Spark? MingDa!

Wie dieser Gegentakter nun seinen Weg zu mir fand, ist schneller erzählt:

Gebraucht gekauft, begeistert angeschlossen, entgeistert abgeschaltet und mir kurzerhand auf den Tisch gestellt.
Klang? Eine gute Soundbar unter’m Fernseher klingt bässer.

Watt haben wir?

Bestückt ist dieser Verstärker mit den Röhren ECC83 (12AX7) für beide Kanäle, dann je Kanal zwei ECC82 (12AU7) und ein Pärchen KT88 (Electro Harmonix)

Ursprünglich steckten anstatt KT88 die KT94 in den Oktal-Röhrenfassungen. In den späten 1990’er Jahre, bis tief in die Zweitausender hinein, der Renner der Saison. Bezüglich KT94 oder KT100 (die nahezu identisch gewesen sein sollen) bemüht man sich in gewissen Kreisen um freundliche »Zurückhaltung«. Ich persönlich kenne die KT100 nicht und erst recht nicht die KT94. Also lassen wir das. Also KT88.

Alle anderen Röhren wurden ebenfalls bereits ausgetauscht: Die 12AU7 (ECC82) entpuppt sich als 12AU7A von RCA ohne typischen Getterspiegel und auf der 12AX7 (ECC83) steht (Zitat): »Made in U.S.A. for Wurlitzer by RCA«. Also auch eine RCA-Röhre. So eine ehrliche Bestempelung habe ich selten gesehen.

Das Innenleben zeigt auf den ersten Blick, dass da an mehreren Stellen schon »nachgearbeitet« wurde. Die aufgeklebten axialen Koppelkondensatoren (blau), beispielsweise, zu den Endröhren sind wohl eher nicht Original, aber – insgesamt – korrekt. Was man von der Ko- und Adhäsionskräften des Klebers nicht behaupten kann. Ein Kondensator baumelte sogar schon lustig in der Gegend herum…

tab2-innen1

Auch die Koppelkondensatoren in der Vorstufe sind wohl eher nicht Original. Ich kann mich nicht erinnern, dass frühere »Fernost-Verstärker« diese »Made in France«-Kondensatoren verwendeten. Das riecht nach »Schamanen-Tuning«.

Doch, wenn man eh Kondensatoren ersetzt, da hätte man ja auch gleich den aufgeklebten Elko-Fauxpas beseitigen können (Achten Sie auf den roten Pfeil im obigen Bild). Und im gleichen Zuge hätte man auch dafür sorgen können, dass Bauteile, die für das Vakuum der Endröhren eine Rolle spielen… Egal…

Über den Zartklickchen-Netzschalter (Schaltleistung 3A/250V pro Kontakt) rede ich (noch) nicht. Auch nicht über das Schalterchen (gleicher Machart), mit dem man die Röhren von Ultralinear- in den Triodenmodus ballert. (Das ist typisch MingDa!)

tab2-innen5

Das, was mich da ungemein neugierig werden lässt, ist die »merkwürdige« Beschaltung des Lautstärkereglers… Hm? Spark MingDa hat doch nicht etwa… Es bleibt nichts anderes übrig, als »mal eben« die Schaltung herauszuzeichnen. Das Ergebnis

schaltplan1

Ja, Spark MingDa hat…

… das zumindest gebaut! So sieht es auf jedenfall aus. Ich glaube aber nicht, dass das auf deren Mist gewachsen ist. Aber das ist OEM: »Du willst es, du kriegst es.«

Was zunächst unspektakulär aussieht, ist bei genauer Betrachtung für die HiFi-Praxis »nur bedingt« brauchbar. Technisch versierte Bastler werden sofort über ein paar »Ungereimtheiten« stolpern, die ich hier nur angedeutet habe. Die Realität sieht noch ein bisschen komplizierter aus.

Eine kurze und einfach gehaltene Erläuterung – speziell für technische Laien.

Erster Knackpunkt: Bis das Eingangssignal aufbereitet zur KT88 gelangt, muss es vier Verstärkerstufen durchwandern, wobei eine Stufe (V2b) zur Verstärkung nichts beiträgt. Generell gilt, je mehr Verstärkerstufen, desto höher die Gefahr, dass das Ganze instabil wird. Die eigentliche Verstärkung der einzelnen Verstärkerstufen ist hier eigentlich mau. Stellenweise sehr mau…

Und richtig skeptisch ob der Beschaltung der ersten Verstärkerstufe (V1) darf man bei dem Wert des Gegenkopplungswiderstandes werden. Kein Fake: Satte 330kΩ. Ich hab’s kontrolliert. Fünfmal. Dreihundertdreissig Kiloohm.

Zweiter Knackpunkt: Dieser Aspekt besteht aus zwei Teilen, gehören aber zusammen und sind für das doch sehr »exklusive« Klangbild verantwortlich.

Teil 1: Der Lautstärkeregler (LS) befindet sich nicht direkt am Eingang, sondern »mittendrin« zwischen zwei Verstärkerstufen. Kann man machen. Hat aber mehr Nach- als Vorteile. Zumindest für HiFi.

Man kann es drehen und wenden wie man will – man hat hier einen regelbaren »Filter« der die Tiefen »kastriert«.

Teil 2: Damit es mit den »Tiefen« doch noch einigermaßen wieder hinhaut, gibt ein anderer Filter Nachhilfe in Sachen Bass. Gegen derartiges »Zaubermittel« habe ich nichts, wenn man es wirklich nur homöopathisch dosiert. Mit Homöopathie hat dieses Bass-Doping aber nichts zu tun. Das hier ist genauso toxisch dosiert wie das Sekret des Pfeilgiftfrosches.

Dritter Knackpunkt: Die Verkabelung – genauer die Masseführung. Ganz klammheimlich hat Spark eine Masseschleife eingebaut bzw. einbauen müssen. Erfahrene Bastler erkennen es aus der obigen Skizze sofort. Dazu später mehr.

Da nehmen sich die typischen Fehlerchen, wie die KT88 beschaltet wurden, wirklich harmlos aus. Das läuft hier mittlerweile unter »Ferner liefen…« – ist aber immer der erste Punkt, den ich kontrolliere und in 98% aller Fälle korrigiere.

Schaltungstechnisch scheint das alles tatsächlich Original gewesen zu sein.

Freiverdrahtung a la Spark

So »eigen« der Aufbau an sich auch aussieht, das hält. Da wackelt kaum etwas. Auffällig ist hier jedoch, dass Spark das alte Prinzip der Stufemasse (jede Verstärkerstufe hat seinen eigenen Massebezug) mit dem neuen Prinzip »Masseschiene« kombiniert hatte.

Auch das zieht unweigerlich viel Kabelzeugs nach sich, die dann fest zu einem Kabelstrang »zusammengesetzt« werden…

Und genau diese Masse-Verdrahtung verbirgt diese eine, kleine Falle: Kanalgetrennt verläuft nämlich auch die Signal-Masseleitung vom Eingang, die erst an der ersten Verstärkerstufe »zentralisiert« wird.

Voila: Eine perfekte Masseschleife. Besser geht nicht. Es grenzt an ein Wunder, dass es nicht brummt. Ja, ich gestehe – das nötigt mir Respekt ab, denn ich bekomme so etwas kaum brummfrei hin.

Was tun?

Man kann es sich nun sehr einfach machen und einfach das Poti »versetzen« und einen »ganz falschen« Koppelkondensator sowie das Klanggift entfernen. Das ist aber nichts Halbes und nichts Ganzes. Damit es »vernünftig« wird, muss die Vorstufe umgebaut werden…

Avatar

frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

Kommentare sind geschlossen.