Radio-Musik

Das Radio ist unentbehrlicher Bestandteil für musikalische Hintergrundbeschallung. Oder zur Informationsbeschaffung. Hier in NRW ist man da aber in einer prekären Lage – sofern man »mitten drin« lebt und nicht an den Landesgrenzen. Lebt man nämlich »mitten drin«, lebt man schon seit längerer Zeit in einer musikalischen Zeitschleife. Egal ob es sich dabei um den »Landessender« WDR oder die »private« Konkurrenz »Radio NRW« (nebst deren Regionalprogramme) handelt. Mehr »offizielle« Sender haben wir in NRW nämlich nicht. Irgendwie läuft das hier nicht. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern.

Besonders das WDR2-Musikprogramm ist schon seit längerem derart deutschlastig geworden, dass man morgens, noch ehe man den ersten Kaffee intus hat, bei Grönemeyer, Revolverheld oder Bourani den Drang verspürt, das Radio aus dem Fenster zu schmeissen. Wenn man sich im WDR2-Programm morgens um sechs Uhr einklinkt, dann hat man um acht Uhr das gesamte Musikprogramm und auch die Wortbeiträge des Tages durch. Erst so ab 19:00 Uhr wird es nach Scharping-Manier besser. Langsam. Gaaanz laaangsaaam. Ja gut, ab und an gibt’s auch die härter Gangart und man kann darauf wetten: AC/DC »Highway to Hell«. Bis auf die üblichen Gewinnspiele für Extrem-Doofe läuft es bei Radio NRW ähnlich ab. Nein, nein – weder Radio NRW noch WDR2 sind keine »Deutsch-Discofox-Sender«. Zwischendurch wird genauso oft englischsprachiges gespielt. Vorzugsweise solche Stücke mit »Jammer-Singsang« oder »Bubble-Gum Synthie-Pop«. Wenn man schon keine CD’s mehr verkauft, dann muss die eintausendste Wiederholung der Radiosender für Einnahmen-Ausgleich sorgen. Andersherum wird ein Schuh daraus: Wenn ich eine Musik (»Ist das überhaupt Musik?«) dauernd im Radio höre, warum sollte ich mir die CD kaufen?

Der bisherige Höhepunkt des »Jammer-Suizid-Singsangs« war die neue Titelmusik zu Bond’s »Spectre«. Ich habe es zum ersten Mal während eine Autofahrt gehört und wäre fast von der Fahrbahn abgekommen. Danach habe ich es vielleicht noch zweimal kurz gehört (sofort Radio auf stumm geschaltet). »Skyfall« höre ich neuerdings öfter. »Spectre’s Gejammer« scheint selbst für die Radiosender zuviel des Schlechten zu sein. Dann doch lieber »Skyfall«. Dass Duran Duran, A-Ha, Shirley Bassey oder Tina Turner auch mal »Bond-Musik gemacht« haben, scheint irgendwie abhanden gekommen zu sein.

Ehrlich, manchmal würde ich mir nach zehn Depri-Musikstücken wünschen, wenn ich Frau Fischer oder Frau Berg hören könnte. Allein, um mich vom Sprung in die Tiefe von der Bordsteinkante abzuhalten. Den Hinweis auf WDR1 kann man sich sparen. Den hören noch nicht einmal meine »Blagen«.

Und so weiche ich spätestens nach drei Stunden auf holländische Sender aus. Da hat man nämlich die Traute, auch Musik zu spielen, die nicht Mainstream-tauglich ist. Und so nebenbei schule ich mein Gehör für die holländische Sprache. Wichtige Informationen bekomme ich dort nämlich auch. Kurz. Knapp. Präzise. Wenn auch das nicht mehr geht, ist das »Alsterradio« aus Hamburg eine gute Alternative (die Telefonate mit Gott sind oftmals einfach nur göttlich). Oder auch »Radio Bob« aus Hessen.

Dem klassischen Rundfunk (Funk!) geht die Puste aus. Internet sei Dank. Wenn man Glück hat, findet man »Sender«, die mit 128kB ein durchaus hörenswertes Programm streamen. DAB (mit oder ohne plus) nützt mir gar nichts. Meine Heimatstadt ist extrem schlecht ausgeleuchtet. Wenn es mal funktioniert, bekommt man genau das serviert, was man schon analog nicht mehr hören kann: WDR in allen Variationen und »Radio NRW«. Lediglich »Radio Bob« bildet eine willkommene Abwechslung. Gäbe es das klassische Analog-Radio nicht mehr, ich wäre bei einer Autofahrt aufgeschmissen.

Apropos Holland. Wenn in Holland eine wichtige Verbindungsstrasse komplett gesperrt wird, dann senden die das landesweit (!) auf allen Kanälen. Und zwar in ihrer gewohnt lockeren Art. Kernaussage: »Die Strasse ist zu, bitte nicht auf das Navi hören.«

Und so besitze ich für die Hintergrundbeschallung nur ein kleines Taschenradio. Das reicht. Wenn ich auf Internet-Radio umsteige, reicht mein PC, der an wechselnde Röhrenverstärker, für den ersten Testlauf, angeschlossen wird.

Guten Empfang
wünscht
-Friedrich Hunold-

PS: Der Wunsch nach Helene Fischer oder Andrea Berg ist natürlich nicht wörtlich zu nehmen. Da gibt es meinerseits nämlich eine Patientenverfügung die besagt, dass ich, sobald ich mir freiwillig so etwas antue, von allen Ämtern als »Familienoberhaupt« entbunden werde.

PPS: Der NDR, als norddeutscher »Landesfunk«, hat mit der Einberufung Nominierung des Xavier Naidoo zum ESC (Escape?) auch so einen deutschsprachigen Jammerlappen-Bock geschossen. Wenn Herr Naidoo das Lied »Schwarzbraun ist die Haselnuss« (nur echt mit rrrollenden Heino-R’s) singt, schaue ich mir den ESC kurz an und ESCape dann.

Update zum PPS vom 21.11.2015: Auf das o.g. Lied werde ich wohl verzichten müssen. Heisst: Aufgrund der erheblichen Proteste wurde Herr Naidoo »freigestellt«.

Aha. Das zahlungswillige GEZ-Volk lässt sich also nicht alles gefallen.

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frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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