Die verstärkende E88CC kann sich übrigens zickig verhalten. Trotz ihres guten Rufs. Damit sie nicht auf krumme Gedanken kommt und wild auf Hochfrequenz herumschwingt, bekommt sie ein stabiles Arbeitsumfeld spendiert. Ein Gittervorwiderstand (Gridstopper) und ein definierter Gitterwiderstand gegen Masse sollen es richten. Eingangsseitig wird die die ganze Geschichte über einen MKT-Kondensator entkoppelt.
Klanglich hat der Verstärker nun erheblich an Kontur zugelegt. Wären da nicht die Höhen die für kräftiges Flirren in den Gehörgängen sorgen. Nein, so richtig macht das noch keinen Spass. Auch die denzente Erhöhung des Gegenkopplungskondensators um einige Picofarad bringt kaum Besserung. Liegt es etwa an den Röhren?
Salz und Pfeffer
Einen Versuche starte ich noch und greife in die Williamson-Trickkiste. Mit Salz in Form eines Allen Bradly Carbon Composit Widerstandes und Pfeffer in Gestalt eines Glimmerkondensators wird vorsichtig ein dezentes Lag-Netzwerk nachgewürzt. Schon besser - trotz der immer noch vorhandenen Höhenlastigkeit. Nun könnte man ja hingehen und soviel Salz und Pfeffer in die Suppe schmeissen, bis es klanglich passt - doch wie Paracelsus schon wusste: Die Dosis macht das Gift. Bleiben also nur noch die Röhren.
Röhrenklang: 6L6GC vs. 6L6GC
Bestückt ist dieser Verstärker mit chinesischen 6L6GC-Röhren. Bereits in der Vergangenheit konnte ich klangliche Unterschiede zwischen JJ 6L6GC und Sovtek-Röhren ausmachen. Sollte das hier etwa auch die Ursache für das Zuviel an Höhen sein? Versuch macht kluch und so wird der Verstärker mit 5881 WXT (6L6GC aus dem Military-Discount) Röhren aus der Sovtek-Schmiede bestückt. Benötigten die China-6L6GC noch satte 45mA Ruhestrom um überhaupt in die Puschen zu kommen, darf es bei den Russen auch weniger sein (so zwischen 30 und 35mA sind ganz ordentlich). Das entlastet auch das Netzteil etwas. Siehe da - man höre und staune: Auf einmal ist das Klangbild ausgewogen.
Halt! Da war doch noch was…
Ach ja. Die Sache mit der Masse. Wie erwähnt, wurde die Massführung ganz zum Schluss geändert. Die Masse der Endröhren wurde zwar vorher schon geändert, nicht aber die Masseführung im Vorstufenbereich. Trotz positiver Tendenzen klang der Verstärker nicht so, wie erwartet. Ist ja nicht der erste Verstärker, den ich hier auf der Werkbank stehen hatte. Erst die geänderte Masseführung im Vorstufenbereich brachte dann das angedachte Ergebnis. Hatte man vorher den Eindruck, dass der Verstärker immer noch etwas behäbig klang, änderte sich dies mit der komplett(!) neuen Masseführung schlagartig. Und - rein subjektiv gesehen - war nun auch mehr »Power drin«. Bereits ab Potistellung Zehn-Null-Null liessen aus dem »süssen kleinen Verstärkerchen« einen »sensiblen Muskelprotz« werden. Knappe 20 Watt? Lächerlich!
Und weil ja gerade die Oscar-Verleihung war, soll Erich Kunzel mit seinem Cincinnati Pops Orchestra zeigen, was der Sino VT so kann. Und der Sino kann etwas - wenn man ihn lässt. Ob es nun die Titelmelodie von Bond (»James. James Bond.«) ist, der Kracher aus Tschaikowskis 1812-Overtüre oder diverse Western-Medleys - stets hatte man das Gefühl, als würden die Cincinnati Pops ein Privatkonzert geben. Wie fein der Sino jedoch arbeiten kann, zeigt sich an der Titelmelodie von »Once upon a time in the West« von Ennio Morricone: Trotz der doch betagten Aufnahme sollte man das Orchester akustisch sehen können! Wie zum Beispiel die Streicher den Bogen ansetzen, das Cello in Spielposition gerückt wird, das klappern der Ventile der Blechbläser und natürlich auch das leise atmen der Sopranistin.
The Magnificent Seven
1. Spannungsversorgung geändert
2. Siebkapazität verringert, dafür einen dicken MKP als »Ersatz«
3. Widerstandswerte korrigiert
4. Stabiles Arbeitsumfeld für die E88CC
5. dezent mit Salz und Pfeffer nachgewürzt (Lag-Netzwerk)
6. russisches Röhrenquartett aus dem Military-Discount
Introducing:
7. Masseführung komplett geändert
Laudatio
Lieber Herr Hunold,
nachdem ich am Wochenende ein wenig Zeit hatte den Sino in Ruhe zu hören, kann ich Ihnen einen ersten Erfahrungsbericht zukommen lassen. Mein erster Eindruck, der sich im Laufe des Hörens weiter verstärkte, läßt sich in einem Wort zusammenfassen: Fantastisch! Der Verstärker tut genau das, was man von ihm erwartet: Er läßt sich vergessen. Man hört nicht, wie er "klingt" oder was er "macht", sondern einfach nur Musik. [...] so ist er nach dem Tuning um Klassen besser und deutlich reifer geworden - reifer in dem Sinne, dass er sich zurückhält, nicht vordergründig wirkt oder sich aufspielt, sondern einfach der musikalischen Präsenz die Bühne gewährt. Mit meinen kleinen Monitor-Boxen schafft er einen Raum, der weit über den Hörplatz hinausweist. Selbst wenn man aufsteht und im Zimmer herumläuft, hat man den Eindruck, sich in einem musikalischen Raum zu bewegen, ohne gebannt in einem Sweet-Spot sitzen zu müssen. Eine tolle Leistung, mein Kompliment!
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