Weiter im Text.
Widerstände, die mit dem Audiosignal in Berührung kommen, werden durch Carbon Composit gebildet. Ich mag diese Dinger einfach, denn sie sind in der Lage, etwas zu zaubern und dem Klanggeschehen das gewisse Etwas zu geben. Vorausgesetzt natürlich, man weiss mit den Carbon Composits umzugehen. Zuviel von diesen Dingern tut auch nicht gut. Sicher, an den Metallschichtwiderstände gibts nichts auszusetzen, aber richtiges 300B-Feeling kommt damit nicht auf. Carbon Composit ist jetzt auch der Gitterwiderstand der 300B. Grosszügige 1 Watt NOS aus dem Hause Allen Bradley. Mit dem ursprünglichen Widerstandswert war übrigens nichts vernünftiges hinzubekommen.
Mit dem Kathodenwiderstand musste etwas experimentiert werden, um die Trioden-Ladies nicht noch weiter zu quälen. Nach kurzem hin und her wird ein umdimensionierter 50 Watt Aluminium housed eingesetzt der zudem ans Chassis geschraubt (und somit gekühlt) wird. Mit einer gesunden Kapazität wird dieser Widerstand dann gebrückt. Man könnte hier einen dicken MKP nehmen - aus Platz- und Vernunftsgründen allerdings ein No-Do. Und so findet ein Audio-Elko seine neue Wirkungsstätte.
Sofern man keine »Super-300B« einsetzt (was immer das sein soll), ist eine normale 300B (normal ist dabei alles, was sich annährend an das Vorbild von Western Electric orientiert) mit 65mA Ruhestrom ganz gut bedient und kann damit im übrigen ganz locker und lässig zeigen, was in ihr steckt. Auch für die Lebendauer der Gleichrichterröhre ist dieser verringerte Ruhestrom sehr zuträglich. Immerhin werden somit satte 70mA eingespart - was bei Röhrenverstärker dieser Art ja auch kein Kleckerkram ist.
Koppelkondensatoren. Oh ja. Natürlich sind alle Kondensatoren durch Audio-taugliche Standardtypen ersetzt worden. Allerdings verbietet das Rastermaß voluminöse Silber-Gold-Öl-Hastenichtgesehen-Kondensatoren. Geht einfach nicht. Es sei denn, man steht auf wackelige und nicht betriebssichere Konstruktion. Irgendwie kriegt man das schon hin. Sicher. Hauptsache es ist ein Silber-Öl Kondi verbaut, nicht wahr? Nur, wenn es dann mal knallt, ist das Geschrei da. Und an dieser Stelle gleich noch einmal: Zinnfolie hat in einem Röhrenverstärker nichts zu suchen. Abgesehen davon, verfärbt so ein Kondi das Audiosignal nicht unerheblich…
Netzteil. Üblicher und gern gemachter »Fehler« von Leuten, die nicht einsehen wollen, dass eine C-L-C Siebkette (Kondi - Drossel - Kondi) bei Röhrenverstärkern keine Kapazitätsgigantomanie benötigt. Ursprünglich sind hier 400 (in Worten: vierhundert) µF Elkokapazität eingesetzt. Wirklich wahr! Und genauso klingt es auch. Spritzigkeit? Dynamik? Vergessen Sie's. Jedes Zuviel an µF-Kapazität ist mit einer Kapsel Valium vergleichbar. Da nützt es auch nichts, wenn die Elkos mit sündteuren MKP's oder Glimmer gebrückt werden, um diese »schneller« zu machen. Das ist glatter Selbstbetrug der gut zum 300B-Sadismus passt. Also, um es kurz zu machen: Die Hälfte an Elkokapazität muss dran glauben. Parallel zu den verbleibenden Elkos wird allerdings noch ein dicker MKP eingeflanscht und gut ist. Sehr gut sogar. Theoretisch würde hier noch weniger Kapazität reichen. Aber dann hat der White-Kathodenfolger Probleme. Eine stabile Spannung für die Vorstufe ist das Alpha und Omega eines jeden Röhrenverstärkers, der gut werden will.
Thats it. Brumm weg. Knackiger Klang und ein Ruhestrom, bei dem die 300B, ohne Stresspusteln zu bekommen, gut arbeiten kann. So ist das richtig. Auch aus klanglicher Sicht. Na gut, leistungsmäßig mussten Einbußen in Kauf genommen werden, aber wer wird sich bitteschön wegen der 3 Watt streiten (die man so eh nicht hört)? Statt der angegebenen und zweifelhaften (gerundeten) 10W (Herstellerangabe) bleiben nun angestrengte 7 Watt übrig. An richtigen Lautsprechern (also, alles ab 95dB aufwärts) kommt auch damit richtig Leben in die Bude. Und was sagt der Kunde?
Den MusicHall schnell abgestöpselt, Yaqin angeschlossen.
Den üblichen Stapel CD´s zum schnellen Durchhören bereitgelegt und los gings.
Erste Reaktion: »Ach Du Sch...., was ist das denn für ein Verstärker?«
Das Ding ist einfach nicht wieder zu erkennen.
Als erstes ist uns aufgefallen, das der räumliche Aufbau drastisch an Qualität zugelegt hat.
Man ortet die Lautsprecher praktisch nicht mehr (im Gegensatz zu dem kleinen MusicHall-Transistor). Der Yaqin baut eine wunderbare Bühne auf, Stimmen und Instrumente werden wunderbar platziert.
Das Bastanis-System reagiert wirklich sehr empfindlich auf Verstärker und meine Befürchtung, das auch der Yaqin die Höhen überbetont, wurde total Ad Acta gelegt.
Es passt wie die Faust aufs Auge.
Die geringere Leistung in Watt ist nebensächlich, auch hohe und sehr hohe Pegel gehen ab wie die Feuerwehr.
Wir sind nach diesen ersten Eindrücken hochzufrieden, mehr kann man dazu nicht sagen.
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