April und am 23. April. Über den genauen Gesprächsverlauf ist stillschweigen vereinbart worden. Den für mein Verstärkermodell geltenden Schaltplan stellte ich dem Vertrieb zur Verfügung.
Wer sich also nicht sicher ist, ob sein VR80-Röhrenverstärker zu der »fehlerbehafteten Charge« gehört, sollte dies überprüfen lassen. Bei »meinem« Modell beschlich mich zudem das Gefühl, als ob irgend jemand anders darin herumgelötet und Bauteile eingefügt hatte (gut gemeint, aber falsch dimensioniert), die man bei Verstärkern »von denen« eigentlich nicht kennt bzw. erwartet. Für diese Annahme spricht auch, dass an einigen Stellen normales Lötzinn verwendet wurde. Auf dem Photo (Innenleben eines nicht modifizierten VR80) auf der vorherigen Seite fehlen nämlich diese Bauteile.
Bezüglich des Stereoplay-Artikels »Doppel-Spass« (9/2006) muss man sagen, dass auf 3 Seiten viele grosse Photos und dazwischen noch mehr BlahBlah (Monoblöcken eine gewisse Räumlichkeit zu unterstellen ist nun wahrlich keine Kunst) dargestellt sind. Wenigstens tragen die nicht-formierten Elkos keine Schuld an den technischen »Unzulänglichkeiten« die eindeutig vorhanden sind (zumindest bei dem Modell, was ich hier hatte).
Ostern 2007: Dynavox VR80 und die Nubert-Lautsprecher.
Schaltplan:
Dynavox VR80 Röhrenverstärker-Monoblock (ca. 40 kB, A3-Format)
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