Dynavox Vincent TAC34 - TAC88 Verstärker Tunen - Röhrenverstärker-Tuning, Verstärkertuning in drei Akten: Über Kondensatoren, Widerstände, Gegenkopplung (3)
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18.05.2012. - 02:55

Röhrenverstärker-Tuning


Verstärkertuning in drei Akten: Über Kondensatoren, Widerstände, Gegenkopplung (3)

11.11.2009


TAC34 modifiziert
modifizierter TAC34 im Überblick

1. Akt: Kondensatoren

Kondensatoren sind ja äusserst beliebt in der Tuningszene. Was man damit alles erreichen kann?! Als Berufspragmatiker beschränke mich auf Bewährtes, nämlich auf gute und vor allem handelsübliche MKP-Koppelkondensatoren ohne Schamanenaufschlag. Irgendwo muss man ja anfangen. Der genaue Blick auf die verbauten 470nF-Trümmer und unter Zuhilfenahme des Taschenrechners liessen Fragen aufkommen: Warum in aller Welt, sind hier 470nF-Kondensatoren verbaut worden? Die untere Grenzfrequenz (fu) liegt damit so tief, dass der Übertrager damit hoffnungslos überfordert ist. Zudem waren diese Monsterkapazitäten mit Schuld daran, dass sich das Klangbild wie eine Überdosis Baldrian anhörte. Konsequenterweise sind diese Bauteile sorgsam entfernt und gegen geringere(!) MKP-Kapazität ausgetauscht worden. Mit diesen »kastrierten« Koppel-Kapazitäten liegt die untere Grenzfrequenz schon einmal im akzeptablen Rahmen. Das muss der Übertrager erst einmal verknusen. Zumindest mit dieser Massnahme hört das stochern im akustischen Nebel auf.

Zusätzlich musste ein Siebelko ersetzt werden, da dieser nicht mehr ganz frisch erschien. Eine kurze messtechnische Kontrolle bestätigte dies, was auch kein Wunder ist, da dieser Kondensator in den ersten Sekunden mit etwas Überspannung zu kämpfen hat. Das macht natürlich kein Billig-Elko lange mit. Also 'raus damit und einen entsprechenden LL-Typen eingesetzt.

Warum aber MKP-Kondensatoren und nicht Zinnfolie? Nun, Zinnfolie gehören nur in Lautsprecher-Frequenzweichen aber keinesfalls in Röhrenverstärker. Zinnfolien-Kondensatoren in Röhrenverstärker haben mit HighEnd genauso viel zu tun, wie Pommes frites mit einem Diät-Programm. Der Grund hierfür ist einfach: Zinnfolien-Kondensatoren sind nicht selbstheilend oder gar Durchschlagsfest.

2. Akt: Widerstände

Die Widerstände (ich krieg Krämpfe, wenn ich zu so etwas Widerstände sagen soll), wurden ebenso gnadenlos ausgemerzt, wie die 470nF-Knüppel. Da, wo Stabilität gefragt ist, wurden Metallfilm und Metalloxyd eingesetzt und da, wo man an der Klangschraube dreht, Carbon Composit. An einer einzigen Stelle wurde, nach längeren Versuchen, ein NOS 2W Carbon Composit eingesetzt, sehr intensiv gehört und für gut befunden. Der Einsatz von reinsten Metall-Widerständen empfiehlt sich übrigens nicht, da sich hiermit der TAC-34 Röhrenverstärker so anhört, wie Suppe ohne Salz schmeckt. Wenn man mit Röhre hört, dann will man schliesslich keinen Transistorklang. Trotzdem wird der Verstärker damit nicht zur Soundmaschine, was viele ja bemängeln, sobald auch nur eine Oktave vom k2-Röhrenklang »verseucht« wird. Da stellt sich sowieso die Frage, warum gerade diese Menschen mit Röhren hören wollen und zwanghaft jedes Prozentpünktchen an k2 und k3 zu eliminieren versuchen. Hat denen noch keiner gesagt, dass Transistorverstärker Nebenwirkungsfrei sind und damit steril? Natürlich hört die Sterilität beim Turntable (Schallplattenspieler) und Lautsprecher auf, denn da wird herumgedoktert, bis man grün und schwarz geworden ist… . Wo war ich? Ach ja.

Das gleichlauftolerante Stereo-Poti wurde nach dem Ausbau in hohem Bogen aus dem Fenster geworfen und statt dessen das obligatorische blau Alps-Poti eingesetzt. Ausserdem sind 100 Kiloohm heute wirklich nicht mehr zeitgemäss - sorgt es doch für eine satte Fehlanpasung aller modernen Signalzulieferer (und damit auch zu einem etwas »merkwürdigem« Klangverhalten). Das kommt davon, wenn man blind Röhrenschaltungen kopiert (oder kopieren lässt). Dem Widerstandswert des Potis wurde deshalb eine Null gestrichen. Dies machte allerdings eine etwas andere Eingangsbeschaltung der 6N3P-Triode erforderlich, damit die Eingangsröhre auch hier satt und zufrieden in ihrem Arbeitspunkt und unbeeinflusst von Potistellung und Eingangsimpedanz, arbeiten kann.

3. Akt: Gegenkopplung

Nein, ausnahmsweise wurde die Gegenkopplung nicht allzusehr geändert. Zumindest vom Widerstandwert her, denn in dieser Schaltungsumgebung war das schon fast ein richtiger Wert. Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Aber eben nur fast. Nach einigen Hörproben bildet sich der (dezent erhöhte) Gegenkopplungs-Widerstand nun aus Carbon-Composit und Metallfilm. Zum Schluss, quasi kurz vor dem Anrichten, ganz fein aromatisiert mit einer kleinen Glimmerchen-Kapazität.

Dieses Glimmerchen, soviel sei jetzt schon verraten, nimmt die Schärfe aus den Höhen, ohne jedoch den Gesamteindruck des Klanges zu verwaschen (was ja bei vielen sinnbefreiten Nachbauten der Fall ist: Sound-Design a la 1950.).



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Letzte Aktualisierung am 09.02.2011 - 06:39
 
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