For Beginners: Safty first

Kinder betet – Vater lötet!

Liegt der Bastler tot im Keller, war die Anodenspannung schneller! Ein paar, durchaus ernst gemeinte, Hinweise zur (eigenen) Sicherheit, wenn man lötenderweise in die Röhrentechnik einsteigt.

Auch wenn Sie nicht basteln, sollten Sie diesen Artikel lesen!

Sicherheit geht vor! Safty first!

Jedes elektrische Gerät sollte so gesichert sein, dass auch ein Technik-DAU das Gerät sicher bedienen kann, ohne das er Bekanntschaft mit der Elektronenwanderung macht. Wenn sich andere Personen im Haushalt partout weigern, den Röhrenverstärker überhaupt einzuschalten, weil ihnen sonst die Haare zu Berge stehen, dann sollte das nachdenklich stimmen.

Das schönste Metallchassis nützt nichts, wenn es nicht geerdet ist. Etwaige Fehlerströme können dann nicht mehr abgeleitet werden und warten dann nur noch darauf, bis Irgendjemand das Chassis berührt. Unter Umständen war es das letztemal, das dieser Jemand etwas berührt hat. Erdung ist also Pflicht!

Besonders die Spezies, die Röhrenmonoblöcke ihr Eigen nennen, neigen dazu, den Schutzleiter »irgendwie« unbrauchbar zu machen, weil durch die beiden Monoblöcke ein Potentialunterschied in der Erdung entsteht und es zu einem Brumm kommt! Das ist schlichtweg Wahnsinnig, Leichtsinnig und idiotisch.
Man kann das Brummen sicherheitskonform beseitigen und kostet auch nicht die Welt: Ein dicker aber relativ niederohmiger Widerstand oder ein noch dickerer Brückengleichrichter zwischen Erde und Schaltungsmasse sind einfach anzubringen und zudem billiger als das eigene Leben. Manchmal hilt es sogar, einfach nur ein gutes Netzkabel und eine gute Steckerleiste zu verwenden!
Beim Customize erlebe ich auch immer wieder, dass ich zwar den internen Schutzleiter (wieder) angeklemmt habe – bei einer Wartung oder einer Nachbesserung der Leiter aber wieder abgeklemmt vorfinde. Bei solchen renitenten Fällen führe ich – und das ist kein Scherz – häufig ein längeres Gespräch mit dem Lebens- oder Ehepartner. In 99% aller Fälle hilft das!

Auch ohne Fehler kann ein nicht geerdetes Metallchassis höchst unangenehm werden: Es lädt sich statisch auf! Und was sich einmal aufgeladen hat, will sich auch entladen können. Diese »statischen« Stromschläge sind (normalerweise) zwar nicht lebensbedrohlich, können trotzdem sehr unangenehm sein.

Bevor man also einen Röhrenverstärker in Betrieb nimmt, sollte man sich vergewissern, dass eine funktionierende Schutzerdung tatsächlich existiert. In vielen Altbauten existiert lediglich eine »schmutzige« Erdung (der Null-Leiter des Netzanschlusses ist gleichzeitig auch die »Erde« – der eigentliche Schutzleiter – das grün-gelbe Kabel – täuscht da oftmals »Erdung« vor). Persönlich halte ich es für unverantwortlich, einen Röhrenverstärker ohne echte Schutzerdung zu betreiben.

Die im Röhrenverstärker (hoffentlich) eingesetzte Schmelzsicherung (mindestens im Primärstromkreis) soll vor Fehler und vor materiellen Schäden schützen. Da das Menschenleben aber unbezahlbar ist, schützt diese Sicherung eben nicht unbedingt das Leben! Sie schützt noch nicht einmal zuverlässig vor einem »Fehler im System« wie defekte Röhren oder fehlerhafte Ruheströme. Nur bei einem Kurzschluss reagiert sie zuverlässig. Der FI im Sicherungskasten allerdings auch!

Ich will nicht die Schmelzsicherung an sich verteufeln. Es ist lediglich eine Mahnung, der Schmelzsicherung nicht allzuviel Vertrauen entgegen zu bringen. Motto: Schaden kann sie nicht, ob sie was nützt(e), weiss man erst hinterher.

In den Sicherungskästen des Hausanschlusses wird mittlerweile ein sehr empfindlicher FI eingesetzt, der schon beim geringsten Anlass herausfliegt. In Altbauten findet sich dagegen häufig noch eine recht gutmütige Schmelzsicherung, die erst dann auslöst, wenn es bereits zu einem GAU gekommen ist. Eine Nachrüstpflicht besteht nicht, es ist aber bestimmt keine schlechte Idee, seinen Bastler-Stromkreis mit einem dieser hochsensiblen FI’s auszustatten.

Die Sammler- und Bastlerleidenschaft in allen Ehren. Bei direkt netzgekoppelten Geräten ist ein Trenntrafo Pflicht, sonst könnte die Freude über die Neuerwerbung nicht lange andauern, denn das Chassis liegt meist auf Netzpotenzial und »sinnigerweise« auf die Phase des Stromnetzes.

Ich weiss, einige halten sich für hinreichend abgebrüht und bezeichnen sich als »Könner«. Ich weiss aber auch von einigen »Könnern« die einen schweren Stromunfall hatten. Es ist ja leider so, dass man erst durch Schaden klug wird. Und derjenige, der eine »satte Ladung« abbekommen hat, prahlt nicht (mehr). Ich für meinen Teil kann auf solche kribbeligen Momente gerne verzichten.

Übrigens: die Bekanntschaft der kribbeligen Art muss immer wieder zur Legendenbildung herhalten. Wer sich nach einer solchen Prahlerei einmal schlau macht, wird dies ganz schnell als Fake enttarnen. Wenn also demnächst wieder einer behauptet: »Hey, ich habe einen gewischt bekommen. Waren fast 500V auf der Leitung und ich hing fast 2 Minuten dran, bis der FI herausflog…«, dann schickt ihm zu einem Praktikum ins Krankenhaus.

Ich will damit nicht die Bastelei verteufeln, aber wenn man zum basteln in den (feuchten) Keller gehen muss, dann sollten dicke Gummisohlen an den Schuhen dafür sorgen, dass man a) warme Füsse behält und b) auf einigermassen isoliertem Grund steht. Mit ein bisschen Vorsorge und den Sicherheitsgedanken im Hinterkopf macht das Basteln gleich doppelt so viel Spass. Vielleicht denkt man ja auch einmal über einen eigenen abgesicherten Stromkreis nach…

Es wird ja auch immer wieder gesagt, dass Kondensatoren »tückisch« sein können. Vollkommen richtig! Und besonders die Neuen. Die guten. Wer in einem Röhrengerät herumhantiert, sollte sich immer vergewissern, dass die Kondensatoren (besonders die, die im Netzteil sitzen) entladen sind. Sie dürfen mir glauben, dass »Erinnerungschläge« von einem, mit 450 Volt aufgeladenen, 100µF (oder gar 220 oder 470µF) Elko wirklich nicht angenehm sind. Fehlt z.B. ein Entladewiderstand, dann kann ein Elko die Versorgungsspannung u.U. tagelang »beibehalten«. In einigen preiswerten Röhrenverstärkern glänzt so ein Widerstand durch Abwesenheit und die Röhren sind da nun wirklich kein Garant, dass sich der Elko dann auch schnell genug entlädt, wenn der Verstärker ausgeschaltet wird.

An dem Spruch »Beim Messen und Testen immer eine Hand in der Hosentasche», ist wirklich etwas Wahres dran, denn nur zu leicht können »neugierige« Finger (Hände) einen ungewollten Stromkreislauf herstellen. Selbst die billigsten Messstrippen sind allemal besser, als mit beiden Händen in eine, unter Strom gesetzte Schaltung, herumzuwurschteln.

frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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