Nachdem der Verstärker geöffnet war, zeigte sich auch die ganze Pracht des recht billigen Innenlebens. Auch von der professionell aussehenden Platine sollte man sich nicht täuschen lassen. Theoretisch sollte man ja alles entsorgen und komplett neu aufbauen - aber das ist, aus verständlichen (nämlich monetären) Gründen, nicht gewünscht. Versuchen wir also aus dem Vorhandenen das Beste zu machen.
Ach ja, irgendwo auf dieser Welt müssen 3W-Kohlewiderstände zum Ausverkaufpreis gehandelt worden sein: an jeder nur passenden und unpassenden Stelle finden sich solch' dicke Dinger. Wie auch schon bei Dynavox VR70 oder VR80 verhalten sich diese Widerstände zudem sehr tolerant. Auch die Siebkondensatoren sind nach dem bekannten Dynavox-Motto eingebaut bzw. dimensioniert worden: wenns nach dem einschalten nicht knallt, dann passt das schon.
Also, wenn nach der Gleichrichtung über 500V anliegen, dann sind 450V-Elkos bzw. 400V-Koppelkondensatoren hoffnungslos unterdimensioniert. Sicher, wenn die Röhren Betriebstemperatur erreicht haben, sackt die Spannung ab, aber bis es soweit ist, vergehen aber einige Sekunden. Das machen selbst die besten Kondensatoren nicht lange mit. Wie bei fast jedem Gebrauchsgut gibt es drei Qualitätsstufen: billig, preiswert, gut. Hier gehören die passiven Bauelemente des Yaqin zur ersten Kategorie - entsprechend werden zunächst alle Siebkondensatoren gegen entsprechende 500V-Typen ersetzt.
Modifikationen Netzteil
Die zwei seriell geschalteten Siebkondensatoren (2x470µF/330V = ca. 230µF/660V) könnten durch einen 330µF/500V-Kondensator ersetzt werden, dann leidet jedoch die Optik »etwas« und so sind diese Kondensatoren gegen bessere Typen mit gleichen Abmassungen ersetzt worden (dies auch aus Sicherheitsgründen!). Zusätzliche 100nF MKS (630V) sowie ein 120µF Elko (500V) sorgen selbst dann noch für Ruhe im Netzteil, wenn die Röhren nicht 100%-tig auf Symmetrie arbeiten (was bei den eingebauten Trimmpotis auch nicht schwierig ist: sobald jemand im Raum lauter hustet, ist der Arbeitspunkt garantiert verstellt). Auch die Gleichrichter für die Hochspannungsversorgung sind ersetzt worden, was gar nicht mal so einfach war, da es sich bei diesen Gleichrichtern um winzige Rund-Brückengleichrichter handelte.
Selbstredend ist der Verstärker nun auch mit Schmelzsicherungen ausgestattet worden.
Die Verstärkermasse(!) ist vom Schutzleiter(!) getrennt worden, wobei das Metallchassis direkt mit dem Schutzleiter verbunden bleibt! Ein kleiner 100Ω-Widerstand vom Schutzleiter an Verstärkermasse wirkt grosse Wunder, falls der Verstärker beim Anschluss eines Tuners (HF-Signal über Gemeinschafts-Antennenanlage) oder beim Einsatz eines Röhrenvorverstärkers brummen sollte. Auch wenn der Einsatz eines weiteren geerdeten Gerätes nicht vorgesehen ist, sollte man diesen Widerstand einsetzen. Man weiss ja nie…
Der einpolige Billig-Netzschalter ist fachgerecht entsorgt worden. An seiner Stelle ist nun ein passender zweipoliger Netzschalter eingebaut. Eventuell auftretende Ausschaltknackser sind mit kleinen Kondensatoren zu begegnen, die am Netzschalter parallel zu den Schaltkontakten gelötet werden.
Um den Einschaltstrom zu begrenzen, sind zusatzlich noch NTC-Widerstände an die Primärseiten des Netztrafos angebracht worden. Hierbei ist darauf zu achten, dass die NTC's von der Umgebungsluft »gekühlt« werden, denn diese Widerstände müssen warm werden, damit sie ihre Aufgabe erfüllen können: im kalten Zustand ein höherer Widerstandswert (etwa 33Ω) als im warmen Zustand.
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