Im eigentlichen Verstärkerbereich sind die dubiosen 3W-Widerstände gegen entsprechende 4W-Metall- bzw. gegen entsprechende Emalliewiderstände ausgetauscht worden. Neben den hochwertigen Siebkondensatoren bildete sich nun eine wesentlichere stabilere Versorgungsspannung heraus. Im Bereich der negativen Vorspannung erhält jede KT88 noch eine kleine Unterstützung in Form von kleinen Siebkapazitäten. Der Siebelko C14 dagegen ist um die Hälfte reduziert worden. Das reicht hier vollkommen aus.
Mit den Ruheströmen der 6SN7GT-Röhren kann man zufrieden sein, nicht aber mit dem Ergebnis, was sie produzieren, denn besonders der Treiber war schlichtweg nicht in der Lage, die KT88 richtig anzusteuern (scheinbar ein Problem aller Reiskocher). Wie auch schon bei anderen chinesischen Verstärker sind hier wohl einige Widerstandswerte einfach ausgewürfelt worden oder man hat sich zu sehr auf irgendwelche Simulationsprogramme verlassen. Übrigens: damit diese Treiberstufe sich nicht allzusehr von tiefen Bassimpulsen beeindrucken lässt, ist der Sieb-Kondensatorwert für C3 auf 47µF (500V) erhöht worden.
Alle arbeitspunktbestimmenden Widerstände der 12AX7 (ECC83), der 6SN7GT und der KT88-Röhren sind gegen gute Metallwiderstände (1W bzw. 2W) ausgetauscht worden. Auch die Schirmgitterwiderstände (R16/R25) der KT88-Röhren sind entsprechend ersetzt und der Umschalter für den Trioden- / Pentodenmodus deaktiviert worden. Das daneben noch alle Kondensatoren die irgendwie im Signalweg liegen gegen gute KP-Typen (630V) getauscht wurden, ist selbstverständlich. Auch der Lautstärkeregler fand den Weg allen irdischen Elektronikschrotts.
Neue Röhren für Yaqin MC100B
Problematisch erwies sich die Qualität der 6SN7GT-Röhren (so etwas hatte ich schon fast erwartet). Die chinesischen Möchtegern-6SN7GT's mussten nach einigem hin und her den Platz räumen. An ihrer Stelle wurden JAN Sylvana 6SN7GT Röhren (NOS) eingesetzt. Mit diesen Röhren hat man zumindest die Gewissheit, dass es sich um »richtige« 6SN7 handelt. Es soll aber auch noch gute Röhren aus neuerer Produktion geben. Aus eigener Erfahrung verlasse ich mich aber auf NOS.
Problematisch auch die KT88-Röhren. Anstatt langwierige und teuere Versuche mit verschiedenen Labels durchzuführen, habe ich hier Original Tesla Röhren (ebenfalls NOS-Qualität) eingesetzt und die Ruheströme exakt darauf abgeglichen (68mA je Röhre). Andere gute Röhren für diese Zwecke wären z.B. KT88 von Mullard, Golden Lion, Sovtek oder JJ. Alternativ kann man es auch gerne einmal mit Sovteks 6550 versuchen. Mit EH (Electro Harmonix) habe ich es nicht so …
Die Originalbestückte 12AX7 hingegen darf noch etwas im Gerät verweilen, da sich keine gravierenden Verbesserungen herausstellten, wenn an ihrer Stelle eine Telefunken, Philips oder JJ eingesteckt wurde. Zum gegebenen Zeitpunkt wird aber auch diese Röhre durch eine andere Type ersetzt werden (ganz einfach deshalb, weil eine ECC83 respektive 12AX7 hier eigentlich nicht gar 'reingehört).
Bis hierhin dienen die Modifikationen eigentlich nur der Betriebssicherheit bzw. dem Umbau zu einem vernünftig dimensionierten und bestückten Röhrenverstärker. Über das Feintuning schweige ich mich aus, denn erstens soll jeder die Erfahrung selber machen und sich von mir aus in Röhrentausch-Orgien ergehen, zweitens geht dieses know-how nicht kostenlos in die Weiten des Internets. Verständlich, oder?
Frischer Klang?
Klanglich präsentierte sich der Röhrenverstärker nun wesentlich dynamischer. Von einem matschigen oder gar gepressten Klang ist keine Spur mehr vorhanden. Die Höhen und Mitten werden sehr exakt wiedergegeben, die Bässe sitzen punktgenau. Als maximale Leistung konnte schlussendlich saubere 55W Sinus in Ultralinear Class AB ermittelt werden. Als Frequenzgang muss man sich mit annährend mit den Mindestanforderungen der alten HiFi-Norm begnügen. Mehr ist ob der Übertragergrösse ganz einfach nicht drin. Nichtsdestotrotz: der Verstärker macht nun Laune und spielt nun so, wie es sich die Konstrukteure nicht erträumt haben.
Der gesamte zusätzliche Modifikations-Aufwand rechnet sich eigentlich nur für Leute, die selber löten können und wissen, was eine Anode und was eine Kathode ist. Wer sich diesen Röhrenverstärker bei diversen Auktionen preiswert schiessen kann (etwa 300 Euro) soll es tun, muss aber immer noch etwa die gleiche Summe an Bauteilen (ohne Röhren) mit einkalkulieren.
Wie bei China-Röhrenverstärker üblich, gibt es den MC100B auch unter anderen Namen. Auch wenn diese Verstärker (egal unter welchen Namen angeboten) einen wertigeren Eindruck macht, ist er ohne die beschriebenen Aufwändungen nicht ohne weiteres High-End tauglich. Dafür stimmt ganz einfach das Schaltungskonzept und die eingesetzten Bauelemente nicht.
Original-Schaltplan ohne Änderungen:
YAQIN MC100B Röhrenverstärker (ca. 195 kB, A4-Format)
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