Nicht das Sie denken, ich wäre faul geworden - aber es fällt nun einmal nicht jeden Tag ein Röhrenverstärker vom Himmel, der fürsorgliche Nachhilfe in Sachen HiFi-Qualität braucht. Abgesehen davon: man hat ja auch noch etwas anderes zu tun, nicht wahr? Nun war es wieder soweit: ein China-Billigverstärker (auch wenn er gar nicht mal so billig aussieht) (Yaqin MC100B) - vom Kunden günstig auf einer online-Handelsplattform ersteigert.
Nachdem der Verstärker nun wohlbehalten beim Kunden eintraf und sich aklimatisieren durfte, wurde er, in Erwartung eines tollen Röhrenklanges, fix angeschlossen und probegehört. Den »matschigen« und undefinierten Klang schob der Kunde zunächst auf falsche Ruhestromwerte und auf verbrauchte oder ungeeignete Röhren. Als selbst mit richtigen Ruheströmen und guten Röhren der Klang sich partout nicht zum Guten wenden wollte, wurde er mir auf die Werkbank gestellt. »Mach mal…«
Das übliche Reverse Engeniering entfiel diesmal, da sich ein Schaltplan bequem im Internet findet. Über die technischen Angaben, mit denen solche Verstärker wie auf einem orientalischen Basar angepriesen werden, wundere ich mich schon längst nicht mehr: diesmal sollten die in Gegentakt arbeitenden KT88 satte 65W bringen, im Triodenmodus immerhin noch 45W. Ja, Sie haben richtig gelesen: der Yaqin bietet seinen Nutzern die Möglichkeit, die KT88 wahlweise im Trioden- oder Pentodenmodus (Ultralineartechnik) schwitzen zu lassen. Nettes Feature. Der Frequenzgang wird dabei pauschal mit 20Hz - 100kHz (±1,5dB) angegeben. Woanders ist der Frequenzgang sogar mit 5Hz bis 80kHz (-2dB) angegeben, was aufgrund der Trafogrösse ebenfalls fragwürdig ist. Dafür sind die RMS-Leistungsangaben ehrlicher: 30W im Triodenmodus und 60W im Pentodenmodus.
Naja. Wie schon hinlänglich bekannt, sind die Leistungswerte wohl eher grosszügig nach oben gerundet und der Frequenzgang irgendwie bei einem halben Watt ausgewürfelt worden. Egal. Für Röhrenverstärker-Einsteiger ist der Yaqin MC100B schon verführerisch: nahezu alle üblichen Signalquellen können angeschlossen werden (Tape, CD/DVD, Tuner). Wahlweise besteht die Möglichkeit, den Yaqin als reine Endstufe laufen zu lassen. Auch das prinzipiell eine gute Idee. Auch nicht zu verachten ist, dass der Yaqin MC100B quasi als Monoblock in einem Gehäuse aufgebaut wurde.
Der erste persönliche Hörtest bestätigte dann genau das, was der Kunde auch schon bemängelt hatte: matschig und gepresster Klang. Irgendwie ein Sound, der mich an die 1970'er Jahre erinnert (nur noch schlimmer): ein Klangbrei ohne wirkliche Höhen und Tiefen. Wer nicht weiss, wie der 1970'er Klang klingt, der sollte sich mal die ersten »Krautrock«-Konserven besorgen. Aber auch alte Genesis-Scheiben tun es. So etwas kann man nur als Nostalgiker gut finden. Ein Gutes hat der Yaqin aber: im Gegensatz zu den Dynavox-Modellen schlägt sich der Trafobrumm nicht bis zu den Lautsprechern durch. Und das ist ja schon einmal was.
Ein Test an verschiedene Lautsprecher zeigte auch sehr schnell, dass der Yaqin am besten mit »preiswerten« Lautsprechern zurecht kommt. Klar, klanglich immer noch unterteste Schiene, es zeigt aber wohin die Reise gehen wird. An den Nubertschen Nubox681 konnte der Yaqin MC100B zu keiner vernünftigen Zusammenarbeit überredet werden. Abgesehen davon: man muss schon ordentlich Leistung zu den Lautsprechern schicken, damit man überhaupt etwas hört. Also, schnell den Röhrenverstärker wieder ausgeschaltet und den Schaltplan studiert.
Eins aber vorweg: die hier beschriebene Modifikation (von Tuning will ich diesmal nicht sprechen) ist das Ergebnis eines langen Tests. Wochenlang wurden Bauelemente aus- und andere eingebaut, getestet und gehört. Allein die Feinabstimmung (die hier nicht besprochen wird) dauerte letztendlich gut eine Woche.
Bei einer geplanten Modifikation muss man sich des weiteren klar darüber sein, wie man den Yaqin betreiben möchte: als Röhren-Vollverstärker oder als reine Röhren-Endstufe. Auch bei der Möglichkeit der Betriebsart (Trioden- / Pentodenmodus) muss man sich einig werden, beides geht nicht. Mein Kunde entschied sich für den Vollverstärker und den Pentodenmodus (ich weiss, dass es sich bei der KT88 genau genommen um eine Beam Power Tetrode handelt, aber lassen wir die Kirche mal im Dorf und bleiben der einfachheithalber bei dem Begriff Pentode).
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